Chemiepark: Wie aus Bayer Currenta wurde

Chemiepark: Wie aus Bayer Currenta wurde

Werksleiter Stefan Dresely erklärt den Gästen des Marketing-Clubs, wie sich die Branche nach 1990 verändert hat.

Krefeld. "Ich bin hier eher der Hausmeister als der Chef", sagt Stefan Dresely. Damit überrascht und erheitert er seine Gäste vom Krefelder Marketing-Club, die gerade eine einstündige Rundfahrt über das riesige Werksgelände hinter sich haben. Was witzig klingt, hat einen Hintergrund: "Früher hatte der Werksleiter den Durchgriff bis zum letzten Mann, konnte gar spontan Mitarbeiter entlassen", erläutert der Chempark-Leiter. Heute seien alle Mitarbeiter der Sicherheit und dem Umweltschutz unterworfen. "Ich bin zwar der Chef der Feuerwehr, aber im Einsatzfall hat ein anderer das Sagen."

Durch die Globalisierung seien die großen Chemiekonzerne nach 1990 gezwungen worden, sich auf bestimmte Produktbereiche zu konzentrieren. Dies gelte auch für Bayer. Die Meilensteine des Umbruchs auf dem Uerdinger Werksgelände sind seit 2003 mit tiefen Einschnitten verbunden: Aus Bayer wurde zunächst Bayer Industry Services und dann der heutige Betreiber Currenta, an dem Bayer mit 60 und Lanxess mit 40 Prozent beteiligt ist. Parallel wurde aus dem Bayerwerk der Bayer Chemiepark und zuletzt der Chempark. Ganz bewusst habe man mit Currenta und Chempark firmenneutrale Namen gewählt, damit sich alle Unternehmen auf dem Gelände damit identifizieren können.

Ähnlich massiv sind die Veränderungen bei der Belegschaft. Vor 20 Jahren hatte Bayer rund 10.000 Mitarbeiter in Krefeld, heute arbeiten im Chemiepark noch 6.800, verteilt auf viele verschiedene Firmen (siehe Kasten). Die Beschäftigten, früher überwiegend Krefelder, kommen jetzt auch aus Duisburg und Moers.

Dresely schaut nach vorne. Angesichts der beabsichtigten Investitionen vieler Unternehmenszweige sei ihm um die nähere Zukunft nicht bange. Allein Bayer Material Science wolle 200 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren ausgeben. Längerfristige Prognosen seien aber nicht möglich. "In 30 Jahren haben wir wahrscheinlich weder Gas noch Kohle. Die Energiekosten werden steigen, Industrien verschwinden." Unter diesem Aspekt sei er schon froh, wenn er interessierten Firmen sagen könne, dass Currenta die nötige Energie bereitstellen kann. Die soll trotz der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke aus dem geplanten Kohlekraftwerk kommen.

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