Krefelder Bioläden kritisieren Supermärkte für ihre Waren aus lokalem Anbau

Alles regional, oder was? : Krefelder Bioläden kritisieren Supermärkte für ihre Waren aus lokalem Anbau

Supermärkte bieten vermehrt Lebensmittel von hiesigen Feldern. Krefelder Bio- und Hofläden kritisieren die Werbung.

An der Obst- und Gemüsetheke hängt ein Schild mit dem Aufdruck „Aus der Region“. Dazu ein schönes Foto: Ein Bauer präsentiert den Kunden eine Kiste gefüllt mit Äpfeln. In fast jedem Supermarkt begegnen Kunden so einer Ladengestaltung. Ohne lokale Produkte kommen selbst die namhaften Massenanbieter nicht mehr aus. Günstig darf der Einkauf gerne sein, aber bitte mit gutem Gewissen.

Zwar sind Lebensmittel und andere Waren aus aller Welt verfügbar, doch die Mehrheit der Verbraucher achtet darauf, dass der Einkauf aus der Region stammt. So geht es aus verschiedenen Erhebungen hervor. Unter den Händlern sorgt das Label „Regional“ jedoch für Streit. Hofladen-Besitzer meinen, dass die großen Ketten dieses Versprechen kaum halten können. Und mancher Bioladen-Betreiber beklagt mangelnde gesetzlich definierte Kriterien, ab wann ein Produkt lokal ist. Doch wer bietet was an? Krefelder Lebensmittelhändler präsentieren ihre Auslage.

Edeka: Mit dem Bus zum Lebensmittel-Produzenten

Heiner Kempken führt sechs Edeka-Märkte in Krefeld. „Das Interesse an regionalen Produkten bestand schon immer“, sagt der Händler. „Heute sprechen die Menschen darüber.“ Er setze schon seit mehr als 20 Jahren auf entsprechende Angebote. 60 Prozent des angebotenen Obstes und Gemüses kämen aus der Umgebung, sagt Kempken: „Die Äpfel stammen zum Beispiel zu hundert Prozent aus Krefeld.“ Teurer sei die Ware in der Regel nicht. Doch die Qualität sei besser.

„Wenn wir direkt vom Erzeuger beziehen, ist die Ware frischer“, sagt Kempken. „Die Erdbeeren werden morgens gepflückt und landen am selben Tag bei uns im Regal.“ Auf dem herkömmlichen Weg liege das Essen noch in einem Zwischenlager, das kostet Zeit. Er sei froh, zu wissen, woher die Ware kommt, sagt Kempken. Schließlich fragen die Kunden nach. „Zehn bis 15 Mal im Jahr bieten wir Kundenfahrten zu den Produzenten in der Region an“, sagt Kempken. Der Reisebus auf den Touren sei stets voll besetzt.

Real: Nach Möglichkeit kommt die Ware aus Deutschland

Die Begeisterung für Regionales beobachten auch die Mitarbeiter bei Real. Sowohl in der Markthalle als auch im herkömmlichen Markt bemüht sich das Unternehmen um entsprechende Angebote. Gerade bei der Markthalle seien regionale Produkte Teil des Konzepts, berichtet eine Sprecherin. Was die Kunden unter den Labeln „Heimat“ und „Region“ bekommen, definiert dabei jeder Supermarkt für sich. Noch gibt es keinen einheitlichen Maßstab des Gesetzgebers. Bei Real in Nordrhein-Westfalen dürfen regionale Lieferanten maximal 75 Kilometer vom Markt entfernt arbeiten. Bei allen Produkten, so teilt das Unternehmen mit, könne die Regionalität nicht gewährleistet werden. Das liege etwa an Wetter und Erntezeiten. Nach Möglichkeit komme die Ware aber zumindest aus Deutschland.

Biomarkt Sonnentau: Lokales ist teils etwas teurer

Petra Steffens, Chefin des Biomarkts Sonnentau, setzt auf regionale Großhändler. Doch sie weiß: Gerade im Winter wird es mit Obst und Gemüse aus Deutschland eng. „Wir bemühen uns zumindest um europäische Ware“, sagt die Geschäftsfrau. Am liebsten soll es aber deutscher Anbau sein. Produkte wie Hirse, Couscous oder Sonnenblumenkerne seien damit etwas teurer, sagt Steffens. „500 Gramm Couscous aus Italien kosten 2,59 Euro. Die gleiche Menge aus Deutschland kostet 3,29 Euro.“ Ausschlaggebend sind dabei die Arbeitslöhne und nicht die Transportkosten.

Naturkost Vierspitz: Bio geht vor Regionalität

Angesprochen auf das Verkaufsargument „lokaler Anbau“, schimpft Jochen Melles. Er ist Chef des Bioladens Naturkost Vierspitz. „Das ist doch gar nicht definiert“, sagt der Mann, der seit etwa 40 Jahren im Geschäft ist. „Ganz NRW kann regional sein.“ Daher hält Melles nicht viel von der Werbung der Supermärkte.

Er arbeite auch mit Händlern aus Deutschland, aber genauso mit Bauern aus anderen europäischen Staaten. Wichtig sei ihm der persönliche Kontakt, um einen hochwertigen biologischen Anbau sicherzustellen. Das bedeutet ihm mehr als Regionalität. Bei Bio-Produkten gebe es Siegel mit eindeutigen Kriterien.

Bauernladen Uerdingen: 30 Händler auf der Karte markiert

Heribert Köffers, Inhaber des Bauerladens Uerdingen, fühlt sich durch die Supermärkte in seiner Kernkompetenz angegriffen. „Bei regionalen Produkten machen die Werbung für Sachen, die sie nicht können“, sagt er. In seinem Sortiment gebe es nur zu fünf Prozent Produkte, die von weit her geliefert werden. Ananas und Zitronen etwa, das, „was die Kunden eben wollen.“

Doch schon auf Papayas verzichte er. So weit seien die Supermärkte nicht. Bei der Herkunft der Waren setzt Köffers auf Transparenz. Im Laden hängt eine Karte mit 30 Händlern am Niederrhein, die ihn beliefern. „Wenn die Kunden Fragen haben, können sie dort auch anrufen“, sagt Köffers.

Mehr von Westdeutsche Zeitung