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Was die neue grüne Bezirksvorsteherin in Mitte von Krefeld hält

„Die Themen liegen auf der Straße“ : Was die neue grüne Bezirksvorsteherin in Mitte von Krefeld hält

Von Mexiko-Stadt nach Krefeld: Was die neue grüne Bezirksvorsteherin in Mitte an dieser Stadt so mag und wo sie Handlungsbedarf sieht.

Von Mexiko-City nach Krefeld. Unterschiedlicher könnten die Lebenswirklichkeiten und Ausmaße einer Stadt nicht sein, und dennoch hat sich Ana Sanz Sanz mit ihrem Mann 1990 entschieden, diesen Schritt zu gehen. Beide hatten in der mexikanischen Hauptstadt einige Jahre lang gearbeitet, sich dort kennengelernt und 1986 dort geheiratet. Ihr Mann Heino Thies stammt aus Düsseldorf, sie aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Madrid. „Als wir zurück nach Europa wollten und überlegten wohin, fiel die Wahl auf das linksrheinische Krefeld“, erzählt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen und neue Bezirksvorsteherin in Mitte. „Ich habe mich von Anfang an hier wohlgefühlt“, erzählt sie auf einer Bank auf dem Joseph-Beuys-Platz in der Sonne sitzend.

Mit der Initiative „Das Quartier lebt“ fing alles an

Direkt um die Ecke, auf der Blumenstraße, wohnt sie mit ihrer Familie schon seit vielen Jahren in einem nach ihren Worten „uralten Haus“. Ihr Sohn kam 1995 zur Welt, ihre Tochter 1997. Im Rahmen der Serie „Stadtpioniere“ über urbanes neues Leben in der Innenstadt hatte die WZ Ana Sanz Sanz und ihren Mann Heino Thies samt Kinder vorgestellt – ebenso ihr altes Haus, das sie mit vielen guten Ideen für die vierköpfige Familie ausgebaut und modernisiert haben.

Als die Verwaltung vor mehr als zehn Jahren auf der parallel zur Marktstraße verlaufenden ruhigen Wohnstraße Straßenbäume und die kleinen Grünflächen an den Parkbuchten zugunsten weiterer Stellplätze abholzen lassen wollte, begann sie sich politisch zu engagieren. Zunächst in der von Anwohnern gegründeten Initiative „Das Quartier lebt“. Kurz danach trat sie der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ bei. Vor zweieinhalb Jahren zog sie dann für den ausscheidenden Daniel John in den Stadtrat ein.

Was sie dazu bewogen hat in die Politik zu gehen? „In Krefeld läuft alles so langsam“, sagt Ana Sanz Sanz. Beispielsweise bei der Blumenstraße. Die Abholzung hatte die Initiative erfolgreich verhindert und dafür eine komplette Straßensanierung angestoßen. 2012 war der erste Teilabschnitt fertig. „Ein, zwei Jahre später sollte auch der Rest gemacht werden“, erinnert sich die Grünen-Politikerin – doch es passierte nichts. Acht Jahre später hofft sie, dass die nun begonnenen Arbeiten in Kürze fertig werden. Über die seit 20 Jahren geplante Sanierung der Philadelphiastraße will sie gar nicht erst reden. „Wenn alles so langsam hier läuft, müssen wir Grüne schauen, was in der vor uns liegenden fünfjährigen Legislaturperiode überhaupt umzusetzen möglich ist.“

An Elan und Temperament fehlt es der 60-Jährigen nicht. „Dass man in Deutschland immer nach dem Alter fragen muss, in Spanien ist das nicht so“, quittiert sie die Frage danach. Ein Problem mit ihrem Alter hat sie nicht, schließlich sei jeder so alt, wie er sich fühle. In der sich gerade aber stark verjüngenden Partei komme es bei den jungen Grünen schon häufiger mal vor, dass sie staunen aufgrund ihres Alters.

Sauberkeit, Aufenthaltsqualität und Mobilität sind die Themen

Die politische Arbeit macht ihr Spaß. Gerade erst seit wenigen Wochen im neuen Rat und der BZV, bremst Corona sie jedoch gerade etwas aus. „Es ist derzeit ein Problem, die Leute im Bezirk zu erreichen und zu erfahren, was sie sich wünschen, wo es Probleme gibt.“ Andererseits biete die Stadtmitte den Vorteil, dass man hier nicht nach Themen suchen müsse.

Das erste, das ihr in den Sinn kommt, ist die Sauberkeit im Zentrum. „Die weiter zu verbessern, kostet nicht viel, würde aber die Aufenthaltsqualität weiter verbessern“, sagt Ana Sanz Sanz. Wenn die Umgebung schön ist, fühlen sich die Menschen auch wohl.

Das Thema Sicherheit hat sie auch im Blick. „Allerdings ist das bei vielen Menschen mehr so ein Gefühl der Unsicherheit, als dass hier tatsächlich mehr passiert.“ Mit Blick auf die Kriminalitätsstatistik der Krefelder Polizei und aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen fühle sie sich sicher in Krefeld. Und da sie alles ausschließlich mit dem Fahrrad unternimmt, kriege sie die Stimmungen in der Stadt auch besser mit als in einem Auto.

„Das Besondere an Krefeld ist, dass ich hier in 15 Minuten mit dem Fahrrad am Stadtrand im Hülser Bruch bin“, sagt die sportliche Politikerin. Überhaupt biete diese Stadt in normalen Zeiten sehr viele Möglichkeiten. Tagsüber könne man am Rhein entlang wandern oder radfahren, abends dann ins Theater oder den Jazzkeller. „Krefeld hat die richtige Größe dafür“, sagt Ana Sanz Sanz, und mit der möglichen Impfung und Schutzmaßnahmen wird in einiger Zeit auch dies wohl alles wieder möglich sein.

Dafür müssen jedoch in den kommenden fünf Jahren andere Herausforderungen angegangen werden. Dazu zählt die Grünen-Politikern beispielsweise die Mobilitätswende, die notwendig ist, um die Klimaveränderungen abzufangen. Eine weitere Straßenbahnlinie schwebt ihr da vor. Das dürfe dann aber nicht 20 Jahre bis zur Umsetzung dauern.