Wie die Digitalisierung das Bauen beeinflusst

Innovation: Digitales Bauen auf dem Vormarsch

In Krefeld zeigen Firmen anhand von Beispielen, wie neue Technologien das Handwerk beeinflussen.

Die Bildungszentren des Baugewerbes (BZB) waren in den letzten drei Tagen Schauplatz eines Qualifizierungskonzeptes für Digitales Bauen im Handwerk. Eingeladen waren Multiplikatoren aus Kammern, Verbänden und Bildungseinrichtungen, die über die Konzepte informiert wurden, um die Umsetzung zu prüfen und zu fördern. Von dem neuerworbenen Wissen mit den vielen digitalen Neuerungen sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen im Baugewerbe profitieren. Rund 50 Teilnehmer nahmen das Angebot an. Namhafte Firmen wie Bosch, Hilti und Leica Geosystems sowie eine Reihe weiterer innovativer Software-Firmen hatten einen Parcours aus zwölf Stationen aufgebaut, an denen moderne IT-Anwendungen und digitale Werkzeuge demonstriert wurden. Die Leistungsschau wurde auch in weiteren deutschen Städten gezeigt – mit zum Teil wechselnden Stationen. Zielgruppen sind Firmen aus Bau- und Ausbaugewerbe.

Für diese Firmen steht mit der Nutzung der neuen digitalen Technologien auch die Existenz auf dem Spiel. Denn wer darauf zurückgreift, kann sich erhebliche Wettbewerbsvorteile verschaffen. Davon überzeugt ist BZB-Projektmanagerin Martina Schneller. „Das Innovationspotenzial ist hoch, aber auch ein niederschwelliger Einstieg ist möglich, mit dem Zeit und Kosten nach der Amortisation gespart werden können.“ Schneller leitet das bereits seit 15 Monaten laufende Projekt auch in den nächsten beiden Jahren.

Motto: „Sehen, anfassen, ausprobieren“

Der Innovationspfad steht unter dem Motto „Sehen, anfassen, ausprobieren“. An jeder Station stellt ein Experte vom „Schaufenster Digitales Bauen“ ausgewählte Werkzeuge oder Tools vor und beantwortet Fachfragen. An einer Station erwartet Sonja Zinser von Palette CAD die Gäste. Ausgestattet mit einer 3-D-Brille wird der Interessent in sein zukünftiges Badezimmer versetzt. Dort kann er unter Anleitung die Sanitäranlagen und Fliesen auswählen und sehen, wie das Wasser aus dem Duschkopf fließt. Im System wählbar sind 180 000 Kacheln und Heizeinsätze, 54 000 Fliesen und 300 000 Sanitäranlagen. Die virtuelle Realität erlaubt den Kunden der Sanitär- und Fliesenbetriebe einen optimalen ersten Eindruck.

Nicht weniger spannend ist die nächste Station, anhand der Christian Schäfers von Leica die Vorzüge eines 3-D-Laserscanners erläutert. Der Scanner erfasst 360 000 Bildpunkte pro Sekunde und stellt sie auf dem Tablet räumlich dar. Per Touchscreen genügt es, die Ecken des Raumes anzuklicken, und die Daten werden automatisch gescannt. Für Architekten und ausführende Firmen wird die Bestimmung der Baumaße für das Bauen im Bestand zum Kinderspiel. Geht es um das Aufmaß eines bestehenden Gebäudes oder eines Daches von außen, kann man sich einer Drohne bedienen. Diplomingenieur Nils Kock to Krax von der Universität Wuppertal zeigt die Fotos, die eine Drohne nach zweimaligem Überfliegen des BZB-Gebäudes geschossen hat – gesteuert per Handy und App. Nach zwei Stunden waren alle relevanten Werte gescannt und verarbeitet.

Zukunftsweisend sind auch die automatisierte Fahrzeug- und Werkzeugausgabe sowie Kontrolle der Firma 2G Konzept. Man loggt sich am Automaten für Bauhoflogistik mit seinem Führerschein ein und bestellt per Knopfdruck die Fahrzeugschlüssel von Baufahrzeugen oder einen Werkzeugkoffer. Dank eines Transponders auf dem Führerschein, auf dem die Daten hinterlegt sind, werden die Führerscheinklasse identifiziert und die Berechtigung ermittelt, bestimmte Werkzeuge ausleihen zu dürfen, wonach sich die Tür am Automaten öffnet. Auch die Rückgabe erfolgt so. Ausgabe, Annahme und Kontrolle in einem – personalfrei.

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