Digitec Galaxus mietet 5500 Quadratmeter großes Lager

Wirtschaft: Logistikzentrale für Online-Händler

Das Lager von Digitec Galaxus im Fichtenhainer Logistik-Park Krefeld-Süd wird das logistische Rückgrat für die Expansion. Der Web-Shop mit elektronischen Produkten startet in Kürze.

Frank Hasselmann ist der neue Deutschland-Chef des größten Schweizer Online-Händlers Digitec Galaxus. „Wir schalten bald den deutschen Online-Shop mit mehreren zehntausend Produkten frei“, kündigt er an. Noch steht das 5500 Quadratmeter große Lager in Fichtenhain leer, aber es soll sich nach und nach füllen. Los geht es mit einem Sortiment rund um IT, Elektronik und Telekommunikation.

Später sollen Waren aus Haushalt, Mode, Wohnen und Spielzeug folgen. Der Geschäftsführer hat ehrgeizige Pläne: „Wir visieren für den deutschen Markt einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro an, so viel gibt die Kapazität der neuen Halle her.“ Der Schweizer Marktführer im Online-Handel noch vor Amazon und Zalando expandiert derzeit erheblich im Mutterland. Noch in diesem Jahr will er die Umsatzmilliarde durchbrechen, nach 790 Millionen Euro Gesamtjahresumsatz im letzten Jahr.

Einst Startup, jetzt eine
Firma mit 1150 Mitarbeitern

Drei Jungunternehmer begannen 2001 als Startup. Heute beschäftigen sie 1150 Mitarbeiter. Jetzt wollen die Schweizer den deutschen Markt erobern und Amazon und Co. Paroli bieten. Als deutschen Firmensitz haben sie sich Hamburg ausgesucht. Dort ist auch Frank Hasselmann zu Hause – mit einem Team von zehn Führungskräften für Geschäftsentwicklung, Einkauf und Marketing. Krefeld wird die logistische Zentrale. „Wir sind sehr froh, diesen idealen Standort gefunden zu haben, der verkehrstechnisch günstig gelegen und gut angebunden ist.“

Vermieter ist der Immobilienkonzern Segro, der im Logistik-Park Krefeld-Süd unter anderem auch dem dänischen Konzern DSV ein Logistikzentrum bereitstellt. Der Vorteil: „Wir können die Kunden aus dem Ruhrgebiet noch am Tag der Bestellung beliefern und alle anderen am Folgetag.“ Die Suche nach Fachkräften in Krefeld läuft. „Bis Jahresende wollen wir für den Start rund 20 Kommissionierer, Lageristen und einen Teamleiter einstellen. Der Standortleiter wird bereits im Unternehmen auf seine Aufgabe vorbereitet“, berichtet Hasselmann.

Die Waren werden per Lkw im Lager angeliefert. Für die Belieferung der Kunden wurde ein Vertrag mit DHL geschlossen. Doch was macht den deutschen Markt so interessant? Der Hauptgrund: „Der Online-Markt in Deutschland hat mit 50 Milliarden Euro und zweistelligen prozentualen Zuwachsraten ein riesiges Potenzial – viel größer als in der Schweiz.“ Außerdem betrachtet es der Geschäftsführer als Herausforderung, sich mit den großen Generalisten am Markt ebenso zu messen, wie mit den kleineren Spezialisten. Einen großen Vorteil sieht er vor allem in der Positionierung gegenüber dem Wettbewerb – in Qualität und Beratung. Als einziges Unternehmen der Branche unterhalte man am Firmensitz in Zürich eine eigene IT-Redaktion von etwa 20 unabhängigen Fachjournalisten, die Produktinfos und Testberichte aufbereiten.

Tausende Fragen werden in wenigen Stunden beantwortet

Auch viele Kunden sind Technikexperten, diskutieren untereinander im Firmenforum, teilen bereitwillig ihr Wissen mit anderen und helfen sich gegenseitig. Tausende von Fragen pro Monat würden so in meist weniger als drei Stunden beantwortet, etwa, ob sich bei einem Handy der Akku tauschen lasse. „Ein unschätzbarer Vorzug bei der heutigen Produktflut“, schätzt Hasselmann diese Art der Unternehmenskultur hoch ein. Schließlich biete der Konzern-Shop online allein rund 200 000 Technikprodukte mit mehr als 1000 verschiedenen Handys. „Wir sind eine unhierarchische, agile, dynamische, innovative, lernende Organisation“, beschreibt der 39-Jährige die Firmenphilosophie. „Die Kunden landen nicht bei einem externen Dienstleister, sondern bei unseren viersprachigen Experten in Zürich.“

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