Peter Ewert: „Der nächste Aufschwung kommt bestimmt“

Peter Ewert: „Der nächste Aufschwung kommt bestimmt“

Der Leiter der Arbeitsagentur Krefeld, Peter Ewert, spricht über den Arbeitsmarkt 2009.

Krefeld. 2008 ist, zumindest in den ersten drei Quartalen, aus Sicht der Arbeitsagentur Krefeld ein gutes Jahr gewesen. Das wird sich 2009 ändern - erste Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat es schon im Dezember gegeben. Der Leiter der Krefelder Agentur, Peter Ewert, blickt auf das noch junge, laufende Jahr 2009.

Frage: Herr Ewert, im Jahr 2009 haben Sie 20 Millionen Euro für arbeitsmarktpolitische Schritte zur Verfügung. Welche sind die wichtigsten?

Peter Ewert: Im Blickpunkt steht die Förderung von Arbeitslosen, um sie für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Schwerpunkt dabei ist die berufliche Weiterbildung. Dabei reicht das Spektrum vom eintägigen Bewerbungstraining bis zur mehrmonatigen Umschulung. Alle unsere Aktivitäten sind am Bedarf des Arbeitsmarkts ausgerichtet, denn der Aufwand muss sich lohnen: Vor allem für den Teilnehmer, aber auch für den Beitragszahler.

Neben der beruflichen Weiterbildung sind insbesondere Trainings in Betrieben und Zuschüsse bei der Einstellung von Mitarbeitern mit Vermittlungshemmnissen wichtige Aufgabenfelder. 2008 haben über 1500 Menschen mit unserer Hilfe eine berufliche Weiterbildung begonnen. Für 2009 rechne ich mit einer weiteren Steigerung.

Ewert: Präventive Maßnahmen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Arbeitslosigkeit soll erst gar nicht entstehen. Dahinter steht die Überlegung: Lieber frühzeitig in Weiterbildung investieren, als später Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Bekannt ist unser Programm "Wegebau" - Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen. Dabei haben wir vor allem Beschäftigte im Auge, für die es im Falle einer Arbeitslosigkeit nicht so leicht ist, einen neuen Job zu finden.

Das sind insbesondere ältere Arbeitnehmer und Beschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Neu hinzugekommen ist die Förderung beruflicher Weiterbildung von Kurzarbeitern. Ich sehe darin einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung von Arbeitsverhältnissen. Das ist gerade jetzt von Bedeutung, denn die Kurzarbeit nimmt, wie seinerzeit berichtet, enorm zu.

Ewert: Er sollte mit seinem Arbeitgeber sprechen, denn der Arbeitgeber muss den Antrag auf finanzielle Förderung der Qualifizierung bei uns stellen. Arbeitgeber und Beschäftigte, die mehr über unsere Fördermöglichkeitenwissen wollen, sollten sich an unsere Weiterbildungsberaterin Iris Kremer wenden, Ruf 922180.

Ewert: Ganz eindeutig wird dadurch die Vermittlung intensiviert. Mehr Vermittler bedeuten individuellere Beratung der Menschen, die Arbeit suchen, und mehr Kontakte zu den Betrieben. Beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, profitieren davon. Der Ausgleich auf dem Arbeitsmarkt wird beschleunigt.

Ewert: Hauptgrund war die gute Konjunktur, flankierend hat die Neuausrichtung unserer Arbeitsweise beigetragen. Wir sind näher am Markt und konnten dadurch unsere Vermittlungserfolge ausbauen. Der demografische Wandel spielt noch keine so große Rolle. Aber es ist absehbar, dass sich das ändern wird. Auch wenn 2009 die Arbeitslosigkeit steigen wird, werden wir auf längere Sicht einen zunehmenden Bedarf an Fachkräften haben.

Durch die demografische Entwicklung wird es weniger Menschen geben, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Zurzeit gibt es noch knapp 45 Millionen Erwerbspersonen in Deutschland, 2020 werden es schon drei Millionen weniger sein.

Ewert: Die Erfahrung zeigt, dass zwischen der Entwicklung auf dem Arbeits- und dem Ausbildungsmarkt eine enge Verknüpfung besteht. Mancher Betrieb, der wegen sinkender Aufträge Mitarbeiter entlässt, wird nicht zeitgleich Ausbildungsstellen melden. Dies kann aber weitreichende Folgen haben. Wer die Nachwuchsarbeit heute vernachlässigt, wird morgen das Nachsehen haben. Natürlich ist das eine betriebswirtschaftliche Überlegung. Aber mittel- und langfristig lohnt sich die Investition in Berufsausbildung immer.

Ewert: Ich wünsche dem Arbeitsmarkt, dass er die aktuellen konjunkturellen Einflüsse möglichst schadlos übersteht. Das wird aber nur dann der Fall sein, wenn wir heute schon an morgen denken. Unklar ist zwar, wie lange und in welchem Ausmaß die Krise andauern und welche Auswirkungen sie tatsächlich auf den Arbeitsmarkt haben wird.

Fest steht jedoch: Der nächste Aufschwung kommt bestimmt, und alle sind gut beraten, wenn sie ihr Handeln darauf abstellen. Vor einem Personalabbau sollte deshalb über Alternativen nachgedacht werden, zum Beispiel über "Qualifizieren statt Entlassen". Meine Mitarbeiter und ich unterstützen und beraten die Unternehmen dabei gern.

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