Weniger Verkehr in der Innenstadt: IHK will City-Hubs in Krefeld testen

Verkehr in der Innenstadt : Weniger Verkehr in der Innenstadt: IHK will City-Hubs in Krefeld testen

Spezielle Packstationen sollen Lieferverkehr effizienter machen. Die SPD will das Thema politisch vorantreiben.

Steht der Lieferverkehr in Krefelds Innenstadt vor einem grundsätzlichen Wandel? Es wird zumindest wahrscheinlicher, dass einige Pakete und andere Waren bald deutlich anders transportiert werden als bislang. Zum Beispiel mit Lastenrädern statt mit Lieferwagen, die die Straßen versperren. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein möchte in Krefeld, Mönchengladbach und Neuss Modelle für sogenannte City-Hubs erproben.

In Großstädten sind diese schon üblich. Meist handelt es sich um Aufstellcontainer der verschiedenen Paketdienstleister am Rande von Citylagen. Dorthin werden die Sendungen gebündelt per Lkw angeliefert, um anschließend von Boten zu Fuß oder per Rad in der Stadt verteilt zu werden. Es geht darum, die „letzte Meile“ zum Kunden mit kleinen Fahrzeugen zurückzulegen. Das soll unter anderem den Stadtverkehr entlasten und Emissionen reduzieren. Letztlich hoffen Händler auf mehr Aufenthaltsqualität in der Stadt.

Es gibt verschiedene Ansätze, das Problem in Krefeld zu lösen

Bislang gerät die Infrastruktur mancherorts durch ein steigendes Aufkommen an Paketsendungen an die Belastungsgrenze. Dass die IHK nun verschiedene Lösungsansätze für dieses Problem in Krefeld, Neuss und Mönchengladbach erproben möchte, ist Resultat einer Studie des Verbands. Gefördert vom Land NRW hat die IHK ermittelt, wie City-Hub-Modelle in mittelgroßen Städten funktionieren können.

Zu viele Details der Untersuchung möchte die IHK noch nicht nennen, die offizielle Vorstellung ist für November geplant. Dennoch kündigt Wolfgang Baumeister, bei der IHK zuständig für Verkehr und Infrastruktur, an: „Es gibt für City-Hubs in mittelgroßen Städten Hürden, die aber keine grundsätzlichen Hindernisse sind.“ Daher will Baumeisters Haus die Modellprojekte in den drei untersuchten Städten vorantreiben. Mit Logistikern, Immobilieneigentümern und Stadtplanern ist man ohnehin in Kontakt.

Eins zu eins lassen sich Konzepte, wie es sie etwa in Frankfurt am Main gibt, aber nicht auf Städte wie Krefeld übertragen. So sind die großen Paketlieferanten nicht bereit, hier selber ein neues Liefermodell zu etablieren. Das Paketaufkommen sei noch nicht hoch genug, um sich von eigenen Systemen zu verabschieden, sagt Baumeister. Zudem legen die Logistiker Wert auf Sichtbarkeit ihrer Marke. Doch vier, fünf Sammelkisten an einer Ecke könnten im Stadtbild stören. Die IHK kann sich daher vorstellen, dass mehrere Anbieter eine Immobilie als gemeinsamen Sammelplatz für ein Viertel nutzen. Die Hürde sind die Mietpreise. „In der Stadtlage stellen sich Vermieter auch städtische Mietpreise vor“, sagt Baumeister. Das ist teurer als große Logistikzentren auf der grünen Wiese vor der Stadt. Scheitern soll der City-Hub-Plan daran nicht, hofft zumindest die IHK.

Die SPD möchte das Thema City-Hubs derweil auch auf die politische Agenda setzen. Für die November-Sitzung des Planungsausschusses solle die Verwaltung einen Vertreter der IHK Mittlerer Niederrhein einladen, heißt es in einem Antrag der Fraktion. Die SPD möchte so unter anderem sicherstellen, dass ein Logistikkonzept für die Stadt in Einklang mit Klimaschutz- und Mobilitätskonzept entwickelt wird, sagt Fraktionsgeschäftsführer Björn Rüsing. Die City-Hubs finden bei seinen Leuten prinzipiell Unterstützer. Bei der Entwicklung zukunftsfähiger Mobilitäts- und Verkehrskonzepte spiele die Optimierung der letzten Meile für Lieferverkehre eine zentrale Rolle, heißt es im Antrag der Fraktion.

Die CDU erkennt im Vorstoß der Sozialdemokraten einen eigenen, mehr als drei Jahre alten, Vorschlag wieder. „Die Idee der SPD ist keine neue“, stellt der planungspolitische Sprecher der CDU, Jürgen Wettingfeld, fest. Seine Fraktion habe schon im Jahr 2016 einen Antrag gestellt, ein City-Logistik-Projekt zu starten. Auch die City-Hubs waren schon Thema. „Die CDU-Fraktion hatte damals vorgeschlagen, einen City-Hub im geplanten interkommunalen Gewerbegebiet entlang der A 44 einzurichten“, sagt Wettingfeld. Der Planungsausschuss beschloss, eine Arbeitsgruppe aus Politik, Verwaltung und IHK einzurichten. Wettingfeld sagt: „Wenn der SPD-Antrag nun dafür sorgen sollte, dass die Stadt den Beschluss nach drei Jahren endlich umsetzt, dann unterstützen wir das gerne.“

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