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Warum der Krefelder Zoo die Schüsse auf Gorilla „Massa“ verschwieg

Verletzter Affe musste erlöst werden : Warum der Krefelder Zoo die Schüsse auf Gorilla „Massa“ verschwieg

Die tragischen Ereignisse im Krefelder Zoo bekommen durch einen neuen Bericht des Innenministeriums eine weitere Dimension: Nach dem Brand des Affenhauses, bei dem etliche Tiere starben, musste Massa mit Schüssen aus der Maschinenpistole erlöst und zwei weitere schwerst verletzte Tiere eingeschläfert werden.

Nach dem Brand im Krefelder Zoo in der Nacht zu Neujahr ist es zu bisher unbekannten, dramatischen Szenen gekommen: Ein schwer verletzter männlicher Gorilla musste am Morgen von einem Polizeibeamten durch mehrere Schüsse aus einer Maschinenpistole erlöst werden, da die Tierärztin es wegen der großflächigen Hautschäden nicht schaffte, das Tier einzuschläfern. Zwei weitere Menschenaffen wurde ohne Verzögerung durch ein hochkonzentriertes Narkotikum eingeschläfert, um auch sie von ihrem Leiden zu erlösen. Dies geht aus einem Bericht des Innenministeriums an den nordrhein-westfälischen Landtag hervor.

Laut Innenministerium hatten sich bereits während des Brandes Polizisten mit Maschinenpistolen rund um das Affenhaus postiert, um notfalls verletzte oder panische Tiere zum Schutz der Einsatzkräfte zu stoppen. Dazu kam es nicht. Die Retter gingen laut des Berichtes davon aus, dass alle Tiere das Feuer nicht überlebt haben. Gegen 8 Uhr morgens wurden dann drei schwer verletzte Tiere gefunden, von denen die Tierärztin ein Orang-Utan-Weibchen und einen weiteren Menschenaffen einschläferte. Den Gorilla tötete der Beamte nach Freigabe durch den Polizeiführer.

Mit dem 34-jährigen Schützen seien in den folgenden Tagen aus Fürsorge mehrere „intensive Gespräche“ geführt worden, heißt es in dem Bericht an den Landtag. „Der Bericht des Innenministeriums lässt nur erahnen, wie belastend der Einsatz für die Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sowie die Mitarbeiter des Zoos gewesen sein muss“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Verena Schäffer.

Tatsächlich sei die „emotionale Belastung bei allen Einsatzkräften sowie beim Personal des Zoos immens“ gewesen, heißt es in dem Bericht. „Während und nach dem Einsatz wurde den Einsatzkräften und den Mitarbeitern eine psychologische Unterstützung angeboten.“

Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen waren die Vorgänge bei der ersten Pressekonferenz bekannt, aber zum emotionalen Schutz der beteiligten Personen wie Tierärztin, Tierpfleger und Polizei wurde gemeinschaftlich mit den beteiligten Behörden entschieden, diese Information nicht zu kommunizieren, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Krefelder Polizei.

Die weist darauf hin: „Unsere Kollegen waren zur Tötung des Tieres durch Kugelschuss nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet. Ansonsten hätten sich unsere Kollegen nach dem Tierschutzgesetz (Paragraph 17) strafbar machen können. Bei allen drei erlösten Menschenaffen, die unmittelbar nach den Löscharbeiten in Begleitung der Feuerwehr von den Tierärztinnen entdeckt worden waren, waren schwache Lebenszeichen ohne Überlebenschancen festgestellt worden.
Wie durch ein Wunder konnten die Schimpansen Bally und Limbo mit leichten Brandverletzungen gerettet werden. Sie sind auf dem Weg der Besserung.

Das Innenministerium führt in dem Bericht auch den aktuellen Ermittlungsstand aus. Demnach hatten bereits um 2.20 Uhr - keine zwei Stunden nach der Alarmierung der Feuerwehr - erste Zeugen Hinweise auf Himmelslaternen gegeben. Am nächsten Tag meldeten sich drei Frauen, die nach Mitternacht fünf der Leuchten hatten steigen lassen. Zwei seien in einem Baum hängen geblieben, drei weiter geflogen. Laut Innenministerium landete eine auf dem Dach des Affenhauses - wo sie laut Bericht „mit unbekanntem, entflammbarem Material in Kontakt gekommen ist. Im weiteren Verlauf kam es zur Flammenbildung und danach zum Vollbrand des Gebäudes.“

Die Grünen-Politikerin Schäffer sagte der dpa: „Die Landesregierung muss dieses schreckliche Ereignis zum Anlass nehmen, für stärkere Brandschutzbestimmungen in den Zoos zu sorgen. Dazu gehören zum Beispiel die Verpflichtung zur Installation von Brandmelde- und Sprinkleranlagen im gesamten Gebäudebestand.“ Der Krefelder Zoo plante und sammelte aktiv für ein neues zusätzliches Außengehege, den Schimpansen-Garten, der 2021 gebaut werden sollte. Auch ein weiteres Außengehege für die Orang-Utans war angedacht.

Insgesamt kamen über 50 Tiere (einschließlich Vögel und Flughunde) bei dem Brand ums Leben.