Tischlerei Gebr. Schleiffenbaum: Möbel mit Liebe behandeln

Tischlerei Gebr. Schleiffenbaum: Möbel mit Liebe behandeln

Die Tischlerei Gebr. Schleiffenbaum besteht seit 175 Jahren. Restaurieren steht heute im Mittelpunkt.

Krefeld. Die Philosophie seines Unternehmens beschreibt Rolf Pütz so: „Restaurieren heißt, nicht wieder neu machen.“ Damit trifft der Inhaber der Firma Gebr. Schleiffenbaum, einer Fachwerkstatt zur Konservierung und Restaurierung von Möbeln und Holzobjekten, den Geschmack seiner Kunden. Seit 175 Jahren besteht der an der Vinzenzstraße in Krefeld ansässige Betrieb.

Zum Jubiläum erhielt Pütz während der Versammlung der Tischler-Innung Krefeld die Ehrenurkunde der Handwerkskammer Düsseldorf. Obermeister Peter Flümann und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, Paul Neukirchen, überreichten ihm die Auszeichnung.

„Wir achten darauf, dass das Objekt nicht in einen vermeintlichen Urzustand versetzt wird, sondern dass wir die Spuren seiner Geschichte bewahren und die Substanz erhalten“, erläutert Pütz. Deshalb werden die alten Möbel auch nicht abgeschliffen und neu lackiert. „Wir versuchen stattdessen, die vorhandene Lackoberfläche durch Anlösung zu regenerieren“, so Pütz. Der Tischlermeister und Restaurator will, „dass man die Geschichte des Stücks erkennen kann“.

Der 54-Jährige arbeitet für Museen, Sammlungen und Denkmalpflegebehörden — und natürlich für Privatkunden. Die könnten besonders schöne Geschichten über die alten Möbel erzählen. „Kürzlich haben wir eine Kommode restauriert, in der die Großmutter der Auftraggeberin ihre Liebesbriefe aufbewahrt hatte“, schwärmt Pütz.

Zwischen 150 und 200 Stücke restauriert er mit seinen drei Mitarbeitern pro Jahr. Darunter auch so wertvolle wie einen alten Tisch des berühmten Tischlers Abraham Roentgen, die Türen und Türverkleidungen der Häuser Esters und Lange oder das Tabernakel der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus Maior in Schwalmtal-Lüttelforst. Das älteste Stück, das Pütz je bearbeitet hat, war eine Truhe, die dreieinhalb Jahrhunderte vor der Restauration gefertigt worden war.

Seit 1992 ist Rolf Pütz Inhaber der Firma Gebr. Schleiffenbaum, die 1836 erstmals urkundlich erwähnt wird. Damals übernahm Franz Heinrich Schleiffenbaum von seinen Vorfahren eine Kistenmacherei und baute sie zur Möbelschreinerei aus. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ließen viele Krefelder in dem Betrieb ihre Möbel fertigen. Bis zu 30 Mitarbeiter waren im Unternehmen beschäftigt. Im Krieg wurden die Werkstätten und das Geschäftsgebäude zerstört. Helga Pitzen-Schleiffenbaum und Josef Pitzen bauten den Betrieb neu auf und legten die Basis für die aktuelle Ausrichtung.

Der heutige Inhaber Rolf Pütz fing vor inzwischen 29 Jahren als Praktikant im Unternehmen an, später arbeitete er hier sechs Jahre als Werkstattleiter. 1992 übernahm er die Firma, die er mit seiner Ehefrau Elisabeth führt. Red

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