Fußball: Warum die Grotenburg-Sanierung eine Flickschusterei für den KFC Uerdingen ist

Fußball : Warum die Grotenburg-Sanierung eine Flickschusterei für den KFC Uerdingen ist

Zwei Stadionexperten nehmen Stellung zu den geplanten Sanierungen der Grotenburg. Die Aussichten sind demnach nicht gerade heiter.

Krefeld. Es wird noch etwas dauern, bis die Bagger an der Grotenburg anrollen. Vor dem Jahreswechsel starten die Arbeiten nicht, der KFC spielt daher seine komplette in Duisburg. So viel ist klar. Das Stadion soll in dieser Zeit Drittliga-tauglich gemacht werden. Doch was dann? Für einen Klub wie Uerdingen, soll die 3.Liga nicht das Ende der sportlichen Ansprüche sein.

Müssen bei einem Aufstieg in die 2. Liga dann wieder Millionen investiert werden? Fragen, die auch Tobias Auer auf der Seele brennen. Der gebürtige Uerdinger ist derzeit im Stadionbetrieb bei der SpVgg Greuther Fürth tätig und hat dort den Bau des Stadions als Projektleiter verantwortet. Zuvor arbeitete er für Eintracht Braunschweig, den 1. FC Nürnberg und den FSV Frankfurt. Einer, der sich auskennt in Sachen Stadionbau.

Auer begleitet seit Monaten die Entwicklung ums Stadion. Er sagt: „Es wirkt nach außen wie ein Politikum, dabei müssen alle an einen Tisch. Ohne den KFC Uerdingen und seinen Investor kann keine sinnvolle Lösung gefunden werden. Man muss den Investor an die Stadt oder den KFC binden. Alles andere wäre fahrlässig. Die Herangehensweise, alles eher stückchenweise zu machen, greift meiner Meinung nach zu kurz.“

Derzeit erfasst die Firma Albert Speer + Partner in einer Machbarkeitsstudie die baulichen Möglichkeiten der Grotenburg. Eine Tauglichkeit für eine höhere Spielklasse soll berücksichtigt werden. Fakt ist: Die Auflagen des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) verlangen für ein Stadion in der dritten Liga eine Kapazität von mindestens 10.000 Zuschauer, für eines in der 2. Liga 15.000.

Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich auch Guido Pfaffhausen zu den Plänen. Der Stadionarchitekt war an zahlreichen Projekten national wie international beteiligt. Er sagt: „Irgendwann ist ein Stadion abgelaufen. Der Fußball ist heute ein Anderer, das gilt auch für die Zuschauer. Er ist zu einem Familiensport geworden, bei dem es gut ausgebaute Vip-Bereiche oder Sanitärbereiche braucht. Das ist alles dringend notwendig, denn ohne den gut bezahlenden Anhänger, kann der Normal-Fan nicht für kleines Geld ins Stadion.“

Dinge, die bei einem Umbau eines Stadions „sehr schwer umzusetzen sind“, meint Pfaffhausen. Der Standort der Grotenburg ist für Tobias Auer alles andere als ein idealer. Die Infrastruktur, die Parkplatzsituation oder eine konforme Fan-Trennung kann Auer nicht erkennen. „Das gesamte Sicherheitskonzept würde die Polizei vor eine sehr große Hürde stellen. Es ist mir ein Rätsel, wie das funktionieren soll“, sagt Auer, schlägt vor: „Es sollte kein No-Go-Thema sein, einen Neubau an einem anderen Standort zu erwägen.“

Für die jetzige Situation hat Auer nur wenig übrig. „Ich habe das Gefühl, weil gerade in Duisburg gespielt wird, denken alle, es muss schnell etwas getan werden. Das ist kein nachhaltiger Ansatz.“ Nach Auer braucht es Geduld, um auf lange Sicht profitabel zu wirtschaften. „Es muss vielleicht auch mal vier Jahre gewartet werden, in denen dann ein neues Stadion gebaut wird. In 20 Jahren kräht kein Hahn mehr danach.“

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