Weil das Badezentrum geschlossen bleibt, wird der Waldsee zum Freibad

Schwimmen : Krefelder Waldsee wird zum Freibad auf Zeit

Weil das Badezentrum in Bockum noch länger geschlossen bleibt, greift der SV Bayer der Stadtverwaltung in Krefeld unter die Arme. Dazu gehört nicht nur die Öffnung eines Natursees.

Krefeld und seine Bäder: Eine Trauergeschichte mitten im Sommer. Das Badezentrum ist aufgrund eines Legionellenbefalls noch bis Anfang August geschlossen. Das Bad in Hüls kann aus versicherungstechnischen Gründen nicht öffnen und der Elfrather See weist eine nicht ausreichende Wasserqualität auf.

„Es ist peinlich“, konstatiert Sportamtsleiter Oliver Klostermann. Eine Großstadt ohne Freiwasserfläche mitten in den wärmsten Monaten des Jahres. „Das ist so nicht hinnehmbar. Ich will so einen Sommer nicht nochmal erleben“, sagt Sportdezernent Markus Schön. Vereine, Schulen, Privatpersonen: Alle leiden unter der erneuten Schließung des Badezentrums.

„Das tut uns auch unendlich leid. Deshalb sind wir umso stolzer darauf, dass unter den Vereinen Solidarität herrscht und gemeinsam versucht wird, die ausgefallenen Zeiten aufzufangen“, sagt Schön. Die Situation ist für die Stadt so belastend, dass es ohne Hilfe von außen nicht mehr geht. Personell geht die Sportverwaltung am Stock, die städtischen Schwimmhallen sind bis auf die letzte Bahn ausgebucht.

Unterstützung kommt aus Uerdingen. Der SV Bayer, mit 9600 Schwimmern Deutschlands mitgliederstärkster Schwimmverein, hat seine Hilfe angeboten und ermöglicht in den Sommerferien auch Nicht-Vereinsmitgliedern Zugang zum Waldsee. „Wir sind gerade dabei, die letzten Details zu klären“, sagt SV-Geschäftsführer Guther Archinger. Der Plan: Der Waldsee soll tageweise gegen Eintritt auch für Nicht-Mitglieder geöffnet werden.

Verein hilft bei der Schwimmausbildung von Schülern

Auch bei der Schwimmausbildung packt der Verein mit an. „Sonst wäre das System wahrscheinlich zusammengebrochen“, schätzt Klostermann. Bayer stellt zukünftig Schwimmlehrer für Intensivkurse in den Ferien im Fischelner Bad für die Stadt zur Verfügung und übernimmt auch den administrativen Teil.

Anmeldungen, Informationsgespräche und die Beratung für Eltern, deren Kinder Schwimmen lernen wollen: All dies liegt für die Intensivkurse in den Händen des Uerdinger Schwimmvereins.

Im Rathaus ist man froh, solche Hilfsangebote zu erhalten. Hinzu kommt, dass der Verein seine Anlage kostenfrei zur Verfügung stellt. So viel Solidarität ohne Gegenleistung? „Der SV Bayer erwartet natürlich auch, dass wir jetzt nachhaltig in die Bäderlandschaft investieren und zukunfstfähige Grundsatzentscheidungen treffen“, verrät Schön.

Diese müssen nicht nur für das Badezentrum (Gutachten kommt Anfang September), sondern auch für das Schwimmbad in Hüls (Workshop am 7. August) her. Zudem sagt Schön: „Ich würde es begrüßen, wenn wir auch im Innenstadtbereich wieder einen Ort hätten, an dem Kinder schwimmen lernen können.“

Die Wiederbelebung des Stadtbades Neusser Straßes bleibt aber wohl ein frommer Wunsch.

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