Unternehmen am Niederrhein sehen verhalten optimistisch in die Zukunft

Konjunkturumfrage : „Konjunktur steht am Scheideweg“

IHK hat heimische Unternehmen zu ihren Geschäftsprognosen befragt. Die Erwartungen sind gesunken.

Brexit, Donald Trump und Diesel-Fahrverbot – das sind die großen Unbekannten in den Konjunkturerwartungen heimischer Unternehmen. An sich sieht die Lage  gar nicht so schlecht aus: Der überwiegende Teil der regionalen Firmen beurteilt die aktuelle Geschäftslage gut. Auch die Erwartungen der Betriebe für die kommenden Monate sind positiv. Aber: Beide Stimmungsindikatoren sind zweimal in Folge gesunken. Dies ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein, an der sich 800 Betriebe mit knapp 90 000 Beschäftigten beteiligt haben – darunter gut 100 Krefelder Firmen.

Handelskrieg und drohender Brexit

„Die Konjunktur steht im Jahr 2019 am Scheideweg“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Die Analyse zeige, dass es vor allem von den weltpolitischen Weichenstellungen abhängen werde, ob es bei einer Konjunkturdelle bleibt, oder ob sich die konjunkturelle Abkühlung über das erste Halbjahr 2019 hinaus fortsetzen wird. „Insbesondere bei den exportorientierten Branchen wie der Industrie, dem Großhandel und der Logistik hängt dies mit den Risiken wie den Protektionismusbestrebungen in den USA, dem Handelskrieg zwischen den USA und China sowie der Furcht vor einem ungeregelten Brexit zusammen“, erklärt Steinmetz.

 „Jede weitere Belastung für die Unternehmen wäre jetzt Gift“, ergänzt Gregor Werkle, Volkswirt bei der IHK Mittlerer Niederrhein. Die Handlungen Donald Trumps sind kaum zu beeinflussen – wohl aber die Politik der Städte am  Niederrhein. „Eine Gewerbesteuererhöhung, wie sie gerade in Viersen diskutiert wird, wäre eine rigide Belastung“, sagt Gregor Werkle.

45 Prozent der Betriebe in der Region melden eine gute Lage, nur zehn Prozent eine schlechte. Aber: Die Erwartungen sind nicht mehr so hoch. „Nur 23 Prozent der regionalen Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 14 Prozent mit einer Verschlechterung“, so Steinmetz. Vor einem Jahr sei die Euphorie zu Jahresbeginn deutlich größer gewesen – und 2018 erfüllte dann tatsächlich die hohen Erwartungen.

 Der IHK-Geschäftsklimaindex, der Lage und Erwartungen zusammenfasst, ist innerhalb eines Jahres um gut zehn Punkte gesunken, verbleibt mit knapp 22 Punkten aber weiterhin auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Wie Werkle dazu ergänzt, sei die Befragung von Mitte Dezember bis Mitte Januar erfolgt, also meist noch vor der Entscheidung des britischen Parlaments gegen den mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag. „Die Sorgenfalten haben seitdem sicher noch zugenommen.“ Denn der möglicherweise ungeordnete Ausstieg der Briten werde von rund einem Drittel der Unternehmen in Industrie, Großhandel und Dienstleistungen negativ beurteilt – selbst bei Firmen, die gar keinen direkten Geschäfte mit Großbritannien betreiben.

Die Einstellungsbereitschaft der Betriebe bleibt zwar positiv, allerdings dürfte die Dynamik des Beschäftigungsaufbaus abnehmen. Was allerdings zwei Seiten hat: Da weniger Leute eingestellt werden, ist auch das Problem des Fachkräftemangels etwas zurückgegangen. Bei den Betrieben mit konkret benanntem Personalbedarf ist er allerdings weiterhin gravierend, betont Jürgen Steinmetz.

Warnsignale sind nicht zu übersehen

Die Auftragslage bleibt gut – das Auftragsplus aus dem In- und Ausland fällt jedoch geringer aus als zuletzt. Die Betriebe haben ihre Investitionspläne im Vergleich zum Herbst leicht nach unten korrigiert und erwarten nur ein moderates Investitionswachstum. „Insgesamt ist die Lage somit zwar trotz der Abkühlung noch gut, die Warnsignale sind jedoch nicht zu übersehen“, sagt Steinmetz.

Die konjunkturelle Lage ist von Branche zu Branche unterschiedlich. So geht der Boom im Baugewerbe weiter. „Die Betriebe sind voll ausgelastet und haben ihre Erwartungen für das Jahr 2019 zuletzt sogar nach oben korrigiert. Die Beschäftigungs- und Investitionspläne der Branche sind so expansiv wie lange nicht“, erklärt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Dagegen hat sich das Konjunkturklima in wichtigen Industriezweigen wie der chemischen Industrie, die in Krefeld besonders stark ist, und dem Maschinenbau abgekühlt. „Gerade die chemische Industrie hatte aber auch ein mega-gutes Jahr“, berichtet Gregor Werkle.

„Die Industrie sieht zurzeit insbesondere in den Energie- und Rohstoffpreisen ein bedeutendes Konjunkturrisiko. Die Politik ist deshalb mehr denn je gefordert, Versorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Preisen zu gewährleisten“, fordert Berghausen.

Das ermittelte Plus beim Umsatz des Einzelhandels geht ausschließlich auf den Online-Handel zurück. „Im stationären Handel war die Umsatzentwicklung nur knapp oberhalb eines Stagnationskurses“, erklärt der Düsseldorfer IHK-Hauptgeschäftsführer.

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