Die Dürre im vergangenen Jahr hat Milchbauern in Krefeld zugesetzt

Wirtschaft :    Bauern: „Ein Sommer wie 2018 darf sich nicht wiederholen“

Hohe Kosten für die Bewässerung, weniger Futter für Kühe: Die Dürre im vergangenen Jahr hat Milchbauern in Krefeld zugesetzt. Sie hoffen, dass 2019 besser wird.

2018 war kein einfaches Jahr für Landwirte. Die Zeit des ungewöhnlich langen Sommers samt tropischer Temperaturen und enormer Dürre ist zwar schon lange vorbei, doch die Auswirkungen spüren viele Bauern heute noch. Jetzt, wenn es an das angesparte Futter geht, merken viele noch einmal, dass es der Sommer 2018 ganz besonders in sich hatte.

Die Krefelder Milchbauernhöfe um die Familie Schulte-Bockholt sowie die Familie Geurden bilden da keine Ausnahme. „Es war extrem“, sagt Peter Geurden und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie die Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW.

Diese hatte Anfang des Jahres vorausgesagt, dass es in diesem Jahr weniger Milch für den Verbraucher gibt. Einen Blick in die Glaskugel möchte aber niemand wagen, zu global ist der Milchhandel über die Jahrzehnte geworden, wie auch Peter Geurden erklärt: „Der Milchmarkt ist ein Weltmarkt und politische Einflüsse sind ein großer Faktor. Die Nachfrage besonders aus dem asiatischen Raum steigt an, deswegen hoffen wir, dass der Preis stabil bleibt oder sogar ein wenig steigt.“

Und dennoch, die Dürre des vergangenen Sommers ging nicht spurlos am Hülser Hof vorbei. 20 Prozent Mindererträge erwirtschaftete Peter Geurden. Grund waren die hohen Kosten für die Bewässerung sowie der enorme Arbeitsaufwand. „Wir haben das deutlich zu spüren bekommen, dabei ist unser Standort am Niederrhein noch vorteilhafter, da wir überhaupt in der Lage waren bewässern zu können. Andere Berufskollegen hat es da viel schlimmer getroffen“, sagt Geurden.

Kühe mussten nicht geschlachtet werden dank Melkroboter

Auch auf dem Hof der Familie Schulte-Bockholt machte sich die Dürre bemerkbar. „Ordentlich Auswirkungen“ gab es laut Ulrike Schulte-Bockholt. Diese haben sich besonders auf den Wiesen bemerkbar gemacht. „Wir hatten viel weniger Gras für die Kühe.

Generell haben die Wiesen sehr gelitten, so dass wir teilweise nachsäen müssen“, sagt die Bäuerin, die klarstellt: „Es darf nicht noch so ein Jahr kommen.“ Der Hof stellte im Sommer auf einen Melkroboter um, weshalb die Anzahl der Kühe ohnehin reduziert wurde. Fluch und Segen zugleich. Schulte-Bockholt: „Wir sind ein wenig heruntergefahren, ansonsten wäre es gut möglich gewesen, dass wir Kühe hätten frühzeitig schlachten müssen, um Futter zu sparen.“

Besonders die Qualität des Futters macht den Bauern nun zu schaffen. Durch die Trockenheit war der Energiegehalt in beliebten Futterquellen wie dem Silomais deutlich geringer. Geurden sagt: „Eine schlechte Qualität des Futters führt zu einer Mindermenge an Milch. Das bekommen nun alle zu spüren, da es langsam an das angesparte Futter geht.“ Sorgen müsse sich der Verbraucher aber erst einmal keine machen.

Geurden führt auf seinem Hof rund 300 Milchkühe, die noch immer genug produzieren. Daran änderte, ähnlich wie bei Familie Schulte-Bockholt, auch die extreme Dürre nichts. Beide können ihre Kunden sowie die eigenen Milchtankstellen weiter beliefern, die Preise bleiben stabil. Der Milchautomat am Hülser Boomdyk 69 ist für die Familie Geurden vor allem Teil der Bürgernähe, wie es Junior Peter erklärt: „Die Landwirtschaft steht ja leider nicht immer in einem so guten Licht. Die neugierige Stammkundschaft bleibt, aber es kommen auch mehr junge Familien. Mit dem Automaten wollen wir den Bürgern unsere Arbeit zeigen.“

Ulrike Schulte-Bockholt sieht es ähnlich, auch sie beobachtet einen positiven Trend an ihrer Milchtankstelle am Papendyk: „Die Resonanz ist gut. Leute, die Interesse haben, sind bereit, auch mal etwas mehr für gute Milch zu bezahlen und merken, dass sie dann auch viel intensiver schmeckt.“

Beide Familien hoffen, dass es auch in Zukunft so bleibt und der Sommer 2019 für die Landwirte ein wenig mehr Regen bringt.

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