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Wirtschaft: Corona sorgt für viel Arbeit bei Dräger

Wirtschaft : Corona sorgt für viel Arbeit bei Dräger

Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte des Unternehmens mit Niederlassung in Krefeld sind gefragt. Das Gesundheitsministerium und die US-Regierung haben bestellt. Doch die Kapazitäten sind endlich.

Nun hat auch noch die US-Regierung bestellt. Atemschutzmasken (FFP2) im höheren zweistelligen Millionenbereich sollen her. Und die weltweit aktive Firma Drägerwerk, die einen wichtigen Standort in Krefeld hat, will liefern. Über 18 Monate soll die Ware kommen. Speziell für diesen Großauftrag wird Dräger kurzfristig eine neue Produktionsstätte an der Ostküste der USA errichten. Nach aktuellen Planungen wird die Produktion im September den Betrieb aufnehmen. „Das ist ein pragmatischer Ansatz, der frühzeitig und nachhaltig Hilfe schafft“, sagt Rainer Klug, Vorstand für Sicherheitstechnik bei Dräger: „So ein Modell wäre auch in anderen Ländern, besonders in Europa, möglich. Entsprechende Angebote diskutieren wir gerade mit mehreren Ländern.“

Unternehmen produziert doppelt so viele Beatmungsgeräte 

Der US-Auftrag und die Idee für mehr Produktion zeigen, wie gefragt Dräger derzeit ist. Das börsennotierte Unternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Personenschutzausrüstungen und Gasmesstechnik sowie Sicherheitsdienstleister in verschiedenen Bereichen. Momentan geht es aufgrund von Corona vor allem um die Schutzmasken und Beatmungsgeräte. In der Medizintechnik produziert Dräger aktuell beispielsweise fast doppelt so viele Beatmungsgeräte wie vorher. Man arbeite mit Hochdruck daran, die Produktionskapazitäten noch weiter auszubauen, teilt das Unternehmen mit. Der Nachfrageanstieg begann Anfang des Jahres in China und Asien und setzt sich nun, parallel zu steigenden Infektionszahlen, in vielen anderen Ländern fort.

Für Dräger sind die vergangenen Wochen sicher eine rasante Entwicklung. Schließlich ist es gerade erst sechs Monate her, dass die Verantwortlichen mit Gewerkschaftern und Betriebsrat zusammensaßen. Es ging um mögliche Kündigungen und finanziellen Verzicht der Belegschaft. Nun sind die Auftragsbücher extrem voll.

Um der hohen Nachfrage nach den Produkten zu begegnen, hat Dräger bereits in den vergangenen Wochen die Produktionskapazitäten erheblich ausgeweitet. Die Produktionsstätten für Atemschutzmasken in Schweden und Südafrika sind voll ausgelastet und laufen rund um die Uhr. In Krefeld hat das Unternehmen den Schichtbetrieb der mehr als 400 Mitarbeiter ausgeweitet. „Unser oberstes Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und unseren gesellschaftlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Unsere Technik für das Leben wird gerade jetzt mehr gebraucht denn je“, sagt Stefan Dräger, Vorstandschef der Drägerwerk Verwaltungs AG.

Was nun unter anderem helfen soll, ist die sogenannte Zukunftsfabrik am Stammsitz in Lübeck. Dort habe Dräger schon in den vergangenen Jahren in modernste industrielle Fertigungsmethoden investiert, berichtet das Unternehmen. Im weiteren Jahresverlauf soll sich auch noch die Zahl der Beschäftigten erhöhen – allein in Lübeck sollen bis zu 500 Menschen eingestellt werden.

Die Bundesregierung möchte die Möglichkeiten von Dräger nutzen. Vom Gesundheitsministerium kamen nun Großaufträge über die Lieferung von Beatmungsgeräten und Monitoren. 10 000 Beatmungsgeräte sollen in diesem Jahr zur Verfügung gestellt werden. Weiterhin gehen Produkte auch ins Ausland, wie bei der Bestellung aus den USA. Ebenso exportierte Dräger bereits Beatmungsgeräte nach Italien. Besonders ist momentan, dass nicht Krankenhäuser, sondern vermehrt Gesundheitsbehörden und staatliche Stellen die Kunden sind.

In der Corona-Krise kommen selbst die Experten an ihre Grenzen. „Mir ist bewusst, dass all unsere Bemühungen den aktuellen Bedarf auf der Welt nur zum Teil decken können“, sagt Stefan Dräger. Gerne würde man noch mehr leisten. Doch die Arbeit ist aufwändig. Es dauert einige Stunden, ein Beatmungsgerät aus hunderten Teilen zu montieren. Hinzu kommt ein umfassender Testvorgang. Die Bauteile kommen aus verschiedenen Ländern. Daher ist es für Dräger wichtig, dass der Warenverkehr trotz Grenzschließungen weiterläuft.

Für die Versorgung reicht es allerdings nicht, immer neue Beatmungsgeräte zu liefern. In Krankenhäusern braucht es geschultes Personal, um die Technik einzusetzen. Zudem muss Dräger auch helfen, wenn mal etwas kaputt ist. Etwa 650 Service-Mitarbeiter sind deshalb im Einsatz. In Deutschland gibt es ein umfassendes Netz an Angestellten, die in die Kliniken kommen können. „Dabei stehen Reparaturen und Installationen im Vordergrund. Routinetätigkeiten werden nachrangig bearbeitet“, teilt das Unternehmen mit.