Krefeld: Wilde Eulen und närrische Zwerge

Krefeld : Wilde Eulen und närrische Zwerge

Tausende kamen am Wochenende in den Genuss der Krefelder Karnevalskunst. Auf den Bühnen und in den Sälen waren eine Menge los.

Stadtteile. Krefeld, helau! Die Karnevalssession ist in vollem Gange und auch am Wochenende wurde in den Stadtteilen wieder jeck gefeiert. Die WZ war vor Ort und berichtet von den Fest- und Jubiläums-, Damen- und Kostümsitzungen sowie einer Karnevalsrevue.

Seit 2016 fühlt sich die KG „Eulenturm“ im Oscar-Romero-Haus in Gartenstadt so richtig wohl. Die 1932 gegründete Gemeinschaft, die also in zwei Jahren ihr dann närrisches 88-jährige Bestehen groß feiern wird, traf sich diesmal dort — erst zur Damen- und dann zur Kostümsitzung. Das Outfit der karnevalistischen Familie spiegelt dabei das diesjährige Motto wider: „Der Wilde Westen ist bereit für die fünfte Jahreszeit“.

Sessionsmotto der KG Eulenturm

Sieht man einmal bei der Kostümsitzung von den Musikern der „Rhienstädter“ ab, ist es größtenteils wieder einmal der eigene hausgemachte Karneval, der den Gästen Spaß macht. Egal, ob bei den Auftritten des Eulen-Männerballetts, dem Tanz der Damen zu flotten Westernmelodien oder die kessen Show-Girls in ihren silber-schwarzen Kostümen.

Die KG hat derzeit etwa 70 Mitglieder. Davon stehen am Samstag etwa zwei Drittel auf der närrischen Bühne. Die älteste Akteurin ist Liane Terhorst (78), die jüngste Lea Santelmann (10). Eine Tür bleibt erst einmal verschlossen. Dahinter ist die Künstler-Garderobe der „VUMIK“. Dies steht für die Vereinigung Uerdinger Minister im Karneval. Die Ex-Minister, darunter der 1. Vorsitzende Günter Herx, müssen sich erst einmal für ihre Hit-Parade entsprechend herrichten. Langanhaltender Applaus, als sie unter anderem in den Outfits von Roland Kaiser, Maite Kelly oder Jürgen Drews auftraten. Dahinter verbergen sich Willi Weber, Ulrich Hillenbrand und Günter Herx.

Aus Uerdingen schauen die kleinen und großen Tollitäten zu einer Stippvisite vorbei. So das große Prinzenpaar, Reimund II. und Klaudia I., und mit den Pagen und Garden der Kinderprinz der Rheinstadt Uerdingen, Manuel II. Wie in den Jahren zuvor, führen Wolfgang Köhn und seine Vize-Präsidentin Roswitha Müller durch das mehrstündige Programm. Natürlich darf in Erinnerung an den Eulenturm, eines der letzten Wahrzeichen der alten Stadtmauer, der Eulen-Song nicht fehlen.

Im Laufe des kurzweiligen Abends wird für 25-jährige Mitgliedschaft noch Roswitha Müller geehrt; seit 20 Jahren ist Ursula Seeber dabei. Das Programm kommt an. So auch die „Oedingsche Lieder“ von Rheinschiffer Jürgen Matz, die Sketche, das Schwarzlicht-Theater oder die News der „Neuen Blatt-Redakteurin“ Christina Köhn.

Bald werden die Jecken als Cowboys oder -girls wieder unterwegs sein. So mit einem Motivwagen und einer Fußgruppe beim Tulpensonntagszug in Uerdingen.

Das Motto der Karnevalsgesellschaft „Blau-Weiß“ Gellep-Stratum 1962 lautet dieses Jahr „Musik ist Trumpf“. Passend zum Motto füllten musikalische Einlagen des Pfarrorchesters den Saal St. Andreas mit karnevalistischer Stimmung. „Knapp 200 Jecken sind bei der Festsitzung im Pfarrsaal mit dabei“, berichtet Roland Kuller, 1. Vorsitzender der KG.

Der Einzug des diesjährigen Soloprinzen Sven I. kommt bei den Gästen gut an — die Orchestermitglieder haben sich orangegeblümte Hippies kostümiert. Mit einem dreifachen Helau begrüßt der Prinz die Zuschauer. Auch das Fünfgestirn zieht das Publikum im Pfarrsaal auf die närrische Seite, ebenfalls in Hippiekostümen. Der Countdown läuft, der Umzug am 11. Februar in Gellep-Stratum ist nicht mehr weit. Tanzeinlagen der Stratumer Funken sowie der Black Pearls sorgen ebenfalls für gute Stimmung.

