Gemeinsam besser ausbilden

Der eine will ausbilden, kann es aber nicht. Der andere bekommt den Auftrag, das für ihn zu tun — ein Modell.

Krefeld. Nicht jeder Firmeninhaber, der ausbilden möchte, kann dies auch. Aus zeitlichen oder organisatorischen Gründen müssen etwa kleinere oder stark spezialisierte Betriebe passen. „Müssen sie nicht“, sagt Ingo Zielonkowsky, Leiter der Krefelder Arbeitsagentur. „Verbundausbildung kann in solchen Fällen helfen.“

Beim Modell der Verbundausbildung schließt die Firma mit einem Jugendlichen einen Ausbildungsvertrag, vergibt aber bestimmte Inhalte der Ausbildung an einen Kooperationspartner, der Kapazitäten für weitere Jugendliche hat. Der betreffende Jugendliche absolviert statt in der eigenen Firma im Partnerbetrieb einzelne Abschnitte der Lehre.

So ist das auch bei Philipp von der Bank (21). Er ist im zweiten Lehrjahr zum Industriemechaniker. Lehrherr ist sein Vater Bernd von der Bank, Inhaber einer Hildener Firma für Schweißtechnik — ein Spezialist. Er hat einen Kooperationsvertrag auf Auftragsbasis mit dem Personalleiter von Siemens Manufacturing an der Duisburger Straße, Harald Gerlach, geschlossen. Dort stand auch gestern Sohn Philipp mit seinem Ausbilder an einer Senkrecht-Fräsmaschine — neben den Auszubildenden von Siemens.

Die Praxisausbildung in der Lehrwerkstatt gehört zum Angebot von Siemens als Dienstleister für hochmoderne Verbundausbildung. „In Krefeld werden zurzeit 180 Jugendliche ausgebildet, vier davon in Kooperation“, sagt Werner Franz, Leiter der Siemens-Berufsbildung NRW. Deutschlandweit bildet Siemens 10 000 Jugendliche in 35 Kernberufen aus. „Zurzeit kooperieren mit uns allein in NRW rund 80 Firmen, die so 1000 Nachwuchskräfte gemeinschaftlich im Verbund ausbilden“, sagt Franz.

Auch zum jetzt beginnenden Ausbildungsjahr seien noch Kooperationen möglich, auch in Krefeld und auch für duale Studiengänge. Wer als Firmenchef Interesse hat, kann sich unter Telefon 0211/69 16 26 05 bei Franz melden. Zielonkowsky: „Das Verbundmodell bringt zusätzliche, notwendige Impulse für den Ausbildungsmarkt.“ Bernd von der Bank: „Natürlich kostet mich die Dienstleistung etwas. Aber es kostet mich künftig Kunden, wenn ich nicht in Kooperation ausbilden würde.“