Wie Krefelder Familien die Herausforderung Ferien meistern

Freizeit : Wie Krefelder Familien die Herausforderung Ferien meistern

Früher haben Kinder, wenn sie schulfrei hatten, meist „auf der Straße“ gespielt. Heute wachsen sie behüteter auf. Das führt zu einer intensiveren Zeit und einer Menge guter Ideen für die kommenden 14 Tage.

Carlo hat eine Menge vor in der nächsten Woche. Der Zehnjährige aus Kliedbruch wird das Tenniscamp beim SC Bayer Uerdingen besuchen, sich spätestens Anfang der Woche in der Mediothek einen anständigen Büchervorrat fürs Sofa daheim besorgen – und Trommeln üben, denn beim St. Martinszug spielt er erstmals die Snare-Drum, die kleine Trommel für die Wirbel. Seine Schwester Alessa (6) hat schon zwei Verabredungen mit Freundinnen („mit Emma, die hat ein Holzpferd im Garten“). Ansonsten wird sie viel mit ihrer Mutter Lisa unternehmen. „Sie hilft mir gerne beim Einkaufen, Backen oder Kochen. Aber nichtsdestoweniger wird das anstrengend. Ferien sind ein großes Thema“, sagt die Mutter. Schließlich muss auch noch die zweite Woche organisiert werden.

Die heute beginnenden Herbstferien bedeuten für viele Krefelder Familien eine organisatorische Herausforderung und sie stehen für einen gesellschaftlichen Wandel. Früher haben sich Kinder, wenn sie nicht zur Schule mussten, mit ihren Freunden verabredet, „auf der Straße“ gespielt und sind eigentlich nur noch zu den Mahlzeiten zuhause aufgetaucht. Heute behüten Eltern ihre Kinder stärker. Das heißt einerseits, dass sie eine intensivere Zeit mit ihren Kindern erleben und eine andere Beziehung zu ihnen aufbauen. Sie sind aber auch mehr gefordert, ein passendes Programm für alle Beteiligten auf die Beine zu stellen, damit der Nachwuchs immer betreut ist.

In diesem Zusammenhang spielen für Mutter Lisa die Nachbarn eine wichtige Rolle. Die Eltern stimmen sich vor den Ferien ab, wer schon etwas gebucht hat, und versuchen die Reisezeiten anzupassen. Wenn man parallel zuhause ist, können die Kinder einander besuchen oder gemeinsam etwas unternehmen – und nur ein Elternteil passt auf. „Die Ferien sind schließlich für alle gleich schwierig.“ Mit den Freunden geht es dann zum Fußball-Spielen auf die Wiese in der Nachbarschaft oder auf einen der beiden Spielplätze des Viertels. Der, auf dem man hangeln kann, ist auch für die zehnjährigen Jungs noch interessant.

Die Mediothek erwartet auch „fleißige Schüler“

Die Stadt hat auf den beschriebenen Wandel reagiert. Bis auf wenige Ausnahmen hätten die meisten Schulen in den Herbstferien eine Woche geöffnet, heißt es aus dem Rathaus, Schulen mit zwei Standorten böten abwechselnd an. Die Mediothek rechnet vor allem für die Vormittage mit einem größeren Ansturm. Grundsätzlich sei die Nachfrage stark wetterabhängig, nachmittags sei die Zeit meistens mit Freizeitaktivitäten oder mit der Familie verplant. Zu den zusätzlichen Besuchern zählen laut Leiterin Evelyn Buchholtz auch einige „besonders fleißige Schüler“, die sich auch in den Herbstferien zum Lernen in der Mediothek treffen.

In der zweiten Ferienwoche wird die Familie aus Kliedbruch voraussichtlich von einer Erfahrung aus dem Sommer profitieren. Da hat die Familie ein Ressort des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) an der Nordsee besucht, seitdem ist sie Mitglied im DJH. Und das sollte bei einer recht spontanen Reise für drei, vier Tage ideal sein: vielleicht in der Pfalz, auf jeden Fall an einem Ort, der nicht zu viel Fahrerei bedeutet und an den Hündin Alika mitkommen kann. „Und wo ich im Hochbett schlafen kann“, sagt Alessa.

Gelingt dies, schaffen es Mutter und Tochter zudem noch eine Runde ins Schwimmbad nach Kempen und kann Carlo vielleicht nochmal seinen Weg zur Gesamtschule mit dem Rad üben, dann wird die Herausforderung namens Herbstferien gut gemeistert sein. „Ich bin dann auch froh, wenn hier wieder der normale Alltag einkehrt. Das ist auch anstrengend, aber klarer gegliedert“, sagt Mutter Lisa. Red

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