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„Wir können den Menschen helfen – und das macht uns Spaß“

Tag des Ehrenamtes : „Wir können den Menschen helfen – und das macht uns Spaß“

Am Sonntag ist Tag des Ehrenamts. Ein Bericht über die Tafel zeigt, wie wichtig das Engagement ist – auch für die Helfer selbst.

143 – so viele Jahre haben acht langjährige, ehrenamtlich tätige Mitglieder der Krefelder Tafel bisher alleine geschafft. Die Arbeitsleistung der vielen fleißigen Hände der weiteren rund 140 Leute nicht mitgerechnet. Sie bringen sich ein an den Ausgabestellen, am Mittagstisch, in der Verwaltung; sie transportieren Lebensmittel, schleppen schwere Kisten oder bedienen. Was sie alle antreibt, ist: „Helfen macht Spaß – und Spaß macht glücklich.“ Ehrenamtliche Tätigkeit stärkt das Gemeinschaftsgefühl und weckt den Teamgeist. Ein Bericht zum Tag des Ehrenamtes am Sonntag.

„Ehrenamtliches Engagement verbessert nicht nur die Lebenssituation derer, denen es zugutekommt. Vielmehr stärkt das Ehrenamt auch die Menschen, die sich engagieren. Denn obwohl ehrenamtliche Tätigkeiten oft mühsam und zeitintensiv sind, ist kaum etwas erfüllender, als mit den eigenen Talenten und Fähigkeiten das Leben anderer Menschen leichter und besser zu machen.“

So lautet eine offizielle Definition. Das kann Christa Wagner, die seit 20 Jahren die größte Lebensmittelausgabe der Tafel in der Gemeinde St. Bonifatius in Stahldorf leitet, nur bestätigen: „Eigentlich hat mich mein Vetter Herbert Drabben einmal in den Ferien gefragt, ob ich aushelfen könnte. Daraus sind 20 Jahre geworden“, berichtet sie exemplarisch für die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen: „Es ist ein Geben und Nehmen, manchmal auch ein Trösten und Rat geben.“ Es bereichere, sagt sie mit Überzeugung.

Aus 100 Betroffenen wurden
über die Jahre etwa 750

Wagner: „Als wir hier angefangen haben, besuchten uns 40 Familien mit etwa 100 Personen. Es waren überwiegend Deutsche. Das hat sich grundlegend geändert. Nun sind zwischen 700 und 750 Personen registriert, die freitags mehr oder weniger regelmäßig kommen. Davon sind 85 Prozent Ausländer.“

An diesem Freitag stehen rund 30 Leute frierend vor der Tür an St. Bonifatius. Sie treten mit den Füßen und warten geduldig, dass sie herein dürfen. „Wir sind heute gut aufgestellt“, urteilt Wagner mit Kennerblick. Auf den Tischen türmen sich Gemüse und Obst, Apfelsaft, Brot und Konserven. Wagner: „Die Kunden dürfen sich aussuchen, was sie möchten, damit sie auch nur das nehmen, was sie mögen.“ Die Ausgabestelle brummt wie ein Bienenstock, das Team hat alles schnell bei der Hand.

Jetzt, in Corona-Zeiten, wird jeweils eine Person an jedem der fünf Einzeltische bedient, mit allem, was da ist. Wagner: „Das entspricht durchaus einem Supermarkt-Angebot. Wenn aber einzelne Teile nicht ausreichend zur Verfügung stehen, wie beispielsweise Joghurt, bekommen das die Familien mit Kindern.“

Da heißt es frühmorgens fit sein, das Angebot sichten und vorbereiten. Der Tag vom Christa Wagner und ihrem 22-köpfigen-Team, auf das sie „mächtig stolz“ ist, dauert von 8.15 bis 18.30 Uhr. „Danach wissen wir alle, was wir getan haben, legen die Füße hoch.“ Für sie als Leiterin kommen an den anderen Tagen noch Büroarbeiten, Fortbildungen, Meetings oder die Kassenführung hinzu. Da sie beruflich früher im Vertriebsbüro eines Elektrokonzerns gearbeitet hat, ist sie in allem fit.

Dass die Menschen mit Migrationshintergrund, die freitags kommen, nicht so einfach zu bedienen sind wie die Deutschen, hat viele Gründe: „Oftmals müssen wir uns über Bilder verständigen, wenn es mit der Sprache hapert. Sie kennen weder Rosenkohl noch Sellerie, bekommen deshalb von uns auch die Rezepte dazu. Sie tun sich oft schwer.“ Aber dafür gibt es Hilfe. Wie auch Ratschläge, wenn es um Fragen zu Krankheiten, Mietprobleme oder andere Sorgen geht. „Wir sind schließlich die selbst ernannte ,Ausgabestelle mit Herz’“, erklärt Wagner und lacht.

Die Leute seien überwiegend nett, freundlich und dankbar. Wagner: „Das ist gut so. Wir können helfen, das macht uns Spaß. Das hat auch mich angetrieben. Es ist besser als zu Hause zu sitzen. Diese Zeit hier ist nicht vergeudet. Wir fühlen uns dem Gemeinwohl verpflichtet. Es ist gut, dass es die Tafel gibt, auch wenn es auf der anderen Seite traurig ist, dass solche Hilfen notwendig sind.“