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Wie Krefeld seine 71 000 Bäume und Parkanlagen pflegt

Umwelt : Wie Krefeld seine 71 000 Bäume und Parkanlagen pflegt

Krefeld gehört zu den grünsten Großstädten Deutschlands. Der Kommunalbetrieb ist seit zwei Jahren zuständig. Wie geht die Stadt im Vergleich mit ihrem grünen Erbe um? Eine Bestandsaufnahme.

Krefeld gehört zu den grünsten Großstädten Deutschlands – ein Erbe aus der Zeit der Samt- und Seidenproduktion. Baumbestandene Grünverbindungen und Parkanlagen, Straßen- und Alleebäume wie beispielsweise auf dem Ostwall und der Uerdinger Straße tragen zu diesem Ruf bei. Seit zwei Jahren ist der neugegründete Kommunalbetrieb Krefeld in Eigenregie für die rund 71 000 Bäume, die im Baumkataster erfasst sind, verantwortlich. Im Vergleich: die größere Stadt Köln zählt 80 000 Straßenbäume, ohne ihren Waldbestand. Wie geht die Stadt Krefeld im Vergleich mit ihrem grünen Erbe um? Unsere Redaktion hat beim Kommunalbetrieb nachgefragt.

Baumpflege in neuer Hand

Vor der Gründung des Kommunalbetriebs (KBK) war ausschließlich der Fachbereich Grünflächen für die Anlage und Pflege der Grünanlagen und Bäume, einschließlich Wälder und Friedhöfe, zuständig. Auf den Betriebshöfen waren neben jeweils einem Leiter und Meister auch zahlreiche festangestellte Mitarbeiter und ab dem Jahrtausendwechsel Ein-Euro-Jobber tätig. Doch durch den Nothaushalt (seit 2013) und das fortgeschriebene Haushaltssicherungskonzept musste massiv Personal eingespart werden.

Mit Gründung des KBK und Aufteilung der Verantwortlichkeiten „liegt die Grünunterhaltung und Baumpflege nun allein in der Zuständigkeit des Kommunalbetriebs“, erklärt Vorstandssprecherin Lara Reiners. Die Stadt ist jedoch weiterhin Eigentümerin der Grünflächen und Bäume. 

15 Stellen sind beim KBK vakant

Derzeit sind beim KBK insgesamt rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Grünunterhaltung und Baumpflege beschäftigt. „Unbesetzt sind derzeit 15 Stellen“, sagt Lara Reiners. Mit Blick auf die vergangenen Jahre reiche der Personalschlüssel für die zahlreichen Aufgaben. Allerdings stellt der sichtbare und spürbare Klimawandel mit viel zu trockenen Perioden alle Kommunen vor eine Herausforderung. Auch Krefeld; ob im Schönwasserpark, im Crönpark oder im Zoo, an vielen Orten in der Stadt. Über 2000 Stadtbäume mussten allein in 2019 und im vergangenen Frühjahr wegen Trockenheitsschäden und Pilzbefall gefällt werden. Allein das Wässern der zahlreichen Ersatzpflanzungen war in diesem Jahr kaum zu schaffen.

Baumpflege ist sehr wichtig

Deshalb kommt vor allem der Baumpflege eine wichtige Bedeutung zu. Während der KBK die Zahl der Baumpfleger und Baumkontrolleure trotz Anfrage nicht genau beziffert, ist die Stadt Köln im Vergleich viel auskunftsfreudiger. Innerhalb des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen gibt es dort ein eigenes Baumsachgebiet. Rund 70 Mitarbeitende beschäftigen sich ausschließlich mit Kontrolle, Schutz, Pflege, Pflanzung und Planung/Entwicklung von Stadtbäumen. Die Baumkontrolle erfolgt weitestgehend mit eigenem Personal. „24 Baumkontrolleure (auf Meisterniveau) und 45 Baumpfleger sind bei uns im Einsatz“, sagt die Kölner Stadtsprecherin Katja Reuter. Zusätzlich werden dort auch noch externe Fachfirmen zur Baumpflege eingesetzt.

Auch die Stadt Krefeld setzt auf die Hilfe von Fremdfirmen. Doch in welchem Umfang, das lasse sich laut Reiners – selbst für die Baumpflege – nicht pauschal beantworten. „Eine Fremdvergabe hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab und ist situationsabhängig“, sagt die KBK-Sprecherin. Ob der Betrieb wegen der zahlreichen historischen Parkanlagen in Krefeld explizit eigene Fachleute dafür beschäftige, verneint sie: „Alle unsere ausgebildeten Gärtner sind Fachleute für die Pflege sämtlicher Parkanlagen, unabhängig davon, ob sie historisch sind oder nicht.“

Bürgeraktion Baumschutz aktiv

Die nun über zehn Jahre lang bestehende Bürgeraktion Baumschutz Krefeld ist da skeptisch. Eine vor wenigen Wochen einseitig gestutzte 40 bis 50 Jahre alte Linde neben dem Schütte-Pavillon im Kaiserpark nehmen sie zum Anlass, um auf „nicht fachmännische Schnitte mit Hakenbildung hinzuweisen“. Nach der ZTV (Zusätzlich Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien) Baumpflege hätte das so gar nicht gemacht werden dürfen, erklärt Uwe Wolniewiez von der Bürgeraktion, selbst ausgebildeter Gärtnermeister und zertifizierter Baumpfleger in einer anderen Kommune. Laut Kommunalbetrieb seien das Stamm- und Stockaustriebe gewesen, die regelmäßig abgeschnitten werden müssten. Die richtige Pflege von Bäumen, besonders in historischen Parkanlagen, ist schon eine Kunst an sich.