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Warum es weniger Arbeitslose in Krefeld gibt

Arbeitsmarkt : Totz Krisen: Die Arbeitslosigkeit in Krefeld sinkt

Die Arbeitsagentur legt erstaunlich gute Septemberzahlen für Krefeld vor – die Caritas wirbt für Qualifizierungen.

Energiekrise, Rekordinflation, und eine heraufziehende Rezession: Allen negativen Nachrichten zum Trotz bleibt die Lage am Arbeitsmarkt entspannt. Ja, im September hat sie sich in Krefeld sogar ein wenig verbessert. So ging die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum August um 235 auf 12 757 zurück (die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 10,6 auf 10,4 Prozent). Diese Zahlen stellte Sarah Borgloh, die neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld/ Kreis Viersen, am Freitag bei ihrer ersten Pressekonferenz vor.

Dabei steigt normalerweise die Arbeitslosenzahl nach den Ausbildungsabschlüssen im Sommer zunächst kurz an, bevor Unternehmen im Herbst verstärkt einstellen.  Dass sie schon jetzt leicht fällt, ist für Borgloh ein klares Indiz dafür, „dass der Arbeitsmarkt vor allem für Fachkräfte sehr aufnahmefähig ist“. Das gilt insbesondere für junge Menschen, die auch in Krefeld offenkundig relativ leicht nach ihrer Ausbildung eine Anschlussbeschäftigung finden, so Borgloh. Tatsächlich sank die Arbeitslosenzahl bei den unter 25-Jährigen im Agenturbezirk um 11,1 Prozent.

Ob die Lage so stabil bliebt, weiß niemand im Moment. Sarah Borgloh ist zumindest verhalten optimistisch, nachdem eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für 2023 zumindest signalisiert, dass der Arbeitsmarkt bundesweit „robust“ bleibt, die Arbeitslosenzahl nur gering zunimmt.

Nicht zufällig fand die Pressekonferenz am Freitag bei der Caritas im Hansahaus statt. Denn die Caritas engagiert sich stark im Bereich Fortbildung und Qualifizierung – bekanntlich sehr probate Mittel gegen Arbeitslosigkeit. „Wir bieten interne und externe Fortbildungen auch für andere Unternehmen an“, sagt Eva Reinard von der Caritas. Der katholische Träger benötigt selbst dringend Fachkräfte,  etwa  Altenpfleger oder Erzieherinnen, und ist froh, dass Mitarbeiter(innen) sich dank der Förderzuschüsse der Arbeitsagentur im Job weiterqualifizieren können: „Das Arbeitsumfeld stützt die Qualifizierung enorm“, sagt Reinard.

Davon profitiert Marcel Gutrath (30). Er machte 2022 an der Abendrealschule seinen mittleren Schulabschluss und arbeitet schon länger als Pflegehelfer bei der Caritas: „Ich hatte immer die Sorge, vom Azubi-Gehalt nicht leben zu können, jetzt aber kann ich die Ausbildung zum Pflegefachmann parallel und mit Gehalt absolvieren“, freut er sich.