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Wie Pferde in Krefeld bei der Waldpflege helfen

Arbeiten im Wald : Wie Pferde in Krefeld bei der Waldpflege helfen

Der Kommunalbetrieb führt im Herbst und Winter Arbeiten mit den Tieren aus. Eiko ist ein neues Kaltblut, das sich an den Job noch gewöhnen muss.

„Langsam, langsam“, redet Niklas Hennes auf sein Pferd ein. Eiko ist noch etwas zu stürmisch, als es das Waldstück im Hülser Bruch verlässt. Im Schlepptau hat es einen langen Baumstamm, der sich aber nirgends verfangen darf beim Abtransport.

Eiko gehorcht aufs Wort, das fällt schon nach wenigen Minuten auf. Ein kurzes „Stopp!“ und das Kaltblut bleibt auf der Stelle stehen. Auf der Lichtung wartet Roman Dzulaj. Hoch auf dem Traktor sitzend bedient er den Kran. Mit dem Greifarm wird er den Stamm gleich auf den Anhänger laden. Erst einmal aber wird er das Holz sortieren. Gut und schlecht verwendbare Rohstoffe aus Krefelder Wäldern. Ein paar Meter weiter sind schon einige dicke Stämme gestapelt. Das Holz wird sortiert und dann für die Industrie oder den Handel verladen und verschifft. Nach den Niederlanden, dann nach Übersee. Manches eignet sich aber nur als Brennholz: Zu krumm, zu morsch.

Stadtförster Poschmann: „Wir haben viele sensible Böden“

Die Waldarbeit hat wieder begonnen, auch für die Pferde. Das Laub fällt, der Kommunalbetrieb rückt zur Pflege aus in die städtischen Grünanlagen wie Hülser Bruch, den Hülser Berg, Stadtwald oder Forstwald. Durchforstung ist das Stichwort. Den verbleibenden Bäumen soll ein optimaler Freiraum für das weitere Wachstum der Kronen gewährleistet werden. Auch mehr Licht kann so bis zum Boden durchdringen. Eine Verjüngung des Waldes wird so angestrebt. Es geht dabei aber immer auch um den Schutz von sensiblen Böden, so nennt es Stadtförster Jens Poschmann. Daher wird hier nicht mit schwerem Gerät gearbeitet. Der Untergrund soll nicht durch die tonnenschweren Traktoren verdichtet werden. „Wir haben viele sensible Böden in Krefeld“, sagt er. Das ist also ein Job für die Pferde im Krefelder Forstbetrieb. Sie sollen das gefällte Holz aus den Wäldern ziehen.

Eiko muss noch etwas Muskelmasse aufbauen

Eiko ist ein rheinisch-deutsches Kaltblut, 2015 geboren, seit 2019 im Besitz der Stadt. Ein „Rohling“, wie es Poschmann nennt. Muskelmasse muss das Pferd noch aufbauen. Es hat noch keine großen Arbeiten verrichtet, wurde davor auch noch nie geritten oder vor eine Kutsche gespannt.

 Pferdeführer Niklas Hennes hält für Eiko nach getaner Arbeit auch Streicheleinheiten bereit.
Pferdeführer Niklas Hennes hält für Eiko nach getaner Arbeit auch Streicheleinheiten bereit. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

In diesen Herbsttagen geht es los. Die Kommandos seines Führers Niklas Hennes versteht es aber schon vorzüglich. Das Vertrauen ist da. Kurze, klare und verständliche Ansagen. „Die Tonlage entscheidet“, sagt Roman Dzulaj, der eigentlich das zweite Kaltblut betreut. Doch Indigo ist derzeit nicht im Dienst, muss pausieren. Der 15-Jährige steht vor dem Ruhestand, einen Winter aber hat er noch vor sich. Dann wird das Pferd ausgemustert. Vielleicht geht es zum Gnadenhof. Um jüngeren Ersatz wird sich gekümmert.

Seit 1990 sind Pferde in der Krefelder Waldpflege im Einsatz. Eiko ist das achte Exemplar. Vor allem im Herbst und Winter stehen die schweren Arbeiten an. Ansonsten verbringen die Tiere viel Zeit auf Weiden und im Stall, um sich Kraft für die Saison anzufressen. 200 bis 300 Kilogramm Last kann ein solches Pferd dauerhaft hinter sich herschleppen, verrät Poschmann. Ein Drittel des eigenen Körpergewichtes. Ausgewachsen bringt ein Kaltblut gut und gerne bis zu 900 Kilogramm auf die Waage. Man ahnt schon, wie wichtig der Umgang der Pferdeführer mit ihren Tieren ist und auch der Charakter entscheidet. Bricht ein solches Pferd aus, hält es so schnell nichts mehr auf. „Die Tiere dürfen nicht scheu sein, nicht schreckhaft“, sagt Jens Poschmann: „Für ihr ruhiges Gemüt sind Kaltblüter aber bekannt. Eiko würde abends sogar mit auf die Couch gehen. Er ist total verschmust.“

Die Arbeit in Wäldern ist für die Pferde eher ungewohnt

Die gute Bindung zu den Menschen zahlt sich hier aus. Die Arbeit in Wäldern sei für die Pferde nämlich eher ungewohnt, erzählt Dzulaj: „Das Buschlaufen ist etwas Neues für sie. Es sind Fluchttiere. Sie wollen lieber im Freien sein. Sie müssen lernen, dass es keinen Grund gibt, im Wald davonzurennen.“ Eiko bringt diesmal nur einen kleinen Stamm aus dem Wald hervor. Eine kleine Phase der Erholung für den Fünfjährigen. Zig kleine und mittelgroße Stämme hat er schon geschleppt am Donnerstagmorgen. Die ersten Tage im Forst sind anstrengend für ihn. Das wird sich aber bald ändern.