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Krefeld: Immer erreichbar: Was sagen Unternehmer?

Krefeld : Immer erreichbar: Was sagen Unternehmer?

Das Smartphone hat nicht nur die Freizeit, sondern auch das Berufsleben binnen weniger Jahre revolutioniert. Doch nicht alle betrachten das als Segen.

Krefeld. Wolfgang Stromps hasst es, während der Fahrt zu telefonieren — Freisprecheinrichtung hin oder her. „Ich rufe lieber in Ruhe zurück, wenn der Wagen steht oder ich wieder im Büro bin“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der internationalen Spedition Stromps in Oppum.

Eine weitere Erscheinung der modernen Kommunikations-Welt, die den 73-Jährigen regelmäßig auf die Palme bringt, ist das pausenlose Überprüfen des Smartphone- oder Tablet-Displays: Habe ich neue E-Mails? Gibt es neue Nachrichten, etwa in Sachen Trump, Brexit oder Kanzlerkandidat? Der Krefelder Unternehmer hält sich durchaus auf dem Laufenden — aber nicht auf diese Weise. „Ich würde wahnsinnig werden“, sagt Stromps, der nicht zuletzt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Branchenverbands Spedition und Logistik (VSL) NRW viele Sitzungen und Meetings im Jahr absolviert. Und dabei „Zuhörer“ erlebt, die — zumindest mit ihren Augen — ganz woanders sind.

Christoph Rochow, Gesellschafter der Spedition Stromps

Die Zeiten haben sich geändert. Waren früher Wochenenden oder ganze Urlaube ohne jedwede Beschäftigung mit geschäftlichen Dingen zumindest möglich, droht heute ständig der Klingelton oder das Whatsapp-„Bing“. Hatte der Chef in den 90er-Jahren keine Festnetznummer hinterlegt, unter der er auch auf Baltrum oder Mallorca erreichbar war, lag es ausschließlich in seinen Händen, Kontakt mit dem Büro aufzunehmen. Wie bereits erwähnt: Das war einmal. Das Smartphone hat neben der Freizeit auch die Arbeitswelt umgekrempelt.

Zwar kennen nur einige Mitarbeiter auch Stromps Mobilnummer: „Ich halte mir Freiräume offen.“ Doch der Geschäftsführer der Firma mit etwa 60 Beschäftigten in Krefeld sowie diversen Niederlassungen in Europa gibt zu, dass er sich diesen Luxus nur dank seines Mit-Gesellschafters Christoph Rochow leisten kann. Dieser ist mehr als 30 Jahre jünger, hat sein Smartphone immer dabei — „leider Gottes“, wie er sagt — und lässt es auch rund um die Uhr eingeschaltet. „Es kann durchaus vorkommen, dass ich nachts angerufen werde“, sagt Rochow. Ein möglicher Notfall, der nicht warten kann, ist beispielsweise ein liegengebliebener Lkw.

Ein Ärgernis für den 40-Jährigen ist die allgemeine „Erwartungshaltung“, dass verschickte Mails binnen Minuten vom Adressaten zu beantworten seien. „Das halte ich für ein Unding. Wenn es wirklich eilig ist, kann man ja immer noch zu diesem Ding mit dem Hörer greifen“, sagt er ironisch.

In Sachen Mail-Abfrage setzt Ulrike Meyerhöfer-Wolf auf das Motto „Abwarten und Tee trinken“. Mehr als dreimal täglich gucke sie ihren elektronischen Posteingang nicht durch, betont die Betreiberin des Teehauses an der Lohstraße. In ihrem vorherigen Beruf als Geologin bei einer Ölfirma habe sie gelernt, dass es keinen Sinn mache, „auf jedes ,Pling’ sofort zu reagieren“. Und wie hält sie es mit dem Telefon? „Ich habe keine Hotline“, sagt die 60-jährige Unterfränkin. Ihrer Meinung nach müsse die Erreichbarkeit im Rahmen der Geschäftszeiten ausreichen. Ausnahmen bestätigen die Regel: „Meine beiden Mitarbeiterinnen können mich in bestimmten Fällen durchaus auch an Wochenenden oder im Urlaub auf dem Handy anrufen. Etwa im Krankheitsfall oder bei Fragen zu Bestellungen.“

Smartphone und Co. — Fluch oder Segen? Für Paul Keusch, Geschäftsführer der Seidenweberhaus GmbH, ist es „eher ein Segen“. Ein Fluch sei allerdings die Flut an Spam-Mails. Der Hauptverantwortliche für Seidenweberhaus und König-Palast hält es grundsätzlich so, „dass ich für meine Mitarbeiter immer erreichbar bin“. Auch im Urlaub. Dann allerdings vor allem mittels elektronischer Post, die er via Smartphone oder Tablet abruft. Angerufen werde er im Urlaub nur, „wenn es richtig brennt“.