Wenn Lokomotiven wie von Geisterhand fahren

Unternehmen : Wenn Lokomotiven wie von Geisterhand fahren

Die Firma Cattron entwickelt im Europark Fichtenhain Funkfernsteuerungen und Sicherheitstechnik für die Industrie in ganz Europa.

Wenn Lokomotiven auf Rangierbahnhöfen wie von Geisterhand bewegt und Güterwaggons abgekoppelt werden, dann hat das oft mit dem Krefelder Unternehmen Cattron zu tun. Die europäische Niederlassung der gleichnamigen US-Muttergesellschaft ist seit 2016 im Europark Fichtenhain A zu Hause. „Wir vertreiben von Krefeld aus industrielle Funkfernsteuerungen und Sicherheitstechnik nach ganz Europa, die wir hier auch kundenspezifisch entwickeln und für die wir den technischen Support leisten“, erläutert Geschäftsführer Karsten Nitsch das Portfolio. Gefertigt werden die hochmodernen elektronischen Systeme für Schienenfahrzeuge, Industriekrane, Vortriebsmaschinen für den Bergbau sowie für andere Schwermaschinen im tschechischen Produktionswerk in Liberec. Der Vorteil: Das Unternehmen bewegt sich in einem globalen Nischenmarkt mit wenig Wettbewerbern.

Um Transportkrane und Rangierlokomotiven drahtlos und jederzeit sicher zu bewegen und im Notfall abzubremsen, bedarf es eines an die zu steuernde Maschine angepassten Empfängers und eines handlichen, tragbaren Handsteuergeräts für den Funkempfang am Einsatzort. Diese Geräteeinheit sieht zwar einfach aus, ist aber vollgepackt mit Elektronik. „Dahinter stecken jahrelange Entwicklung und all unser in mehr als 70 Jahren erworbenes Knowhow an Sicherheitstechnik, die den hohen Anforderungen der jeweiligen Sicherheitsbehörden genügen muss“, sagt Nitsch. „Es muss ausgeschlossen werden, dass Menschen verletzt werden und Schäden in Millionenhöhe entstehen, zum Beispiel wenn das Transportband eines Paketzentrums im Notfall nicht stehenbleibt, der Hochofenabstich im benachbarten Stahlwerk nicht sachgerecht erfolgt oder die Magnetventile versagen, die Flugzeugflügel transportieren“, schildert der Firmenchef zwingend zu vermeidende Szenarien. Dabei müssen falsche Signale ebenso ausgeschlossen werden wie ein Totalausfall – sei es bei einem Funkloch oder beim Ausfall des Bedieners. Dann leitet die Lok automatisch eine Vollbremsung ein oder eine Maschine den sofortigen Stillstand. Der hohe technische Aufwand schlägt sich entsprechend im Preis nieder. Die komplette Geräteeinheit für die Funkfernsteuerung für Lokomotiven kostet je nach Ausstattung zwischen 16000 und 25000 Euro, für Krane ab etwa 5000 Euro.

„Wir arbeiten in einem hochsensiblen Markt mit einer Teilautomatisierung in der Kombination Mensch und Maschine“, ist sich Nitsch der Verantwortung bewusst. „Und wir sparen den Kunden Personal und erhöhen deren Produktivität.“ Zum Rangieren von Lokomotiven und zum Abkoppeln von Güterwaggons brauche man heute nur noch eine Person statt zuvor drei. Die digitale Zukunft biete glänzende Entwicklungsmöglichkeiten bei mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz, unter anderem beim Be- und Entladen ganzer Güterzüge zur Entlastung der Straßen. Die zunehmende Automatisierung will Cattron mit einer neuen Funkfernsteuerungsplattform innovativ begleiten. „Das macht richtig Spaß, vor allem mit unserem tollen Mitarbeiterteam aus Top-Spezialisten“, sagt Nitsch. „Viele der 35 Mitarbeiter sind schon lange bei uns, zum Teil noch aus der Vorgängerfirma Theimeg aus Mönchengladbach, darunter Vertriebsspezialisten, Nachrichtentechniker, Informatiker und Softwareentwickler – eine gute teamorientierte Mischung.“

Dafür schaffe er auf den gemieteten Etagen gerne gute Arbeitsbedingungen, damit sich alle wohlfühlen, unter anderem mit flexiblen, familiengerechten Arbeitszeiten, Homeoffice-Angebot, organisiertem Mittagessen, Kaffeemaschine und Obstteller. Und mit Betriebsrat.