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Natur: Warmer Winter: Tiere wie Eichhörnchen und Igel passen sich an

Natur : Warmer Winter: Tiere wie Eichhörnchen und Igel passen sich an

Winterschlaf oder Winterruhe sind bei den bisherigen Temperaturen nicht nötig gewesen. Verhungern wird keiner, weiß man in der Biologischen Station Krefeld.

Krefeld. Überall wuseln sie durch Gärten, Parks und Wälder — Tiere, die man in normalen Wintern eigentlich im Winterschlaf vermuten würde. Besonders auffällig ist das bei den Eichhörnchen, die mit ihrem roten Fell in den kahlen Bäumen leicht zu entdecken sind. Sie jagen die Stämme rauf und runter. Entgegen ihrem üblichen Rhythmus sind aber auch Igel, Fledermäuse oder Siebenschläfer noch unterwegs. „Da draußen ist ein ziemlich reges Treiben“, fasst es Jochen Schages, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station in Krefeld, zusammen.

Natur: Warmer Winter: Tiere wie Eichhörnchen und Igel passen sich an
Foto: dpa

Je nach Art müssten sie im Januar eigentlich längst schön eingemummelt — zum Beispiel zwischen trockenem Laub - in einem Winterquartier liegen. „Aber wegen der milden Temperaturen sind sie noch sehr aktiv“, sagt der 53-Jährige. Gleichzeitig haben auch zum Beispiel Würmer und „erdgebundene Mücken“ überlebt und vermehren sich. „Es gibt also noch ausreichend Futter“, beruhigt Schages Gartenbesitzer und Spaziergänger, die sich in diesen Tagen Gedanken um die Überlebens-Chancen von Eichhörnchen und Co. machen.

Natur: Warmer Winter: Tiere wie Eichhörnchen und Igel passen sich an
Foto: dpa

Ein Problem könne für die Schlafverweigerer nur entstehen, wenn sie plötzlich ein Wintereinbruch überraschte. „Also, wenn es heute 15 und morgen 5 Grad wären, das wäre für sie schon schwierig“, so der Krefelder. Wenn die Temperaturen langsam sänken, passiere ansonsten einfach nur das, was bei den Tieren in solchen Fällen vorprogrammiert ist: Dann würden — eben einfach nur etwas später — für das Einleiten von Winterschlaf oder -ruhe die Körpertemperatur sinken und der Kreislauf und Herzschlag geringer getaktet.

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Foto: dpa

Interessant ist auch, wie sich durch die insgesamt wärmeren Temperaturen der vergangenen Jahre in der eben nicht mehr ganz so kalten Jahreszeit das Verhalten der Zugvögel verändert hat. So sind die Störche, die früher nur im Sommer ihr Brutgebiet in unseren Gefilden hatten, mittlerweile häufig zu Dauergästen geworden.

Während diese Langstrecken-Zugvögel früher in jedem Winter nach Afrika flogen, ist — wie Schages berichtet — „seit einigen Jahren zu beobachten, dass sie hier bleiben“. Auch das gehe „so lange gut, wie die Temperaturen sich nicht plötzlich verändern“. Überraschend einsetzender Frost sei für die Störche ebenso gefährlich wie für die erwähnten kleinen Säugetiere. Sollte es jetzt am Niederrhein kühler werden, würden die Störche voraussichtlich den Abflug machen. „Und sich dann allerdings eher nach Frankreich oder Spanien begeben“, so Schages.

Was ihre kleinen Genossen unter den Wirbeltieren angeht — Stare, Feldlerche oder Kiebitz — versuchten auch diese derzeit eher hierzubleiben, berichtet der Mitarbeiter der Biologischen Station, „oder sie kommen früher zurück als bisher“.

Von diesen Zugvögeln, die eher kurze Strecken zurücklegen, abgesehen, ist aber laut Schages auch sonst viel mehr los in der Vogelwelt als üblich.

„Man hört zum Beispiel Meisen, Rotkehlchen oder Spatzen so rege, dass es fast wie Balzverhalten ist.“ Dass sie deshalb zu früh brüten und deshalb in Nöte geraten könnten, glaubt der Experte allerdings nicht.

Und sie müssten auch nicht gefüttert werden, sagt er. „Das Thema Zufüttern ist insgesamt überbewertet“, befindet er, „wild lebende Tiere finden häufig Nahrung, wo wir das nicht vermuten würden — unser Mitleid ist da häufig übersteigert.“

Auch beim Wild gebe es unterschiedliche Meinungen. Eine „natürliche Wintermortalität“, also der Tod einiger Wildschweine oder Rehe, sei „völlig normal“. Wenn es in diesem Jahr bei einem eher milden Winter bliebe, kämen viele Tiere durch, die sonst — weil zu schwach — gestorben wären. Unter der auch dadurch ansteigenden Population hätten dann die Landwirte, deren Felder dann vermehrt von Wildschweinen heimgesucht werden könnten, und die Wälder zu leiden, „weil die Rehe zahlreich junge Bäume beäsen“.