CDU: Wie man um Wähler kämpft: Vermeulen soll auffallen

CDU: Wie man um Wähler kämpft: Vermeulen soll auffallen

Die CDU diskutiert in der Volkshochschule über den Anspruch an eine moderne Volkspartei.

Krefeld. Sind die großen Volksparteien aufgrund der anhaltenden Mitgliederverluste dem Untergang geweiht oder haben sie noch eine Zukunft? Dass sie es zumindest nötig hat, sich dieser Herausforderung zu stellen, beweist die CDU mit dem offenen Dialog in der Volkshochschule. Der Krefelder CDU-Vorsitzende Marc Blondin und die Bundestagsabgeordnete Kerstin Radomski diskutierten nach dem Vortrag von Nico Lange von der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Politikwissenschaftler und dem Publikum.

Lange stellt eine schonungslose Analyse des Wählerverhaltens bei den Bundestagswahlen seit 1977 vor und zieht daraus seine zum Teil unbequemen Schlüsse für die Partei. Der dramatische Mitgliederschwund aller Volksparteien gehe mit einer Überalterung einher. 50 Prozent der CDU-Mitglieder sind mehr als 60 Jahre alt. „Frisches Blut tut not“, sagt der Politikberater und macht zwei Zielgruppen aus, die für die politische Mitte stehen: „Wir müssen mehr 19- bis 29-Jährige und speziell mehr Frauen in die CDU bringen.“

Den Mitgliedern und Funktionären bescheinigt Lange, bei der Entwicklung und Veränderung der Gesellschaft nicht mitgehalten zu haben. Dem veränderten Informations- und Kommunikationsverhalten durch die neuen Medien werde nicht genug Rechnung getragen. Auch das Wählerverhalten werde falsch eingeschätzt. „Der Wähler gehört nicht uns.“ Die Stammwählerschaft betrage nur noch etwa 50 Prozent — der Rest seien Wähler, um die man jedes Mal erneut kämpfen müsse. Von 100 Wählern entschieden sich heute 40 erst in den letzten drei Tagen vor der Wahl, rund ein Drittel stimme dabei für eine andere Partei als zuvor.

Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich laut Lange neue Lösungsansätze. Gefragt sind integrative statt konfrontative Führungspersönlichkeiten. Demokratie müsse durch offene Beteiligungsverfahren und Entscheidungsprozesse gestaltet werden, auch für Nichtmitglieder. Neumitglieder sollen aus der Mitte der Gesellschaft gezielt beworben und betreut werden. Auch die anschließende Diskussion brachte Vorschläge in diese Richtung wie kürzere öffentliche Veranstaltungen, die wegen der berufstätigen Bevölkerung später beginnen, aber ein verlässliches Ende haben müssten.

Überragend für den Erfolg einer Volkspartei seien nach wie vor die Persönlichkeiten an der Spitze wie Angela Merkel. „Wegen ihr treten Menschen in die Partei ein, sie schließt die so wichtige politische Mitte.“

Auch für den Krefelder CDU-OB-Kandidaten Peter Vermeulen hat Referent Nico Lange auf Befragen von Kerstin Radomski noch einen Tipp, ohne ihn selbst zu kennen. Er solle versuchen, durch etwas Besonderes aufzufallen, um dadurch bekannt zu werden.

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