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Westwall-Wochenmarkt in Krefeld: Händler wollen mehr Engagement der Stadt

Krefeld : Westwall-Wochenmarkt: Händler wollen mehr Engagement der Stadt

Der Wochenmarkt auf dem Westwall in Krefeld soll attraktiver werden. Vor allem dienstags klaffen große Lücken auf dem Platz.

Der Wochenmarkt am Westwall zeigt insbesondere an Dienstagen immer wieder große Lücken. In dieser Woche war etwa ein Dutzend Marktbeschicker anwesend, am vergangenen Dienstag sollen es gerade mal acht Stände gewesen sein. Die Interessengruppe „Krefelder Freunde“ hat sich nun des Themas angenommen und will helfen, den Markt attraktiver zu machen.

Hierzu hat die Initiative eine Fragebogen an 40 Standbetreiber auf dem Markt geschickt. 24 Rückläufe gab es. Das Ergebnis der Auswertung wollen die „Krefelder Freunde“ am Donnerstag im Rathaus bei Oberbürgermeister Frank Meyer vorstellen und um Unterstützung bitten. Unsere Redaktion hat sich vor Ort umgeschaut und mit den Händlern gesprochen. Hier die Stimmen:

Willi Terporten kommt seit etwa 30 Jahren auf dem Markt und kann sich an sehr viel bessere Zeiten erinnern. „1992 standen die Händler hier in vier Reihen – und kein Platz war frei“, sagt der Wegberger, der auch auf den Märkten in Uerdingen und Oppum zu finden ist. „Es kommen immer weniger Leute“, erklärt er. Einen größeren Einbruch bei der Resonanz habe er vor drei bis vier Jahren beobachten können, „aber insgesamt kann man einen schleichenden Rückgang schon seit vielen Jahren sehen“. Terporten führt diesen Prozess auch auf die Entwicklung der Supermärkte zurück, die immer größer würden und bis in den späten Abend verkauften. Dagegen spreche aber, dass der Besuch der Kunden unter freiem Himmel nicht jeden Tag schlecht sei. „Der Freitag läuft hier gut“, sagt der Wegberger.

Dennoch gebe es einige Probleme, die nicht oder nur schleppend gelöst werden. „Die Kommunikation mit der Stadt funktioniert überhaupt nicht.“ Vor drei Jahren seien mal Gespräche zwischen der Verwaltung und den Beschickern angeregt worden. „Bis heute ist nichts passiert.“ Erfahren habe er auch, dass es einen Etat zur Unterstützung beispielsweise bei der Werbung für den Markt gebe. Wie hoch dieser Betrag sei, habe er ebenfalls nicht herausgefunden können.

 Isolde Schäfer-Jürgens: „Es ist ein Muss der Stadt, die freien Plätze auszuschreiben.“
Isolde Schäfer-Jürgens: „Es ist ein Muss der Stadt, die freien Plätze auszuschreiben.“ Foto: Andreas Bischof

Die Marktzeiten freitags bis 15 Uhr zu verlängern (Nachmittag-Markt), so lautet einer der abgefragten Vorschläge der „Krefelder Freunde“. Davon hält Terporten auf jeden Fall nichts. „Ich kenne 90 Prozent aller Kunden, die hier auf den Markt kommen. Meine sind in der Mehrheit 50 Jahre und älter, die kommen morgens auf den Markt.“

Und von einem Händler eines Standes gegenüber, der nicht genannt werden möchte, kommt der Hinweis, dass die Ausweitung von Marktzeiten gerade für die Selbsterzeuger ein Problem bereiten könne. „Sie müssen ja die Produkte auch irgendwann pflanzen und ernten.“ Eine bessere Zukunft am Westwall sieht er auch nicht, durch einen Eventmarkt. Die „Krefelder Freunde“ hatten in ihrem Fragenkatalog angeregt, ob man nicht durch einen Foodtruck, Fahrradreparaturen und eine Pralinen-Manufaktur den Markt zu einem Magneten machen könne. „Das funktioniert dreimal, dann hat sich das auch wieder abgenutzt“, sagt er.

Siegfried Morawa, der mit seinem Gemüse-Stand in der Mitte des Marktes steht, nimmt die Stadt bei einem ganz anderen Problem in die Pflicht. „Die fehlenden Toiletten sind das Thema Nummer 1“, sagt er. Es könne nicht sein, dass Händler bis zur Öffnung von Kneipen und Gaststätten warten müssten, um ihre Notdurft zu verrichten. „Das gibt es auf keinem anderen Markt“, sagt der Marktbeschicker aus Tönisvorst. So sei es auch nicht möglich, Angestellte zu gewinnen. Von den Kunden mal abgesehen.

 Will Terporten: „Es kommen immer weniger Leute.“
Will Terporten: „Es kommen immer weniger Leute.“ Foto: Andreas Bischof

Händlerin fordert für Beschicker eine Anwesenheitspflicht

 Elisabeth Schneider: „Der Markt muss attraktiver werden.“
Elisabeth Schneider: „Der Markt muss attraktiver werden.“ Foto: Andreas Bischof

Bestätigung bekommt er von gegenüber. Isolde Schäfer-Jürgens aus Moers verkauft dort ebenfalls Gemüse und ärgert sich wie viele ihrer Kollegen über die verwaisten Plätze auf dem Markt. Natürlich, so räumt sie ein, werde im Winter auf jedem Markt weniger verdient – und mehr vor oder an Wochenendtagen. Dennoch gebe es immer einen harten Kern von wenigen Händlern, die auch an den schlechteren Tagen ständige Präsenz zeigten. Schließlich bleibe bei den Kunden haften, dass nicht viel los sei. Und so bekomme jeder Wochenmarkt sein Image.

Wesentlich restriktiver als in Krefeld werde in Duisburg von der zuständigen Gesellschaft für den Betrieb der Märkte mit Beschickern umgegangen, die einen unattraktiven Tag säumten. „Da muss man zumindest eine gute Erklärung parat haben, warum man nicht gekommen ist.“ Genau so müsse dies auch in Krefeld gehandhabt werden, um die Lücken nicht erst entstehen zu lassen. Zudem fordert sie: „Es ist ein Muss der Stadt, die freien Plätze auszuschreiben.“ Dann könne man auch eine Vielfalt an Händlern gewährleisten. Frischen Fisch haben die Kunden am Dienstag beispielsweise vergeblich auf dem Markt am Westwall gesucht. Und das sei nach Meinung aller befragten Händler eigentlich ein Muss.

Grüne Oasen sollen den Markt am Westwall attraktiver machen

Elisabeth Schneider vom gleichnamigen Gemüseanbaubetrieb in Willich sieht ebenfalls insbesondere die Verwaltung für das Wohl und Wehe in der Pflicht: „Der Markt muss attraktiver werden“, fordert sie. Unter anderem schlägt sie eine Begrünung verschiedener Bereiche vor. Auch müsse die Stadt den Händlern bei der Gebühr für den Standplatz entgegenkommen.