Viele Krefelder sparen immer mehr, obwohl die Zinsen niedrig sind

Geld: Viele Krefelder sparen immer mehr, obwohl die Zinsen niedrig sind

Die Sparkasse und die Volksbank in Krefeld bestätigen einen bundesweiten Spar-Trend. Besonders beliebt sind Fonds.

Kann man sich das Sparen mittlerweile sparen? Mit Blick auf die historisch niedrigen Zinsen scheint die Antwort auf diese Frage eigentlich sonnenklar zu sein: Sparen lohnt sich nicht mehr. Aktuelle Umfragen zeigen jedoch: Die Lust am Sparen ist auch im Zins-Tal ungebrochen. Auch Sparkasse und Volksbank in Krefeld bestätigen diesen überregionalen Trend.

„Die Zuwächse in diesem Bereich liegen bei rund drei Prozent“, berichtet Harald Schulze von der Sparkasse Krefeld. Das gute alte Sparbuch spielt dabei natürlich keine große Rolle mehr. Vielmehr fragten die Kunden verstärkt kurzfristige Anlagen nach. Wer längerfristig investieren wolle, lasse sich über die Möglichkeiten von Fonds und Aktien informieren.

Nach wie vor liegt viel Geld auf klassischen Sparbüchern

Wie Schulze berichtet, spiele sich auch „viel auf dem Girokonto ab“. Wenn die Summen, die dort stehen bleiben, sehr hoch werden, frage man den Kunden, ob eine so hohe Liquidität sinnvoll sei und mache ihn auf Möglichkeiten der Geldanlage aufmerksam.

Die wiederum hängen vom Alter, den persönlichen Zielen und Wünschen sowie der Lebenssituation ab. Dient die Anlage der Altersvorsorge? Soll der jetzige Lebensstandard gesichert oder die Rentenlücke geschlossen werden? Gibt es Kinder, denen man etwas vererben möchte? Oder ist der Kauf einer Immobilie geplant?

Wer sein Geld ganz sicher anlegen will, kann keine hohen Zinsen erwarten. Bei höherer Risikobereitschaft steige dagegen die Möglichkeiten, aus dem Zins-Tal herauszukommen. „Gerade Fonds sind hier derzeit im Trend“, berichtet Schulze.

Den Wunsch nach einer sicheren Anlage kennen auch Volksbank-Vorstand Christoph Gommans und Wolfgang Holthausen, Leiter der Privatkundenbetreuung. Darüber hinaus gebe es den Wunsch nach einem sicheren Anbieter. Die Volksbank wertet steigende Kundenzahlen als Vertrauensbeweis.

Nach wie vor gebe es „große Volumen“ auf klassischen Sparbüchern. Andererseits wird aber immer mehr Geld angelegt. Ein Plus von 109 Millionen Euro gebe es auf der Anlagenseite, was einem Anstieg von 7,7 Prozent entspreche, sagt Gommans.

Wolfgang Holthausen empfiehlt seinen Kunden, drei Monatsgehälter für ungeplante Ausgaben zurückzulegen. Dann sei es nicht sinnvoll, alle zur Verfügung stehenden Summen auf einen Schlag und an einer Stelle anzulegen, sondern zum Beispiel Sparpläne über einen längeren Zeitraum abzuschließen (siehe Kasten). Die Verteilung der verschiedenen Anlageformen könne auf die Risikobereitschaft der Kunden abgestimmt werden. Insgesamt fünf Risikoklassen sieht die Volksbank vor – von „geringes Verlustrisiko oder konservativ“ bis zu „sehr hohes Verlustrisiko – hochspekulativ“.

Wie Gommans betont, müssten die Kunden zumindest die Inflation mit einer Anlage ausgleichen können. Auch bei der Volksbank sind hier Fonds gefragt. Immobilienfonds sogar so stark, dass es nicht immer genug Objekte dafür gibt. Im Schnitt seien Zinsen von zwei bis drei Prozent erreichbar.

Kann man sich das Sparen sparen? Christoph Gommans Empfehlung geht mit Blick auf das Risiko steigender Inflation und einer Fortsetzung der Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) in die entgegen gesetzte Richtung: „Es ist keine Alternative, darüber nicht nachzudenken.“

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