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Kirche: "Wir werden mittelfristig zu wenige Pfarrer haben"

Kirche : "Wir werden mittelfristig zu wenige Pfarrer haben"

Superintendent Burkhard Kamphausen zieht kurz vor Ende seiner ersten Amtszeit Bilanz.

Krefeld. Pfarrer Burkhard Kamphausen stellt sich nächsten Samstag in Meerbusch erneut zur Wahl als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Krefeld-Viersen. Gut 130 Mitglieder der Kreissynode werden darüber entscheiden. Es wäre seine zweite Amtszeit. 2009 wurde er erstmals in dieses Amt gewählt. Mit der WZ zog er Bilanz und wagte auch einen Blick in die Zukunft.

Sie haben seit Anfang 2009 das Amt des Superintendenten inne. Auf welche Dinge blicken Sie gerne zurück?

Burkhard Kamphausen: Wir haben nach wie vor alle 70 Pfarrerstellen besetzt. Das ist in anderen Kirchenkreisen nicht so. Wir scheinen nett zu sein. (lacht)

Und außerdem?

Kamphausen: Wir haben die Rahmenbedingungen für gemeindliches Leben so aufgestellt, dass es viele Möglichkeiten gibt, wie die Gemeinden in Eigenverantwortung ihr Profil erarbeiten können, sei es beispielsweise in der Kirchenmusik oder mit einem sozialdiakonischen Schwerpunkt.

Ohne das Engagement der Ehrenamtler ist das Gemeindeleben sicherlich nicht zu stemmen?

Kamphausen: Nein, aber auch das ist gelungen: Bei den Presbyteriums-Wahlen haben wir viele Menschen für die gemeindliche Arbeit gewinnen können; so haben wir gut arbeitende Presbyterien bekommen. Dass es läuft, ist gut.

Wo sind Pfarrer außerdem tätig?

Kamphausen: Wir können die Krankenhaus- und Gefängnis- oder Notfallseelsorge sicherstellen.

Worauf haben Sie noch Wert gelegt?

Kamphausen: Die Ökumene mit den Vertretern des Bistums hat sich gut entwickelt. Außerdem stehe ich in Kontakt zur Politik, etwa zum Krefelder Oberbürgermeister und dem Viersener Landrat. Denn wir übernehmen auch Aufgaben des Staates wie in Kindergärten und der Flüchtlingsthematik. Zu Letzterem: Oftmals hat man den Eindruck, es werde angenommen, dass die Religion der Auslöser für Terrorismus ist. Doch Religion ist Teil der Lösung, nicht das Problem. In allen Religionen steckt Friedenspotenzial.

Ist in den vergangenen knapp acht Jahren etwas nicht gelungen?

Kamphausen: Das sind eher Vorgänge in der Gesamtkirche. So gibt es weiterhin Schwierigkeiten mit dem neuen kirchlichen Finanzwesen, bei dem vom kameralistischen aufs kaufmännische System umgestellt wurde. Wir haben daher eine unklare Finanzsituation in Krefeld, keine zu 100 Prozent belastbaren Zahlen. Viel Arbeit bringt auch die anstehende Verwaltungsstrukturreform für die gemeinsame Verwaltung des Kirchenkreises und seiner Kirchengemeinden.

Welche Aufgaben könnten auf Sie als wiedergewählter Superintendent zukommen?

Kamphausen: Wir werden mittelfristig zu wenige Pfarrer haben, um die Stellen zu besetzen. Es studieren zu wenige. In zehn Jahren werden etwa zwei Drittel der Pfarrerstellen durch Pensionierungen weggefallen sein. Also müssen sie neu geregelt werden, um den pastoralen Dienst sicherzustellen.

Die Frage lautet: Welche Gottesdienststellen können bespielt werden und von wem? Es wird nicht mehr in der vertrauten Art und Weise weitergehen. Eine weitere Frage ist, wie hoch das Kirchensteuer-Aufkommen sein wird. Und: Wie verteilen wir die Gelder?