Bei der Staatsanwaltschaft Krefeld ist Anzeige erstattet worden

Wirtschaft in Krefeld : Krefelder J.Conrads Projekt GmbH ist pleite

Bei der Staatsanwaltschaft Krefeld ist Anzeige wegen Anlagenbetrug erstattet worden. Ein Rechtsanwalt aus Berlin, der Gläubiger vertritt, erhebt schwere Vorwürfe.

Die J. Conrads Projekt GmbH & Co. KG ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen gehört zur 2016 gegründeten JC Gruppe mit Sitz am Kreuzweg in Linn. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist der Düsseldorfer Rechtsanwalt Claus-Peter Kruth ernannt worden.

Kruth arbeite sich derzeit in die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ein und werde sich in diesem Zuge auch mit den Insolvenzursachen und der Verwendung eingeworbener Gelder auseinandersetzen, ließ der Anwalt auf Anfrage erklären. Denn bei der Krefelder Staatsanwaltschaft ist am vergangenen Freitag Anzeige wegen Anlagenbetrugs in Millionenhöhe erstattet worden. Die Staatsanwaltschaft prüfe derzeit, ob sie Ermittlungen einleitet, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Stahl auf Anfrage der WZ.

Die JC Gruppe besteht aus mehreren Gesellschaften und hat nach eigenen Angaben 48 Mitarbeiter. Sie wirbt damit, ein Patent zu besitzen, mit dem Atomkraftwerke sozusagen recycelt werden können. Statt es abzuschalten, stillzulegen und zurückzubauen, könnte aus einem Großteil des Gebäudes und der restlichen Infrastruktur zum Beispiel eine Wasserstoffproduktionsanlage entstehen. Das hatte der 57-jährige Firmengründer vor Monaten im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Zu vielen Details wollte er damals auf Nachfrage keine weiteren Auskünfte geben: Schließlich wolle er „die Sondierungsgespräche nicht gefährden“.

Der Berliner Rechtsanwalt Rolf Siburg hatte die Anzeige erstattet. Er vertritt nach eigenen Angaben eine Vielzahl von privaten Anlegern und bereite derzeit einen Antrag auf Einsetzung eines Gläubigerausschusses vor. Dessen Mitglieder haben nach dem Insolvenzrecht die Aufgabe, den Insolvenzverwalter bei seiner Geschäftsführung zu unterstützen und zu überwachen.

Die Rückzahlung der Anleihen sei ungewiss, ein Totalverlust nicht ausgeschlossen, teilt Siburg mit. Die Gläubiger hätten ihn deshalb darum gebeten, Kontakt zu den Medien aufzunehmen.

Für den Juristen stellen sich Fragen nach der Verantwortung für diese Misere. Es seien Fälle bekannt, in denen Anleger noch kurz vor Stellung des Insolvenzantrages zur Wiederanlage ihrer fälligen Anleihen durch Vertriebsmitarbeiter bewogen worden seien. Er verweist zudem darauf, dass noch im August umfangreiche Sponsorentätigkeiten der Gesellschaft im Sportbereich publik gemacht wurden – für Adler Königshof und für die HSG Krefeld, wie der Homepage der JC Gruppe zu entnehmen ist. Einen Monat später seien die Kassen leer gewesen.

„Man muss fragen, wann die Geschäftsführung von der Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft wusste und warum immer neue Anleihen ausgegeben und an Anleger vertrieben worden sind“, sagt Siburg in einem im Internet auf anwalt.de veröffentlichten Text.

Bei der JC Gruppe war am Dienstag niemand für Nachfragen erreichbar. Auf die Bitte um Rückruf auf dem Anrufbeantworter gab es keine Reaktionen. WD