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Nirosta: Angst vor dem Niedergang

Nirosta: Angst vor dem Niedergang

Rund 1000 Arbeiter versammelten sich auf dem Theaterplatz. Sie fürchten, dass Outokumpu nicht wie zugesagt in Krefeld investiert.

Krefeld. Bernd Kalwa ist sauer. „Mein Eindruck ist, dass wir keinen Tarifvertrag unterschrieben haben, sondern einen Lottoschein“, sagt der Betriebsratschef von Nirosta. Der Beifall jener rund 1000 Arbeiter, die sich gestern Vormittag zur Belegschaftsversammlung auf dem Theaterplatz getroffen haben, ist ihm sicher.

Kalwas Zorn richtet sich gegen Outokumpu. Der finnische Konzern hat vor einem halben Jahr die Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp und damit auch Nirosta übernommen.

Damals wurde die Schließung der Flüssigphase in Krefeld zum Jahresende beschlossen. Gleichzeitig verpflichtete sich Outokumpu-Chef Miko Seitovirta, 244 Millionen Euro in das Nifo-Projekt (Nirosta-Ferri-Optimierung) und die Verlagerung der Ferritfertigung von Düsseldorf-Benrath nach Krefeld zu investieren. Hinzu sollen 20 Millionen Euro für ein neues Forschungszentrum in Krefeld kommen.

„Ich fürchte, dass die Zusagen nicht eingehalten werden“, so Kalwa. „Im Widerspruch zu unserer Vereinbarung fährt Outokumpu die Flüssigphase schon jetzt runter. Und das Rechnungswesen soll in die Dritte Welt verlagert werden. Das akzeptieren wir nicht. Sitz der Nirosta-Verwaltung muss Krefeld bleiben“, sagt Kalwa.

Personalvorstand Frank Brüggestrat versucht, die Position des Unternehmens zu erläutern. Grundsätzlich wolle man die Zusagen einhalten. Aber der Edelstahlmarkt in Europa sei von Überkapazitäten und sinkenden Preisen geprägt. „Wir verdienen kein Geld“, so der Manager.

Das Unternehmen werde außerdem benachteiligt. Obwohl die Fertigung von Edelstahl sehr energieintensiv sei, gelte für Nirosta die Ausgleichsregelung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht mehr. „Das kostet uns jeden Monat 2,3 Millionen Euro zusätzlich“, so Brüggestrat.

Für diese Ungleichbehandlung macht NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) die schwarze-gelbe Bundesregierung in Berlin verantwortlich. „Die Energiewende ist richtig. Aber sie darf keine Industriearbeitsplätze gefährden.“

Kalwa rechnet vor, wie sich die Stellenzahl bei Nirosta in Krefeld entwickeln wird. „Wenn’s gut läuft, haben wir es Ende des Jahres noch 1800 Mitarbeiter. Läuft es schlecht, sind es vielleicht noch 1700.“ Durch die Verlagerung des Werkes in Benrath nach Krefeld könnte die Zahl der Beschäftigten 2015/16 allerdings wieder um etwa 250 wachsen.