1. NRW
  2. Krefeld

Warum die Rampe an der Dio-Kirche in Krefeld für viel Ärger sorgt

Corona : Warum die Rampe an der Dio-Kirche für viel Ärger sorgt

Eine Rampe an der Dio-Kirche in Krefeld sorgt in diesen Tagen für viel Ärger.

David Grüntjens versteht die Welt nicht mehr. „Vielleicht müssen wir die Stadtkirche schließen, weil der Unteren Denkmalbehörde unsere Metallrampe nicht passt“, sagt der Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Papst Johannes XIII. Das Provisorium müsse „unverzüglich“ entfernt werden, es sei nicht verkehrssicher, Radfahrer könnten sich schwer verletzen. Wenn die Gemeinde der Anordnung nicht folge, werde die Entfernung verfügt, teilte die Untere Denkmalbehörde vor wenigen Tagen unmissverständlich mit.

Auf Nachfrage der WZ rudert die Stadt inzwischen zurück. Eine dauerhafte Lösung für einen barrierefreien Zugang solle erst mit der Umgestaltung des Platzes vor der Kirche erfolgen. Bis dahin könne die Gemeinde die provisorische Lösung eigenverantwortlich nutzen. Von einer unverzüglichen Entfernung der Rampe ist keine Rede mehr.

Gemeinde möchte Haupteingang auf Dauer barrierefrei gestalten

Rückblende: Bereits vor sechs Jahren wurde die Metall-Rampe laut Pfarrer Grüntjens von einer Metallbaufirma am Haupteingang der Dionysius-Kirche befestigt und an der oberen Stufe fest im Granit verschraubt. Gestört hat sich niemand daran. „Uns ist es sehr wichtig, dass auch Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen schwellenlos unsere Kirche durch den Haupteingang erreichen“, erläutert der Pfarrer.

Corona hat die Bedeutung der Rampe dann noch einmal deutlich erhöht. Denn nun muss die Gemeinde für getrennte Ein- und Ausgänge sorgen, wenn sie Gottesdienste durchführen möchte. Und weil die Gemeinde auch nicht auf Dauer mit der Rampe leben möchte, wurde die Idee geboren, einen barrierefreien Zugang professionell zu gestalten.

Die Pläne wurden bei der Stadt und der Unteren Denkmalbehörde zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. Damit nahm das Unheil seinen Lauf. Denn bei einem Ortstermin hieß es, die Rampe müsse weg. Sie sei nicht verkehrssicher. Die Schrauben im Granit seien nicht hinnehmbar. Und überhaupt komme ein barrierefreier Umbau nicht in Frage. Begründung: Das Hauptportal zur Rheinstraße hin sei eine neugotische Hinzufügung aus dem 19. Jahrhundert. Die historischen Haupteingänge zur Dionysiuskirche seien die nördlichen und südlichen Eingangsportale (zur Volksbank und zum Schwanenmarkt).

„Das kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Pfarrer Grüntjens. „Die Behörde hat die Konzeption des Gebäudes als Stadtkirche, die sich seit mehr als 150 Jahren zur Rheinstraße hin öffnet, nicht verstanden. Es kommt beim Haupteingang nicht darauf an, welche Steine die älteren sind.“

Grüntjens ist auch erstaunt darüber, dass die Behörde ausdrücklich auf Radfahrer hinweist, die sich bei Stürzen an der Rampe schwer verletzen könnten. „Das Radfahren ist dort ja überhaupt nicht erlaubt“, sagt der Pfarrer.

Offensichtlich ist die Stadt inzwischen bereit, einen barrierefreien Umbau des Haupteingangs der Dio-Kirche zu akzeptieren. Wann das sein wird, ist aber unklar, weil niemand im Rathaus einen Zeitpunkt für die Umgestaltung des Dionysiusplatzes nennen kann. Beide Projekte müssen aber Hand in Hand gehen, weil der schwellenlose Anstieg zur Kirche mehrere Meter in den stadteigenen Platz hinein ragen wird.

Bis es soweit ist, wird es also bei der Rampe bleiben. Die Auflagen der Corona-Schutzverordnung erfüllt die Gemeinde, weil am nördlichen Eingangsportal zur Volksbank hin bereits vor etwa 20 Jahren ein zweiter barrierefreier Zugang entstanden ist. Mit Zustimmung der Unteren Denkmalbehörde.