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Renovierungen am Haus wegen Corona?

Unternehmen : Renovierungen am Haus wegen Corona?

Dem Handwerk, insbesondere dem Ausbauhandwerk, geht es derzeit gut – dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle

Wer sich in diesen Tagen in Krefeld umschaut, dem fällt auf: Da gibt es Gerüste vor Häusern, an denen Fassaden- und Dachsanierungen durchgeführt werden. Und auch im Inneren wird gewerkelt. Sind es ganz normale Entwicklungen, wie sie ja auch die für Krefeld zuständige Handwerkskammer Düsseldorf in ihrem jüngsten Herbstgutachten festgestellt hat (siehe Infokasten)? Oder spielt bei dieser Frage vielleicht noch etwas anderes eine Rolle, was schon als Tui-Effekt betitelt wurde? Gemeint ist: Weil die Menschen in der Coronapandemie das Geld nicht für ihre (Pauschal-)Reise ausgegeben haben, investieren sie es eben in das Aufhübschen der eigenen vier Wände.

Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert sagt: „Der Eindruck, dass sich auch in Krefeld eher noch vermehrt Kräne drehen und Baufahrzeuge kreiseln, trügt nicht. Die Bauwirtschaft und auch das Ausbau-Gewerbe sind ziemlich robust durch die Krise gekommen, jedenfalls bislang.“ Dem Bausektor komme in diesem Pandemie-Jahr 2020 die Rolle im Wortsinn als Zugmaschine der Handwerks- wie auch der allgemeinen Konjunktur zu. Ehlert: „Jeweils nur zehn Prozent der von der Kammer vor wenigen Wochen befragten Unternehmen des Bau- und des Ausbauhandwerks berichteten uns im Rahmen unserer Herbstumfrage von einer Verschlechterung ihrer geschäftlichen Situation in den letzten sechs Monaten; das Gros hatte dagegen gleichbleibend gute oder (zu rund 60 Prozent) sogar steigende Nachfrage.“

Kleinere Bauvorhaben von Eigentümern werden angegangen

Einen Hauptgrund für die fortdauernde Hausse am Bau sieht Ehlert in den anhaltend geringeren Renditeaussichten anderer Kapitalverwertungen – vor allem bei der Verzinsung von Rücklagen beziehungsweise den Finanzanlagen. Investoren betrachteten demgegenüber die energetische und Komfort-Modernisierung privater wie gewerblicher Immobilien als nachhaltig ertragswirksam. Doch auch die Pandemie spiele eine Rolle. Ehlert: „Auch Eigner von Immobilien, Grund und Anlagen haben in diesem Jahr deutlich weniger Geld für Reisen – vor allem Fern- und Flugreisen – aufgewendet. Auch dieses übrige Kapital ist mit in Sachinvestitionen, vor allem eben in Bau- und Umbaumaßnahmen geflossen.“

Marc Peters, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, sagt zwar auch, dass das Bau- und Ausbauhandwerk gut gefüllte Auftragsbücher habe. Mit entsprechend langen Wartefristen für die Kunden.

Er glaubt aber, dass die Coronakrise dabei allenfalls einen Nebeneffekt haben kann. „Die Auftragslage in diesen Branchen war schon vor Corona gut.“ Das liege auch am niedrigen Zinsniveau. Wenn ein Hauseigentümer sehe, dass er keine Zinsen bekomme und damit angesichts auch einer nur geringen Preissteigerung das Geld auf der Bank weniger wert wird, dann liegt der Gedanke schon nahe, in Immobilienwerte zu investieren.

Peters weist aber auch darauf hin, dass allein die Tatsache, dass jemand auf einen Urlaub mit Kosten von 2000 oder auch 4000 Euro verzichtet, dieses ersparte Geld noch lange nicht für eine gute Badmodernisierung ausreiche. Für eine solche kann man schon mal 20 000 Euro und mehr ausgeben.

Joachim Selzer, Obermeister der Krefelder Bau-Innung und geschäftsführender Gesellschafter der Krefelder Baufirma Infrabau, kann sich schon vorstellen, dass gerade kleinere Bauvorhaben von privaten Eigentümern derzeit angegangen werden. Dabei spiele dann auch eine Rolle, dass zum Beispiel bei energiewirksamen Investitionen wie einer Wärmedämmung, dem Austausch von Fenstern oder auch der Heizungsmodernisierung staatlicherseits mit beträchtlichen Hilfen gefördert werde. Auch wenn sich das nicht mit Zahlen belegen lasse, könne auch das verstärkte Nutzen des Homeoffice wohl manch einen auf die Idee bringen, mehr ins eigene Heim zu investieren, in dem man dann ja auch mehr Zeit verbringt und möglichst angenehm arbeiten wolle. Auf Handwerkerseite könnten solche Vorhaben insbesondere den kleineren und mittleren Betrieben helfen. Auch Selzner kann all’ das aber nicht mit Zahlen belegen, es sei nur ein Eindruck, eine Wahrnehmung, „aber die muss ja nicht falsch sein“.