Wie geht es der Agentur Space Interactive?

Start-ups: Vom Sprung ins kalte Wasser

Nachgehakt Andreas Kalinka und Florian Pfahl bewegen sich mit ihrer Agentur Space Interactive für Kunden in virtuellen Welten. Wie ist es ihnen seit der Firmengründung ergangen? Ein Besuch.

Acht Jahre ist es her, dass sich Andreas Kalinka (33) und Florian Pfahl (35) mit ihrer Agentur Space Interactive selbstständig gemacht haben. Kennengelernt haben sie sich während ihres Studiums als Kommunikationsdesigner an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Durch ihren Professor stießen sie auf die Ausschreibung eines Ladenbauunternehmens für ein interaktives Messebaukonzept. Sie entwickelten einen Plan und nahmen bei dem Wettbewerb – unter deren Teilnehmern viele gestandene Agenturen waren – teil.

„Wir haben das nicht sehr ernst genommen, dazu war es viel zu utopisch, gegen Profis eine Chance zu haben“, sagt Pfahl. Doch das Unerwartete geschah. Sie bekamen den Zuschlag, und der Messeauftritt wurde ein voller Erfolg. „Es war der Startschuss für unsere Karriere.“

Danach ging alles sehr schnell. Mehrere Auszeichnungen und Preise folgten, verbunden mit weiteren Aufträgen. „Die Awards waren eine gute Starthilfe, die Messepräsenz lockte neue Kunden“, erzählen die beiden Jung-Unternehmer. Das Experimentieren mit Touchscreens, Lichtsensoren und Projektoren hielt die technikaffinen Kommunikationsdesigner in Atem. Forschungsgelder gab es von der Hochschule. „Allein mit Texten kann man heute keinen Kunden mehr hinter dem Ofen hervorholen, nicht einmal in einem Museum“, sagt Kalinka. Über den Messeauftritt hatten die beiden Männer Architekten kennengelernt, die für die Gestaltung in Museen Designer suchten. Seitdem setzen sie auch für Museen Konzepte um, zum Beispiel eine digitale Medienprojektion für das Bauhaus-Museum in Weimar.

Die Zusammenarbeit mit historischen Kunststätten sei sehr angenehm und Örtlichkeiten wie Burgen und Schlösser für Animationen bestens geeignet. Im Gegensatz zu den lauten Messen, die auch laut beworben werden müssten, setzten die Museen auf eher ruhige, aber zunehmend kreative Formen der Information.

Die beiden Jungunternehmer wünschen sich regionale Projekte

Das Engagement von Kalinka und Pfahl soll sich künftig nicht nur auf Messen und ostdeutsche Museen beschränken. „Wir würden uns freuen, wenn auch regionale Projekte hinzukommen“, sagen sie. Und schon deuten sich Aufträge aus nächster Nähe an. So haben die Weltenweber, ein anderes Krefelder Start-up, für das Jagdschloss von Burg Linn ein virtuelles Konzept für Burgbesucher entwickelt.

Ergänzend soll Space Interactive über die Krefelder Stadtgeschichte mit Hilfe des Space Book informieren. Das selbst entwickelte Marketingtool ist eine geschickte Kombination aus gedrucktem analogem Medium und digitalen Projektionen auf die Buchseiten, wobei beide Welten vereint und so zu einem neuen Erlebnis werden.

Das Tool ist laut Erfinder universell einsetzbar: „Unser Space Book kann Teil eines Ausstellungs- und Messekonzepts oder Eyecatcher in einem Showroom und Foyer sein.“ Und es vermittelt spielerisch Spaß: Die Einspieler erfolgen fast magisch durch Handbewegungen des Besuchers.

„Auch wenn wir es nie so richtig geplant hatten, so war doch früh klar, dass wir als Freiberufler arbeiten wollen“, sagt Pfahl. „Aber es ist schon krass, wenn man noch im Studium ist und ins kalte Wasser geworfen wird. Noch nie haben wir so viel gearbeitet wie bei dem ersten Ladenbauprojekt – 14 Stunden am Tag und kein Wochenende. Nie zuvor hatten wir mehr Druck.“ Das Studium schlossen die Partner 2014 ab. Der Übergang in die Selbstständigkeit war fließend, der Start erfolgte offiziell 2016. Der hohe Arbeitsaufwand zwang dazu, sich neu zu organisieren und produktiver zu arbeiten. Heute werden die Projekte geplant, Kosten und Aufwand kalkuliert und aus einem festen Netzwerk Freiberufler zur Unterstützung einbezogen.

„Inzwischen haben wir wieder einen normalen Neun-Stunden-Tag und freie Wochenenden“, sagen Kalinka und Pfahl. An Aufträgen fehle es nicht. „Wir sind bis in den Oktober ausgebucht und denken über einen festen Angestellten nach.“

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