WM der Funker: Warum Funker sehr kommunikativ sind

WM der Funker: Warum Funker sehr kommunikativ sind

Bernd Furch hat sich schon als Jugendlicher begeistert, jetzt war er bei der WM.

Krefeld. Rund 45 Jahre ist es her, dass sich der damals 20-jährige Bernd Furch für den Funk begeistern konnte. In seiner Zeit bei der Bundeswehr in Oldenburg nutzte er seine freien Minuten häufig für einen Ausflug mit dem Auto auf einen nahegelegenen Berg, um über Funk Menschen in diversen Regionen zu erreichen. Damals habe das Funken noch über einen völlig anderen Stellenwert verfügt, so Furch, als es ihm nun in Zeiten moderner, digitaler Technologien innewohne.

Im Zuge seiner Ausbildung verlief das Hobby allerdings im Sand. Mittlerweile ist Bernd Furch im Rentenalter und obwohl er dadurch keineswegs mehr Zeit habe, wie er lachend gesteht, konnte er seine alte Leidenschaft noch einmal aufleben lassen. Vor einigen Wochen war Furch als Volontär bei der Funk-Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr in Deutschland ausgetragen wurde, und erlebte den Sport und seine Persönlichkeiten aus verschiedensten Regionen der Welt hautnah.

Im Rahmen der „World Radiosport Teamsport Championship“ pilgerten Amateurfunkteams aus der ganzen Welt nach Deutschland, um ihre Nationen bei den Wettkämpfen zu vertreten. Mehr als 60 Nationalitäten waren zugegen, ebenso viele Funkstationen mussten auf dem Gelände in Nähe der Stadt Jessen in Sachsen-Anhalt aufgebaut werden. Ein Austragungsort, der neben Metropolen wie Boston, dem Ausrichtungsort des Jahres 2014, oder Seattle, wo die erste Weltmeisterschaft vor nun 28 Jahren stattfand, beinahe etwas exotisch wirkt.

Furch las zum ersten Mal in einer Anzeige in einem Fachmagazin von dem Turnier, bot seine Hilfe als Freiwilliger an. So begann für ihn ein kleines Abenteuer. Am Rande eines Dorfes mit ungefähr 68 Einwohnern, berichtet Furch, baute er gemeinsam mit weiteren Helfern mehrere Stationen auf und bereitete den reibungslosen Ablauf des Turniers vor. Ein enormer logistischer Aufwand, der damit verbunden gewesen sei. Furch sagt: „Auf den Feldern gab es keinen Strom. Also brauchte jede Station einen eigenen Generator.“ Zudem habe man den Turnierbereich mit Besenstielen abstecken müssen. Fünf Tage später trafen die Teilnehmer ein, die den 24-stündigen Wettkampf aufnahmen. Ziel dabei war es, in dieser Zeit die meisten Funkverbindungen herzustellen und bestimmte Stationen zu erreichen.

Besonders die Konzentrations- und Hörfähigkeit der Teilnehmer werde gefordert, denn man müsse selbst aus diffusem Rauschen Informationen herausfiltern können, erläutert Furch, der während des Wettkampfes in stetigem Kontakt mit den Teams stand. So auch mit den deutschen Vertretern und deren kanadischem Schiedsrichter. Auch beim Funksport gehe es höchst emotional zu, berichtet Furch. So habe er die Teilnehmer auch regelmäßig beruhigen müssen, wenn Funkverbindungen fehlschlugen oder andere Probleme auftraten. Das von ihm betreute deutsche Team belegte einen respektablen 36. Platz unter 63 Teams. Zum Weltmeister ließ sich das Kollektiv aus Litauen krönen. „Nach dem Wettkampf sind beide erstmal zur Toilette gerannt“, so Furch über die beiden deutschen Teilnehmer, die während der Wettkampfzeit für keine Sekunde ihren Platz am Funkgerät verließen.

Für Furch war seine gut einwöchige Zeit bei der Weltmeisterschaft ein persönlicher Gewinn. „Die Atmosphäre war wunderbar“, konstatiert Furch. So konnte er eine große Vielfalt an unterschiedlichen Menschen jeden Alters kennenlernen, Kontakte knüpfen, mit denen er in Verbindung bleiben möchte. „Funker sind schließlich sehr kommunikativ“, befindet er. Mittlerweile engagiert sich Furch auch im einem Krefelder Ortsverband für Amateurfunk. Im Kontrast zur Weltmeisterschaft gehöre er dort beinahe zu den Jüngeren.

Dabei biete Funk heute vielfältige Möglichkeiten und sei für technikaffine Jugendliche sehr interessant. Dies müsse nur deutlicher kommuniziert werden. Ob er in vier Jahren auch zur WM in Italien fahren wird, wisse er noch nicht. Mehr Zeit für den Funksport aufnehmen wolle er aber in jedem Fall, vielleicht um selbst eines Tages nochmal an einem Wettkampf teilnehmen.