de:seng - Kreativ im Kollektiv

de:seng - Kreativ im Kollektiv

Eine Gruppe junger Freiberufler betreibt unter dem Namen „de:seng“ ein Gemeinschaftsbüro in der Südstadt.

Krefeld. Aufmerksame Südstädter werden es bereits bemerkt haben: In dem Eckhaus an der Südstraße 29 tut sich etwas. Wo zuletzt ein Internetcafé mit angeschlossenen Kiosk beheimatet war, arbeitet heute hinter Milchglas eine Gruppe junger Freiberufler und Selbständiger zusammen — als Kreativkollektiv „de:seng“.

Bereits der Name ist ein Hinweis auf den Lokalpatriotismus, der das siebenköpfige Team dazu bewogen hat, sich in Krefeld anzusiedeln. Denn auf Krieewelsch würde das englische Wort „Design“ wohl genau so ausgesprochen: mit E und hartem G am Ende.

„Berlin und Hamburg kann doch jeder“, sagt „de:seng“-Gründungsmitglied Bastian Feldkeller lachend. „Krefeld ist hingegen leider nicht gerade als Kreativ-Standort bekannt, obwohl die Hochschule Niederrhein hier beheimatet ist. Und das sollte sich ändern.“

Vergangenen Sommer hat der 29-jährige Diplom-Ingenieur und selbst ernannte „Allround-Kreative“ beschlossen, den ersten Schritt zu machen. Seinen Uni-Abschluss hatte er da gerade in der Tasche, die Freiberuflichkeit vor sich. „Aber ich wollte auf keinen Fall alleine in meinem Kämmerlein vor mich hinarbeiten“, erklärt er. Und so wandte er sich an einige Freunde und Bekannte, die in derselben Situation waren. Acht Arbeitsplätze entstanden zuerst am Schinkenplatz, später zog die Truppe an die Südstraße um.

Einen der acht Plätze besetzt José Cielito Pfister. Der 29-Jährige ist im Bereich Grafik- und Webdesign tätig. „Bei Menschen, die in kreativen Berufen arbeiten, sind Gemeinschaftsbüros mittlerweile gang und gäbe“, sagt er. „In Köln, wo ich studiert habe, gibt es sehr viele davon.“

Die Vorteile einer solchen Berufs-Wohngemeinschaft liegen auf der Hand: „Es gibt viele Synergieeffekte — finanziell und beruflich“, erklärt Holger Lamers, ebenfalls 29 Jahre alt, angehender Diplom-Designer und freiberuflicher Grafiker. Gemeinsam mit seinem Kollegen Marco Pietzka betreibt er das kleine, aber feine Streetwear-Label Illhill und eine eigene Siebdruckerei, die ebenfalls in dem 80 Quadratmeter großem Büroraum an der Südstraße beheimatet ist. „Man kann sich gegenseitig helfen und teilt sich viele Fixkosten, wie zum Beispiel für Internet oder Strom.“

Auch die Kunden profitieren: „Wir können günstigere Preise anbieten als große Werbeagenturen“, erklärt die 30-jährige Innenarchitektin und Bauzeichnerin Ellen Kamp. „Und weil wir hier eng vernetzt arbeiten, können unsere Kunden auf einen großen Dienstleistungspool zugreifen.“

Doch das „de:seng“-Team legt noch auf etwas anderes großen Wert: „Wir genießen die absolute Freiheit, die dieses Modell mit sich bringt“, sagt José Cielito Pfister. „Jeder ist sein eigener Chef und kann deshalb kommen und gehen, wann er möchte. Und da uns alle ein freundschaftliches Verhältnis verbindet, herrscht hier eine viel lockerere Atmosphäre als in den meisten Werbeagenturen.“

Und auch die Verbindung zu ihrem „Kiez“ — also der Südstadt — ist dem Kreativkollektiv sehr wichtig: „Wir leisten ja schon fast einen lokalpatriotischen Beitrag“, findet Holger Lamers. „Die Leute kommen einfach rein, quatschen und können sich bei uns vernetzen.“

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