Krefeld: Diana Antwerpes vermittelt Arbeit über die Grenze nach Holland

Neuer Service : Jobsuche macht an der Grenze nicht Halt

Diana Antwerpes von der Agentur für Arbeit Krefeld gehört zum neuen „Service für grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung“.

Für ihre Aufgaben bei der Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen ist Diana Antwerpes die ideale Besetzung. Sie gehört zu einem neu gebildeten Team, das seit Anfang Januar einen „Service für grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung“ (SGA) anbietet. Arbeitgeber wie auch Jobsuchende diesseits und jenseits der Grenze zu den Niederlanden können dazu eine kostenlose Beratung bekommen. Und Diana Antwerpes weiß bei dem Thema ganz genau, wovon sie spricht: Auch sie selbst ist viele Jahre als Pendlerin zur Arbeit nach Roermond gefahren.

„Ich war Chefin und Angestellte zugleich“, blickt Antwerpes zurück. Im Outlet-Center leitete sie seit Anfang der 2000er Jahre zwei Filialen des Bielefelder Textilunternehmens Seidensticker. Dort wiederum kamen nicht nur die meisten Kunden aus Deutschland, sondern auch viele Angestellte.

Offizielle Eröffnung erfolgt
Mitte des Jahres

Ihr Job brachte es aber auch mit sich, die niederländische Sprache gut zu beherrschen. Eine Fähigkeit, die sie heute im Beruf – seit dreieinhalb Jahren ist sie bei der Agentur beschäftigt – sehr gut gebrauchen kann. Nicht zuletzt, weil die Zentrale des neuen Service-Angebots im Venloer Gebäude der niederländischen Arbeitsagentur UWV (Uitvoeringsinstituut Werknemers-Verzekeringen) untergebracht ist. Seine Arbeit hat der Service dort im Foyer schon aufgenommen – zunächst provisorisch. Nach einem Umbau soll die offizielle Eröffnung Mitte des Jahres erfolgen.

Bettina Rademacher-Bensing, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit in Krefeld, hat die Bedeutung der grenzüberschreitenden Vermittlung erst jüngst bei der Jahrespressekonferenz hervorgehoben: 1510 Arbeitnehmer pendeln täglich aus ihrem Agenturbezirk in die Niederlande, in die andere Richtung sind es 520. Diese Zahlen sollen noch deutlich gesteigert werden, berichtet Diana Antwerpes.

Ziele der Beratung, die sie und ihre Kollegen vom „Team Grenzarbeit“ anbieten: Schnelle und passgenaue Besetzung offener Stellen in der Grenzregion. Unterstützung bei der Arbeitssuche und Arbeitsaufnahme im Nachbarland. Ausführliche Informationen der Arbeitgeber über die Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Vermittlung.

Teile dieses Services gab es bisher auch schon. Neu ist aber der „One-Stop-Shop“: Beim Termin haben es Firmenchefs oder Arbeitssuchende gleich mit drei Beratern zu tun. Diese kommen von den Arbeitsagenturen auf niederländischer und deutscher Seite sowie vom Grenzinfo-Punkt der Euregio Rhein-Maas-Nord. Diana Antwerpes ist dabei Ansprechpartner für Arbeitgeber.

Welche Vorteile bietet die Arbeit jenseits der Grenze überhaupt? Im Großraum Venlo, so berichtet sie, gibt es vor allem gute Angebote im Niedriglohn-Sektor, so zum Beispiel in Logistik-Unternehmen. Dank eines anderen Steuersystems seien die Jobs dort besser bezahlt als in Deutschland: Der Netto-Mindestlohn liege bei 1490 Euro. Und Kenntnisse der niederländischen Sprache seien hier oft gar nicht notwendig – wohl aber der Besitz eines Führerscheins und eines Autos, denn nur mit Bussen und Bahnen seien zum Beispiel Firmen in Venlo nur schlecht erreichbar.

Anders sieht es mit den Niederländern aus, die in Deutschland arbeiten wollen. Das seien oft Führungskräfte mit guten Deutschkenntnissen, die von Firmen, die im Benelux-Raum tätig sind, zielgerichtet gesucht werden. „Erst gestern hatte ich zwei Herren aus dem Bereich Controlling hier“, berichtet Antwerpes, die ihr Büro bei der Arbeitsagentur in Lobberich hat – in der Krefelder Zentrale ist sie nur gelegentlich. Die Niederländer reize es, anders als in ihrer Heimat hier oft feste Arbeitsverträge und eine hohe Verbindlichkeit vorfinden zu können.

Einige Dinge müssen Deutsche, die jenseits der Grenze arbeiten wollen, beachten. So müssen sie sich in den Niederlanden selbst krankenversichern und die Beiträge auch selbst abführen. Eine eigene Steuererklärung muss abgegeben werden – und wenn man später in Rente geht, muss man sich aktiv um die im Ausland erworbenen Rechte bemühen. Im Grunde sei das aber alles sehr gut geregelt, berichtet Diana Antwerpes. Beim Beratungsgespräch werden diese Dinge ausführlich erklärt. Für solche Fragen seien vor allem die Leute von Grenzinfo-Punkt die richtigen Ansprechpartner.

Diana Antwerpes macht ihren Job gerne – unter anderem, weil sie das ständige Pendeln zwischen den beiden Ländern sehr schätzt. In vielen Betrieben hat sie den neuen Service schon vorgestellt. „Und ich liebe es, mit Niederländern zusammenarbeiten zu können“, bekennt sie. Diese seien sehr offen und man duze sich. „Und Hierarchien wie bei uns sind dort nicht so wichtig.“