Das Publikum lässt sich vom bunten Treiben auf der Bühne mitreißen und ist von der Show schlichtweg begeistert. Zum Schluss gibt es einen tosenden Applaus. Der nächste Auftritt der KG „Blau-Weiß“ ist am Samstag, 27. Januar, um 20.11 Uhr bei der Galasitzung. Weiter geht es mit dem Kinderkarneval am Samstag, 3. Februar, um 15.11 Uhr. Beide Veranstaltungen finden im Pfarrsaal St. Andreas statt.

Der GV Sängerbund 1884 Krefeld-Bockum haben den traditionellen Einstand in den Karneval mit einem Loblied auf die Tugenden der Mitglieder des Vereins begonnen. Pünktlich um 20.11 Uhr verblasst die Beleuchtung im Seidenweberhaus und die zahlreich erschienenen Gäste werden ein letztes Mal ruhig. Dann ein Knall, grelles Licht, Musik. Die Revue kann beginnen. Rund 40 Sänger des Bundes, gekleidet in mit bunten Blümchen verzierten Clownskostümen, ziehen strahlend in den Saal ein. Begleitet von der Happy Company Kapelle schmettern die Narren schon erste Lieder auf dem Weg zur Bühne, bevor sie zum großen Coup ausholen. Unter dem Motto „Fasteloewend first“ parodieren die Jecken in anmutigem Chor das aktuelle Weltgeschehen und machen deutlich: Der Karneval steht hier an erster Stelle.

„In der Zeit von Krieg und Attentaten — feiern wir heut’ unsern Fasteloewend’“, heißt es in der von Präsident Karl Müller komponierten Parodie. Zu den Melodien großer Werke von den Beatles oder Elvis Presley hält es dann kaum einen der Besucher auf den Sitzen.

Karin Wellen, Besucherin der Jubiläumssitzung der KG Närrische Gartenzwerge

Nach kurzer Ansprache des Präsidenten geht das vielfältige Programm los, das dank zweijähriger Vorbereitung mit großen Namen aufwartet: Dat Fimmännchen wettert gewohnt spitz gegen Anglizismen im Deutschen, die Rheinveilchen tanzen akrobatisch über die Bühne, das Krefelder Prinzenpaar lässt sich einen Besuch nicht nehmen und viele weitere Künstler sorgten für ausgelassene Stimmung. Zum großen Finale marschiert die Prinzengarde Köln 1904 aufs Podest und läutete die Abschlussfeier ein. Wie im Eröffnungslied gewünscht, tanzen die Gäste zu der Musik von DJ Toto dann gemeinsam in die Nacht. „All Ihr Narren in Krefeld, Köln oder Mainz, Düsseldorf, Aachen, vereint in eins“ - dem Karneval und der Liebe zur fünften Jahreszeit.

Die Jubiläumssitzung der Närrischen Gartenzwerge ist ein Erfolg auf ganzer Linie: „Mit den rund 300 Besuchern ist die Veranstaltung, wie in den vorherigen Jahren, ausverkauft. Und auch die Stimmung ist spitze!“, sagt Dieter Hallmann, zweiter Vorsitzender der Närrischen Gartenzwerge. Unter den Besuchern sind alle Altersklassen vertreten — von 20 bis 80 Jahren. Karin Wellen (47) scherzt: „Wir an unserem Tisch senken das Durchschnittsalter um mindestens zehn Jahre. Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Gäste etwas aktiver mitmachen. Sonst waren wir auch immer auf der Damensitzung, man hatte uns jedoch gesagt, dass diese hier besser sein soll. Das kann ich auch nur bestätigen! Das Programm ist echt klasse!“

Und auch Seine Tollität Prinz Karneval der Stadt Krefeld René I. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin der Stadt Krefeld Sabine II. mitsamt den sieben Ministern — kurz „Die glorreichen Sieben“ — lassen es sich nicht nehmen, den Närrischen Gartenzwergen zum Jubiläum zu gratulieren. Auf der Bühne überraschen die Ruhrpott Boogies mit ihrem bunten Programm. Die 2012 gegründete Band überzeugt mit Hulapalu von Andreas Gabalier und bringt die Gäste mit einigen weiteren Stücken zum Tanzen und Klatschen. Die Künstler starteten einst mit 13 Musikern. Jetzt sind es 30, die bei der Jubiläumssitzung der Närrischen Gartenzwerge auf der Bühne stehen.

Oli der Köbes sorgt als Büttenredner für viel Gelächter im Saal. Auch für die Juniorinnen der Tanzgarde soll dieser Abend unvergesslich werden. Zwei von ihnen bekommen von Oberbürgermeister Frank Meyer einen Orden überreicht. Weiter geht es am 24. Januar um 17.11 Uhr in der Gaststätte Röckstöck mit der Damensitzung der KG Närrische Gartenzwerge. schö/MM/lp/ifru

Mehr von Westdeutsche Zeitung