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Krefelder Wirtschaft: Es geht allmählich wieder aufwärts

Wirtschaft : Es geht allmählich wieder aufwärts

In einer aktuellen Konjunkturumfrage der IHK haben sich Betriebe aus Krefeld und dem Kreis Viersen geäußert.

„Es ist nicht so schlimm gekommen, wie anfangs befürchtet. Aber die Erholung dauert länger, als zunächst erhofft.“ So fasst Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, die konjunkturelle Momentaufnahme für den Spätsommer 2020 zusammen. Zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Steinmetz von der IHK Mittlerer Niederrhein hat Berghausen am Dienstag im Rahmen einer Video-Pressekonferenz die wesentlichen Erkenntnisse aus der aktuellen Konjunkturumfrage der beiden Nachbar-Kammern vorgestellt. Rund 850 Betriebe mit zusammen 82 500 Beschäftigten haben sich in der zweiten Septemberhälfte beteiligt, darunter auch rund 100 Unternehmen aus Krefeld und 120 Unternehmen aus dem Kreis Viersen.

20 Prozent der Betriebe in Krefeld melden „schlechte Lage“

Dabei seien die Unternehmen, so Berghausen, „nicht von einem plötzlichen Verschwinden von Corona ausgegangen, als sie die Fragen beantwortet haben“. Soll heißen: Auch wenn die Umfrage schon einige Wochen alt ist  – in Zeiten der Pandemie eine kleine Ewigkeit – spiegelt sich in ihr durchaus schon das Bewusstsein wider, dass Herbst und Winter besondere Herausforderungen darstellen. Aber: „Wenn es gelingt, einen flächendeckenden Lockdown zu verhindern, sollte sich die allmähliche Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen können“, erklärt Jürgen Steinmetz.

Zu den konkreten Zahlen: Mit  23 Prozent melden wieder etwas mehr Betriebe als noch zur Jahresmitte eine gute (+5 Punkte) und mit 32 Prozent deutlich weniger Betriebe eine schlechte Geschäftslage (-13 Punkte). Der Lageindikator – also die Differenz von Gut- und Schlecht-Meldungen – ist damit von seinem Rekordtief (-27 Punkte) im Juni auf jetzt noch -9 Punkte zurückgegangen. Die Bewertungen der Krefelder Unternehmen fallen insgesamt sogar etwas positiver aus als in beiden Kammerbezirken zusammen. In Krefeld melden aktuell „nur“ noch 20 Prozent der Betriebe eine schlechte Geschäftslage. Der Lageindikator ist damit sogar „geringfügig positiv“.

Bauwirtschaft bleibt verschont,  Bekleidungshandel leidet

Und der Blick in die nahe Zukunft? Nur etwa jeder fünfte Betrieb geht in der Gesamtumfrage aktuell davon aus, bereits zum Jahresende sein Vorkrisenniveau wieder erreicht zu haben. Im Juni war davon noch fast jeder Dritte ausgegangen. In Krefeld geben mit 19 Prozent zumindest mehr Unternehmer an, inzwischen wieder auf dem Vorkrisenniveau arbeiten zu können. In den Kammerbezirken sind es dagegen nur 15 Prozent. Im Kreis Viersen melden aktuell 23 Prozent der Betriebe eine gute, 28 Prozent eine schlechte Geschäftslage: Der regionale Lageindikator ist mit -5 Punkten insgesamt etwas besser als in beiden Kammerbezirken zusammengenommen.

Bekanntlich sind die Branchen unterschiedlich stark betroffen. Von harten Folgen bislang weitgehend verschont scheint die Bauwirtschaft. Im schwer von der Krise getroffenen Einzelhandel hellt sich das Klima laut IHK-Umfrage etwas auf, dennoch sind die Erwartungen der Einzelhändler weiterhin gemischt: Während „Pandemie-Gewinner“ wie Baumärkte profitierten, gehörten beispielweise Bekleidungsgeschäfte zu den Verlierern. Darüber hinaus trüben sich die Aussichten für Gastronomie, Hotellerie, Freizeit- und Tourismuswirtschaft angesichts steigender Infektionszahlen und weiterer Beschränkungen weiter ein. In Krefeld planen zwölf Prozent der Betriebe, ihre Beschäftigtenzahl im Jahr 2021 zu erhöhen (im Kreis sind es 16 Prozent). Rund 19 Prozent gehen dagegen von einem Stellenabbau aus (15 Prozent). Während der Krefelder Saldo (wie im Gebiet beider Kammern insgesamt) also bei -7 Punkten liegt, ist er im Kreis Viersen, wenn auch denkbar knapp, positiv.

Graphisch zeigen sich die dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise in den vergangenen Monaten als „V“, etwa was Erwartungen, Geschäftsklima und Lage angeht: Nach einem heftigen Absturz ging es – ohne Talsohle – wieder schnell nach oben. Doch die Unsicherheit bleibt. „Nicht zu vergessen, dass es neben Corona weitere Herausforderungen zu meistern gilt“, so Steinmetz, der unter anderem den drohenden harten Brexit und die weitere Entwicklung der USA nach den Präsidentschaftswahlen nennt.