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Wird die Ritterstraße Sperrbezirk?

Wird die Ritterstraße Sperrbezirk?

Ein neuer Antrag an die Bezirksregierung will die Prostitution im Wohngebiet in Gänze verbieten.

Krefeld. Die vom Straßenstrich betroffenen Anwohner rund um die Ritterstraße setzen alle Hoffnungen auf einen neuen Antrag der Stadt an die Bezirksregierung. Sie wollen sich endlich wieder frei in ihrem Wohngebiet bewegen können, ohne sich von Freiern, Zuhältern oder Prostituierten in ihrer Lebensqualität eingeschränkt zu fühlen.

Im nächsten Ausschuss für Verwaltung, Vergabe, Ordnung und Sicherheit — er findet am 27. Oktober statt — soll ein Antrag an die Düsseldorfer Verwaltungsstelle verabschiedet werden, um ein vollständiges Verbot der Straßenprostitution in diesem Gebiet zu erwirken.

„Um dieses Schriftstück formulieren zu können, braucht das Ordnungsamt neue Fakten“, sagt Anwohnerin Brigitte Uhlen. „Dazu gehört beispielsweise, dass sich die Prostitution von der Straße weit ins Wohngebiet hinein verlagert hat.“

Stadtsprecher Manuel Kölker ergänzt, dass durch die Anwesenheit und das Verhalten von Prostituierten, ihren „Managern“ und Freiern für die Anwohner sogar „Angsträume“ entstanden seien. „Sie sind ein gewichtiges Argument für eine absolute Sperrbezirksregelung.“

Hans Butzen, Ratsherr und Sprecher der SPD-Fraktion

Der entsprechende Antrag an die Bezirksregierung Düsseldorf sei im Fachbereich Ordnung in Arbeit und könne daher noch nicht veröffentlicht werden. Die Schilderungen der Bürgerinnen und Bürger beim jüngsten Informationsaustausch mit Mitgliedern des Fachbereichs hätten erneut eindrücklich belegt, mit welchen zum Teil unzumutbaren Beeinträchtigungen und Belastungen die Anwohner konfrontiert seien, sagt Ratsherr Hans Butzen, Sprecher der SPD-Fraktion im zuständigen Ausschuss. „Das ist so nicht mehr akzeptabel. Das Sperrgebiet mit seiner zeitlichen Begrenzung reicht nicht aus, weil es das Problem nicht erfasst.“

Es solle nun der neue Antrag formuliert und an die Bezirksregierung geschickt werden. Butzen: „Mündelheim ist das Vorbild, das uns Mut macht. Auch dort wurde die Straßenprostitution abgeschafft.“ Zudem müsse das Thema Prostitution auch allgemein angegangen werden.

Butzen: „Menschen bieten aus vielfältigen Gründen ihre sexuellen Dienstleistungen an; freiwillig und unfreiwillig, als Beruf und aus wirtschaftlichen Erwägungen oder schlichtweg aus Not. Darüber darf und kann man weder moralisch noch sittlich den Stab brechen. Vielmehr ist es unsere gesellschaftliche Verantwortung, Hilfe zur Selbsthilfe immer dann anzubieten, wenn es erforderlich ist.“

Die sozialpolitische SPD-Sprecherin Gisela Klaer ergänzt: „Das gilt insbesondere für Frauen, die sich aus persönlicher, meist wirtschaftlicher Not prostituieren und erst Recht bei Frauen, die dazu gezwungen werden.“

Das Ziel, eine grundsätzliche und abgestimmte Meinungsbildung zwischen Verwaltung und Politik herbeizuführen, um die Zustände vor Ort zu verbessern, begrüßen und unterstützen auch die CDU-Politiker Walter Fasbender, Sprecher im genannten Ausschuss, und Daniel Wingender, Bezirksvertreter in Süd.

Die beiden Christdemokraten erwähnen in diesem Zusammenhang „die wichtige Arbeit der ,Interfraktionellen Runde‘, die sich unter Beteiligung von Rats- und Verwaltungsmitgliedern und des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SkF) mit allen wesentlichen Aspekten — auch den menschlichen und sozialen Fragen und Problemen — der Prostitution befasst“.

Der Antrag an die Bezirksregierung, den Sperrbezirk Neue Ritterstraße um die angrenzenden Wohnbereiche zu erweitern, wurde durch den Ausschuss für Verwaltung, Vergabe, Ordnung und Sicherheit in seiner letzten Sitzung am 8. September einvernehmlich beschlossen. Für die nächste Sitzung wird die Verwaltung eine Vorlage erstellen.

2013 reichte die Stadt Krefeld bereits einen Antrag bei der Bezirksregierung ein, um für die Ritterstraße eine entsprechende Verordnung für einen Sperrbezirk zu erwirken, wie er auch in der Innenstadt gilt. Diesem Antrag wurde aber nicht stattgegeben, es gab nur das temporäre Verbot von sechs bis 22 Uhr.