Das „Raedle“ in Krefeld: Wenn das vegane Essen mit dem Fahrrad kommt

Selbstständigkeit : Das „Raedle“ in Krefeld: Wenn das vegane Essen mit dem Fahrrad kommt

Weil der Bürojob ihn nicht erfüllt hat, machte sich Frank Chavier aus Krefeld mit einem Fahrrad in der Gastronomie selbstständig. Unserer Autorin hat er erklärt, warum es bei ihm „ans Eingemachte“ geht.

Oftmals ist die Nacht für Frank Chavier um zwei Uhr in der Früh zu Ende. Dann steht er schon in seiner Küche und bereitet vegane Gerichte zu. Sie werden dann am gleichen Tag pünktlich und frisch angeliefert. Nicht mit dem Wagen, sondern mit Muskelkraft: Der 49-Jährige tritt in die Pedale seines „Raedle“ und fährt auch schon mal bis nach Viersen zur Auslieferung. „Bei mir geht es ans Eingemachte“, sagt der gebürtige Schwarzwälder und lacht. „Denn die Speisen fülle ich in große oder kleinere Einweckgläser. Sie können problemlos zum Erwärmen in die Mikrowelle gestellt werden, ihr Inhalt ist aber auch bis zu einer Woche haltbar.“

Als Beispiel nimmt er ein 500-Milliliter-Glas in die Hand. Darin befindet sich ein Antipasti-Salat, aus kleinen Grießnudeln, selbst eingelegten Paprika, Tomaten, Artischocken, Oliven, Kapern sowie Pinien- und Sonnenblumenkernen. Ein anderes enthält Kartoffel-Lauch-Suppe oder feine Schwarzwälder Kirschtrüffel als Nachtisch. „Alles wird bei mir vegan, also ohne tierische Produkte zubereitet“, erzählt Chavier. „Ich habe mittlerweile über 300 Rezepte, die ich teilweise für mich umgewandelt habe.“ Die Leute müssten essen, was auf den Tisch kommt, sagt der 49-Jährige und schmunzelt. „Ich wechsle wochenweise das Angebot.“ Per Pfandsystem holt er dann die Gläser später wieder ab.

Die Angestellten von Firmen, Krankenhäusern, Arztpraxen und Anwaltsbüros gehören zu seinen Kunden. „Das Raedle bringt leckere Sachen für die Mittagspause, den Nachmittagskaffee oder den Feierabend-
snack“, wirbt er. „Wir kaufen und backen frisch, gesund und nachhaltig sowie saisonal und regional. Entweder gehe ich gleich gegenüber auf den Westwallmarkt oder ich fahre zu den Bauern. Da fällt kein Verpackungsmüll an. Das ist mein Beitrag zum Umweltschutz, ebenso wie das umweltfreundliche Rad, das ich für meine Zwecke umgebaut habe.“

Frank Chavier hat die Geschäftsidee auf Anraten seiner Frau aufgegriffen. „Ich war bei einer großen Firma beschäftigt und war ohne persönliche Bindung, einfach einer unter Vielen. Meine Frau hat dann gesagt, sie wolle, dass ich abends mit einem Lächeln nach Hause komme“, erinnert er sich. Die „Anweisung“ lautete: „Jetzt machst du etwas, was dir gefällt.“

Als dann die Kinder aus dem Haus waren, ging es los: „Ich habe zuerst für meine Frau, die Familie und Freunde vegan gekocht und dann beim Café Lenz an der Lewerentzstraße gearbeitet, das jetzt geschlossen ist. Die Küche wurde bald zu klein. Ich ging an den Westwall 19. Dort geschah das Gleiche, es wurde zu eng.“

Nun bereitet Chavier die Gerichte in der Küche des Kolpinghauses zu. „Dort habe ich viel vor“, sagt er. „Das ist ein großes Haus mit Kegelbahn und einem Garten, den ich in einen Biergarten umwandeln möchte.“ Doch das braucht Zeit. Bis dahin ist seine Lieblingsbeschäftigung, Selbstgekochtes auf seinem Raedle durch die Stadt zu fahren.

Mehr von Westdeutsche Zeitung