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Krefeld: Weißer Ring: Bettina Lindgens blickt auf ihre Arbeit zurück

Krefeld : Weißer Ring: Bettina Lindgens blickt auf ihre Arbeit zurück

Bettina Lindgens leitete fünf Jahre den Weißen Ring — tritt jetzt kürzer.

Krefeld. Die Entscheidung ist ihr sehr schwergefallen. „Aber sie war richtig“, sagt Bettina Lindgens bestimmt. Fünf Jahre lang leitete die 55-Jährige die Geschicke der Außenstelle des Weißen Rings Krefeld. Zum Jahresende legte sie ihr Amt aus persönlichen Gründen nieder. Die offizielle Verabschiedung findet am 4. Mai statt, fast auf den Tag genau fünf Jahre nach ihrem Amtsantritt.

Die Arbeit für den Weißen Ring ist ehrenamtlich. Vollzeit arbeitet die Regierungsbeschäftigte seit über 24 Jahren bei der Polizei in Krefeld, im Kriminalkommissariat 11 führt sie das Geschäftszimmer. „Gesundheitlich läuteten die ersten Alarmglocken“, erklärt Bettina Lindgens. „Ich habe gemerkt, dass ich kürzer treten muss. Und da habe ich beim Ehrenamt angefangen.“ Den „Staffelstab“ hat sie Anfang des Jahres an Walter Domröse übergeben. „Sie hinterlässt mir große Schuhe“, sagt ihr Nachfolger ehrfürchtig.

Bettina Lindgens ist gebürtige Hamburgerin, wuchs in Krefeld auf. Seit elf Jahren lebt sie in Hüls. „Ich bin ein Familienmensch und sehr harmoniebedürftig“, sagt sie von sich. Man glaubt es ihr sofort. Auf dem großen Tisch steht ein bunter Strauß Blumen, in der Küche duftet es nach Schokoladenkuchen. Das Strickzeug liegt griffbereit.

Bettina Lindgens hat immer viel genäht und gehäkelt. Stricken hat sie sich gerade erst beigebracht. „Ich werde zum ersten Mal Oma“, verrät sie. „Und das gleich zwei Mal.“ Von ihren drei erwachsenen Töchtern werden zwei bald Mama. Das Geschlecht eines Enkels lässt sich leicht erraten. Bettina Lindgens strickt eine Babydecke — in Rosa. Die kreative Arbeit macht ihr Spaß. „Und ich freue mich, das fertige Produkt in den Händen zu halten“, sagt sie.

Ihre Arbeit für den Weißen Ring war ihr eine Herzensangelegenheit. Die Täter-Opfer-Situation hat sie immer bewegt. „Es geht darum, sich mit den Menschen zu solidarisieren“, sagt Lindgens. Aus dem Grund sei sie auch in der Gewerkschaft.

Sie ärgert sich, wenn andere sagen: „Bist du blöd. Du machst die ganze Arbeit und bekommst kein Geld.“ Diese Leute wüssten gar nicht, wie viel man mit ehramtlicher Arbeit gewinnen könnte, meint Lindgens. Außerdem sei es ein Weg, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „Ich bin aber keine Mutter Theresa“, wirft Lindgens ein. „Ich kann sehr gut ‚Nein’ sagen.“

Sicher kann sie ihren Garten jetzt öfter genießen. Den hat Ehemann Wolfram mit seinem grünen Daumen schon frühlingsfein gemacht. In ihrer Freizeit walkt sie gerne im Hülser Bruch. Und sie singt regelmäßig im Chor in der Friedenskirche. Und dann gibt es da noch den Kochstammtisch mit vier befreundeten Pärchen. Wenn die Reihe an Bettina Lindgens ist, nutzt sie die Kräuter aus dem eigenen Garten.

Was sie von ihrer Arbeit beim Weißen Ring mitnimmt? „Nette Kontakte“, antwortet sie prompt. Und ein größeres Bewusstsein für ihr eigenes Leben und die Gesellschaft. „Ich betrachte die Dinge immer noch von einer anderen Seite.“