Keksproduzent: Gruyters meldet Insolvenz an

Keksproduzent : Gruyters meldet Insolvenz an

Die Gesellschaft Wilhelm Gruyters hat ein Insolvenzverfahren beantragt. Der Betrieb geht vorläufig weiter wie bisher.

Krefeld. Die Wilhelm Gruyters GmbH hat beim Amtsgericht Krefeld einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Die rund 65 Mitarbeiter des Unternehmens, das an der Tannenstraße 106—112 seinen Sitz hat, wurden am Mittwoch darüber informiert, dass die Existenz des Back- und Schokowarenproduzenten und damit ihr Arbeitsplatz gefährdet sind. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Claus-Peter Kruth ist vom Amtsgericht als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden.

Rechtsanwalt Kruth habe vor drei Tagen begonnen, die wirtschaftliche Ausgangslage des Unternehmens zu analysieren. Dazu wird er kurzfristig Gespräche mit allen Beteiligten aufnehmen. Zurzeit könne man noch keinerlei Angaben über die Hintergründe der finanziellen Schieflage des Betriebs machen, sagt Thomas Feldmann als Sprecher des Insolvenzverwalters. „Ganz allgemein weiß man in einem Insolvenzverfahren nie, welche Fakten bei der Betriebsanalyse auftauchen, deshalb kann man auch jetzt keine Angaben zum zeitlichen Ablauf machen.“

„Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Optionen prüfen“, sagt Sanierungsexperte Kruth im Hinblick auf die angestrebte Sanierung. Die Belieferung der Kunden wird bis auf weiteres aufrechthalten. Das gilt auch für den Online-Shop. „Wer von Gruyters Waren beziehen möchte, kann dies weiterhin uneingeschränkt tun“, erklärt Kruth.

Die rund 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten drei Monate lang — Februar bis April — Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Starke Einschnitt bedeutet dies für die Angestellten zunächst nicht: Die Höhe des Insolvenzgelds bewegt sich auf der Ebene des üblichen Nettogehalts.

1863 gründete Johann Wilhelm Gruyters das Unternehmen in Krefeld, das sich im Lauf der Jahrzehnte auf die Produktion von Back- und Schokoladenwaren spezialisiert hat, Plätzchen und Gebäck, das kartonweise oder auch einzeln verpackt an Jugendherbergen, Altenheime oder Krankenhäuser, in Betriebskantinen und Großküchen geliefert wird.

Seit 1970 leitete ein Urenkel des Firmengründers, Helwig Gruyters, die Geschäfte. 1994 übernahm das Unternehmen Wilhelm Gruyters die Rechte an der Hamburgischen Traditionsmarke Kemm. Die aktuellen Geschäftsführer, Karl-Heinz Maneke und Peter Rinsch, übernahmen Ende 2014 den Betrieb.

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