Die Unternehmen in Uerdingen nehmen für die Zukunft viel Geld in die Hand

Wirtschaft : Worin der Chemiepark investiert

415 Millionen Euro haben die Unternehmen in Uerdingen in die vorhandenen und neuen Anlagen gesteckt. Dabei geht es auch um Digitalisierung, den Schiffsverkehr und ein sehr beeindruckendes Feuerwehr-Fahrzeug.

Wer auf dem Gelände des Chemieparks in Uerdingen unterwegs ist, trifft auf eine Menge Baustellen und Umleitungen. Wenn Lars Friedrich, Chef des Betreibers Currenta, darauf stößt, freut er sich. Die Baustellen sind für ihn ein Zeichen dafür, dass in die Infrastruktur und damit die Zukunft des Chemieparks investiert wird. Die Zahlen des vergangenen Jahres sind auf seiner Seite: Um 116 Millionen auf 415 Millionen Euro sind die Investitionen zwischen 2017 und 2018 gestiegen. 50 Millionen Euro davon standen bei den Ausgaben für Instandhaltungen, 66 Millionen bei den Geldern für neue Anlagen. Ein Überblick über einige der Projekte:

Datennetz Gut fünf Millionen Euro stecken in 400 Kilometern Glasfaserkabeln. Der Chemiepark hat ein Hochgeschwindigkeits-Datennetz aufgebaut. Die Leitungen dafür mussten nicht vergraben werden, sie laufen über die Rohrbrücken, die andere Autobahn des Geländes. Und das zwei Mal. „Wir gehen davon aus, dass wir in starker Abhängigkeit vom Netzwerk stehen, deshalb muss es sicher verfügbar sein“, sagt Friedrich. Das System ist deshalb redundant. Das gilt sowohl für das Netz in Uerdingen als auch die Verbindungen zu den anderen beiden Parks in Leverkusen und Dormagen. Die Unternehmen Lanxess und Covestro sind Ende 2018 in dieses Netz gewechselt. Zum Vergleich: Im Privathaushalt leistet ein Breitbandanschluss etwa 100 Mega-Bit pro Sekunde. Im Chemiepark sind zehn, 100 oder sogar 1000 Giga-Bit möglich.

Sicherheit Das auffälligste Zeichen für die Investitionen steht seit Freitag auf dem Hof: ein neues Großtank-Löschfahrzeug. Es hat einen ausfahrbaren Wasserwerfer, der mit bis zu 13 000 Liter pro Minute löschen kann. Bei konventionellen Feuerwehr-Fahrzeugen sind es maximal 6000 Liter. Die Kosten für die Sonderanfertigung liegen bei rund 900 000 Euro.

Damit verbunden ist die Sicherheitszentrale, die ähnlich wie das Datennetz entwickelt werden soll. Jeder der drei Standorte soll bei Ausfällen die Sicherheit jedes anderen Standortes managen können. Mit den drei Zentralen sind mehr als 70 000 Gefahren- und Brandmelder verbunden.

Kran Im Chemiepark wird viel Chlor benötigt. Da dies in der Natur nicht rein vorkommt, benötigt man in Uerdingen sehr viel Salz. Das kommt vorwiegend über den Rhein und wird von den Schiffen – wie andere Schüttgüter auch – mittels eines Krans auf Laster gehoben, die es dann auf dem Gelände verteilen. Die Currenta investiert nun 2,5 Millionen Euro in einen neuen Schüttgut-Kran und seine Umgebung. Die Bauarbeiten sollen bald beginnen und 2020 abgeschlossen sein. Ziel ist es, zusätzliche Rohstoffe über den Kai abzufertigen.

Wasserwerk Noch einmal vier Millionen Euro gehen in einen neuen Pumpenpark und die Wasserversorgung. Für die Kühlung wird Wasser aus dem Rhein entnommen, von Muscheln, Algen, Fischen & Co. gereinigt und ins System eingespeist. Am anderen Ende wird es, ohne mit Chemikalien in Berührung gewesen zu sein, wärmer wieder in den Rhein geleitet. Der Bedarf an Betriebswasser ist um 20 Prozent gestiegen – auch davon zeugen die Baustellen.

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