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Weihnachtsbesuche im Viertel

Weihnachtsbesuche im Viertel

Der Bürgerverein West pflegt seit Jahren die Tradition, vor Heiligabend die Ältesten im Bezirk mit Geschenktüten zu überraschen.

West. Die Kekse stehen schon auf dem Tisch. Das obligatorische Fläschchen Cola auch. Hartmut Schaafs und seine Tochter Vera werden schon erwartet. „Wir kündigen uns vorher bei den Senioren immer an, damit keiner verdutzt ist, wenn es an der Tür klingelt“, sagt der 1. Vorsitzende des Bürgervereins West, als er die Wohnung von Arnold Bongers betritt. Der 94-Jährige begrüßt die Gäste mit einem Lächeln und bittet sie herein. „Herr Bongers“, berichtet Hartmut Schaafs, „ist trotz seiner 94 Jahre noch sehr aktiv.“ Einmal im Jahr macht sich der gebürtige Klever mit seinem Wohnmobil noch immer auf die Reise. „Letztes Jahr war ich in Griechenland“, erzählt er und steht kurz auf. Er kommt mit einem Foto zurück. „Die Fotos hier habe ich als Weihnachtsgruß an über 40 Bekannte und Freunde in ganz Europa geschickt. Ich bin wirklich viel rumgekommen.“

Weihnachtsbesuche im Viertel

Es sind vor allem diese Gespräche, die die Besuche des Bürgervereins West für alle Besucher und Besuchte so wertvoll machen. 15 Adressen haben Hartmut Schaafs und seine Tochter in den Tagen vor Weihnachten abgeklappert. „Wir besuchen die Ältesten im Viertel, das ist eine jahrelange Tradition des Bürgervereins, die wir gerne fortführen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Die Geschenktüte, in der sich vom Bürgerverein gespendeter Kaffee, ein Christstollen der Bäckerei Zirolies und eine Tafel Schokolade befinden, spielt für viele Senioren eine untergeordnete Rolle. Die persönlichen Besuche seien das Besondere, sagt Arnold Bongers.

Weihnachtsbesuche im Viertel

Gespräche, Fragen, ein geselliges Miteinander: Darauf freuen sich auch Ursula Wesch und ihr Partner Eberhard Ketz, jedes Mal, wenn Familie Schaafs kurz vor Weihnachten bei ihnen vorbeikommt. „Ich freue mich über jeden Besuch“, sagt der gebürtige Schwarzwälder, der sich in diesem Jahr Ente zum Weihnachtsfest gewünscht hat. Eberhard Getz erzählt noch aus der Zeit, als er nach Krefeld kam, „um richtig Geld zu verdienen“. Das war 1954, seitdem ist er in Krefeld heimisch geworden, hat bis vor wenigen Jahren noch einen Schrebergarten besessen. „Aber das ging irgendwann körperlich nicht mehr — und ich konnte meiner Frau nicht zusehen, wie sie die Arbeit alleine verrichten muss“, schmunzelt der 86-Jährige.

Die Schaafs, allen voran Tochter Vera, kennen die ganzen Geschichten. „Mein Bruder Leon und ich sind auch immer beim Sommer- und Martinscafé des Bürgervereins, wo wir viele wiedertreffen, die wir auch an Weihnachten besuchen“, sagt die junge Frau, nascht an ihrem Keks und verabschiedet sich von der WZ, weil sie noch viele interessante Gespräche führen muss.