Krefelder Wirtschaftsförderung will Brachen in eigener Regie beleben

Team wird vergrößert : Mehr Brachen sollen wiederbelebt werden

Nicht nur neue Gewerbegebiete will die Wirtschaftsförderung schaffen, sondern weitere bestehende Flächen revitalisieren.

Die Revitalisierung brach liegender Gewerbeflächen will die Wirtschaftsförderung Krefeld mit ihrer Immobiliengesellschaft GGK ab dem kommenden Jahr stärker in den Fokus nehmen. Damit sollen gleich mehrere Ziele erreicht werden: die große Nachfrage von Unternehmen stillen und gleichzeitig Jobs in Krefeld als Stadt mit hoher Arbeitslosenquote ansiedeln, aber trotzdem Ressourcen schonen. „Wir wollen das, was wir an Boden haben, möglichst effektiv nutzen und nicht auf Teufel komm raus neue Flächen versiegeln“, sagt Eckart Preen, Geschäftsführer der WFG und der Grundstücksgesellschaft der Stadt Krefeld (GGK), mit Blick auf das Thema Klimaschutz.

Um den Fokus aufs Recycling von Brachen legen zu können, wird das Team der GGK voraussichtlich im Frühjahr oder Frühsommer 2020 bereits aufgestockt. Drei Stellen sollen in Kürze – und bis spätestens Ende November – ausgeschrieben werden. Aktuell sind fünf Mitarbeiter bei der GGK beschäftigt, einschließlich Ladenflächenmanagement und Rechnungswesen.

Die drei neuen Angestellten sollen sich nicht zuletzt um die Belebung bereits bestehender, aber ungenutzter Gewerbeflächen kümmern. „Oft sind wir als Wirtschaftsförderung ja die ersten, die erfahren, wenn ein Unternehmen seinen Standort verlagert, oft auch innerhalb der Stadt“, sagt Preen, „aber uns waren bislang aufgrund der knappen Ressourcen quasi die Hände gebunden.“

Da sich nun mehr Mitarbeiter mit dem Thema Revitalisierung befassen werden, könnten auch Fehlentwicklungen verhindert werden. „Ein absolutes Negativbeispiel für die neue Nutzung solcher Flächen sind beispielsweise riesige Garagenhöfe, die auch in Krefeld entstanden sind. Da müssen die Besitzer nicht viel investieren. Es gibt schnelles Geld. Aber es hat überhaupt keinen Arbeitsplatzeffekt“, sagt Preen. Genau das sei aber der Unterschied zwischen einem privaten Investor und dem Engagement der WFG beziehungsweise GGK. Aus Sicht einer kommunalen Gesellschaft sei für die Ansiedlung eines Unternehmens wichtig, dass eine relevante Zahl von Jobs entsteht, der Firmensitz in Krefeld liegt und die Steuern entsprechend hier gezahlt werden.

Bei der Vermarktung neu erschlossener Flächen agiert die GGK nach einem Schlüssel, bei dem die Käufer 40 Arbeitsplätze pro einem Hektar Boden nachweisen müssen. Beim „Recycling“ alter Areale und Immobilien gebe es zwar keine festen Vorgaben. Aber Preen sieht gute Entwicklungsmöglichkeiten und nennt als Beispiel den ehemaligen Handwerkerhof am Nauenweg, der von der GGK ins „Werkkontor“ umgestaltet wurde. „Da sind es sogar 150 Arbeitsplätze auf 2,7 Hektar.“

WFG will unabhängiger von externen Entwicklern werden

Für ähnliche Projekte sei man mit einem größeren Team nun bald breiter aufgestellt, könne nicht nur Flächen vermitteln, sondern auch in Form eines Zwischenerwerbs kaufen und bei der Vermarktung steuern, was darauf passiert. Im Zwischenschritt, also der Entwicklung von Grundstücken und Gebäuden, will man Zukunft nicht mehr abhängig von externen Projektentwicklern sein. „Die Stellenausschreibungen werden deshalb nicht nur den administrativen, sondern auch den technischen Bereich abdecken. Bisher mussten wir immer mit Projektentwicklern zusammenarbeiten. Das wollen wir künftig auch häufiger mal selbst machen“, sagt Preen.

Vor allem die Nachfrage von mittelständischen Firmen aus der Region nach Gewerbeflächen sei groß, sagt Preen, aber das Angebot gering. Was die Entwicklung neuer Gewerbegebiete angeht: In Fichtenhain werden beispielsweise 17 Hektar unbebaute Flächen nach und nach von der GGK auf den Markt gebracht, die derzeit noch an der Fichtenhainer Allee und der Designstraße erschlossen werden. „Wir müssen aber auch weiter denken“, sagt Preen. Bei den Plänen für ein 15 Hektar großes Areal südlich des Elfrather Sees, das als „Uerdingen Nord II“ das Gewerbegebiet Uerdingen Nord fortsetzen soll, hofft er, „dass es im kommenden Jahr gelingen wird, in die Entwicklung des Bebauungsplans einzusteigen“.

Mehr von Westdeutsche Zeitung