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Winfried Borgmann: Erbsensuppe für den Kaiser

Winfried Borgmann: Erbsensuppe für den Kaiser

Seit 50 Jahren verkauft Winfried Borgmann Sportartikel. Sein Geschäft wurde in dieser Zeit immer größer.

Krefeld. Eigentlich wollte Winfried Borgmann Apotheker werden. Doch dann las der gebürtige Bottroper in Münster eine Zeitungs-Anzeige. „Altes gut geführtes Sportgeschäft in einer westdeutschen Großstadt zu verkaufen“, stand darin. Das war 1960. Der 21-Jährige zögerte nicht lange und bewies Mut. Wenig später zog er ins ihm völlig unbekannte Krefeld und machte sich selbstständig. Der Vater bürgte und Borgmann übernahm das Sport- und Lederwarengeschäft Gerke auf der Hochstraße.

Aus den anfänglich 80 Quadratmetern Verkaufsfläche sind unter der Führung von Sohn Christoph mittlerweile 1800 geworden. Der Standort liegt nun an der Königstraße und Winfried Borgmann kann auf sein 50-jähriges Berufsjubiläum zurückblicken. Hätte er wirklich den Apotheker-Kittel übergestreift, ohne Intersport Borgmann wäre Krefelds Geschäftswelt ärmer.

Gut kann er sich an die Anfänge erinnern: „Ich begann mit zwei Mitarbeitern und einer Näherin, die Turnhosen herstellte. Ich habe als erster Streifen darauf anbringen lassen.“ Dass eine bekannte Sportfirma die Idee abgekupfert hat, ist allerdings ein Gerücht. Heute sind rund 100 Menschen im Stammhaus und in den Filialen Solingen, Bottrop und Hilden beschäftigt, die Sohn Michael führt. Letztere wird jetzt eröffnet. Das frühere Uerdinger Geschäft führte Klaus Jost. Er fungiert nun als einer von zwei Intersport-Vorständen.

Der Seniorchef kann auf eine bewegte Zeit zurückblicken, in denen „Kaiser“ Franz Beckenbauer rheinische Erbsensuppe im Geschäft löffelte, Rosi Mittermaier Autogramme schrieb und Fritz Walter und Uwe Seeler vorbeischauten.

Nicht nur Promis sorgten für Furore, auch der heute 73-Jährige selbst. „Als wir damals von der Hoch- an die Königstraße umgezogen waren, in das Ladenlokal nebenan, in dem heute ein Schuhgeschäft untergebracht ist, befreite ich den Bürgersteig des leeren Eckgrundstücks, auf dem lediglich ein Fritten-Wagen stand, vom Schnee. Die beiden Eigentümerinnen namens Hotes fanden das so nett, dass ich den Vorzug bekam und das Land kaufen konnte. Für zwei Millionen Mark entstand dort 1981 der heutige Standort.

Der Jubilar hat nicht nur sein Geschäft weiterentwickelt, sondern war auch für die Stadt tätig. An der Entstehung der „Krefelder Samstage“ und der vorbildlichen Überdachung der Königstraße war er maßgeblich beteiligt. In seiner Freizeit schlug er beim HTC Blau-Weiß zum Tennis auf.