Rückblick: "Wir haben uns schon 1949 unter der Uhr getroffen"

Rückblick : "Wir haben uns schon 1949 unter der Uhr getroffen"

WZ-Leser Hans Jaust nimmt uns mit auf eine Reise in das Jahr 1949. Und erzählt von Tanzkurs-Treffen am Ostwall, swingender Hausmusik und Eishockeylegenden am Fichte.

Krefeld. „Damals hat der Verkehrspolizist hier alles per Handzeichen geregelt“, sagt Hans Jaust während er über den Fußgängerweg der Ostwall-Haltestelle geht. Dem 85-Jährigen ist gleich sein altes Fotoalbum eingefallen, als die WZ über die Standuhr von „UdU“ berichtete, die nach der Fertigstellung der neuen Haltestelle, wieder aufgestellt wurde. „Da bin ich 18 oder 19 Jahre alt“ sagt Jaust und zeigt auf ein Foto aus dem Herbst 1949, kurz nach der Währungsreform. Fünf junge Menschen stehen zusammen am Ostwall/Ecke Rheinstraße. Jaust trägt einen langen Mantel. „Wir hatten kein Telefon, keinen Fernseher und kein Internet.

Unser einziges Kommunikationsmittel war das Radio. Es kann sein, dass wir uns zu einer Art Tanzkurs-Meeting getroffen haben“, sagt der 85-Jährige. Was ihn und die anderen bewegte: „Wir sind einfach in der Stadt herumgelaufen und haben uns gefragt, wie der Wiederaufbau zustande kommt.“ Dass der bis zu 25 Jahre dauern könnte, habe ihn damals schockiert. „Wir waren in dem Alter, in dem ein junger Mensch am intensivsten lebt“, sagt Jaust. Die prägende Standuhr, die viele Krefelder heute noch als Treffpunkt kennen, habe es damals noch nicht gegeben. Aber: „An der Ecke, wo jetzt die Eisdiele ist, hat auch damals schon eine Uhr gehangen“, sagt Jaust, der sich damals — 1949 — mit Freunden schon „Unter der Uhr“ getroffen habe. Das verrät eine alte Notiz in seinem sorgsam gepflegten Fotobuch. Wenn der 85-Jährige das durchblättert, kommen noch viele weitere amüsante Erinnerung hoch.

„An der Ecke, wo jetzt das WZ-Haus steht, hat ein sehr guter Freund von mir gewohnt.“ Der Vater des Freundes habe im Erdgeschoss einen Fachhandel für Schreibmaschinen betrieben. In einer darüberliegenden Wohnung im Altbau entdecken er und zwei weitere Freunde, die erst nach dem Krieg herüberschwappende Musik aus Übersee. Ein Bild aus dem Jahr 1949 zeigt eine Probe. „Ich war der Sänger. Besonders der Swing, der in den 30er- und 40er-Jahren aufgekommen war, hatte es uns angetan“, sagt Jaust, der den Gesang übernahm. Und gerne mit voller Stimme spontan beweist, dass er Text und Melodie heute noch drauf hat. „Chattanooga Choo Choo“ heißt der Swing-Titel, den Glen Miller schon 1941 aufgenommen hatte.

„Es handelt von einer Fahrt mit einer Dampflok quer durch die USA.“ Die große weite Welt, die Jaust und sein Trio zum Beispiel auf Schulfesten besingen. Neben der Musik und den ersten Tanzfesten geht es sportlich zu im Jahr 1949 von Hans Jaust. Mit der 400-Meter-Staffel tritt er bei einem Sportfest für die Fichte-Schule an. „Ich habe gelbe Hosen vom CSV Marathon mitgebracht, bei dem ich zu der Zeit Fußball gespielt habe und ein Mitschüler hat die roten Trikots vom Crefelder Turnclub organisiert, damit wir einheitlich aussehen“, erzählt Jaust. Im Hintergrund und kaum wiederzuerkennen — das Grotenburgstadion. „Man sieht dort die alte Tribüne zur Zooseite. Auf der anderen Seite gab es zu der Zeit noch gar keine Tribüne“ erinnert sich Jaust.

„Wir waren ein lustiges Völkchen“, sagt Jaust zu einem Foto, dass ihn mit zahlreichen Schulkameraden der Fichteschule zeigt. Nebenbei erwähnt der 85-Jährige: „Auf dem Bild sind auch spätere Krefelder Eishockeylegenden.“ Das Foto vom Schulhof ist ebenfalls 1949 entstanden. Drei Jahre später gewinnen Hans-Werner Münstermann und Bernd Pelzer mit dem KEV die deutsche Meisterschaft. Noch heute liebt es Hans Jaust seine Stadt zu Fuß zu entdecken. Und er ist froh, dass es den Treffpunkt „UdU“ noch gibt.

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