Virtuelle Reise ins Jahr 1377 auf Burg Linn

Museum : Virtuelle Reise ins Jahr 1377 auf Burg Linn

Krefelder Agentur hat ein 3D-Spiel für das Museum entwickelt, in dem Besucher sich gegen eine Belagerung der Festung rüsten.

Wer die schwarze, massive Brille aufsetzt, die eher an eine Maske aus einer anderen Galaxie erinnert, der taucht wirklich in eine andere Welt ein – zumindest in eine längst vergangene Zeit: Willkommen im Jahr 1377! Raubritter Heinrich von Strünkede treibt sein Unwesen rund um Burg Linn. Er überfällt Karawanen auf den Straßen und Schiffe auf dem Rhein. Sein Lehnsherr, der Erzbischof zu Köln, will sich das nicht länger gefallen lassen und droht eine Belagerung der Burg an.

Ein niedrigschwelliges Angebot mit historischem Ansatz

Wer auch immer die Brille in der Kemenate der Burg Linn künftig aufsetzt, findet sich in einer Comic-Version der mittelalterlichen Festung wieder – und hat die Aufgabe, die Belagerung unbeschadet zu überstehen. Das Museum hat die Virtual-Reality-Geschichte von der Krefelder Agentur Weltenweber entwickeln lassen, um Geschichte noch mal von einer ganz anderen Seite erlebbar zu machen, „nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene neu für einen Museumsbesuch zu begeistern“, sagt Jennifer Morscheiser.

Das Angebot sei „niederigschwellig, aber mit geschichtlichem Ansatz“, betont die Museumsleiterin. Die Geschehnisse im Vorfeld der Belagerung, „zu der es am Ende gar nicht kam, weil es eine diplomatische Klärung vor den Burgtoren gab, ist geschichtlich verbrieft“, betont Morscheiser. Dasselbe gilt für die Grafik: „Wir haben die Grundrisse der Burg genommen und in 3D rekonstruiert“, erzählt Lukas Kuhlendahl vom Weltenweber-Team. Auch die Einrichtungsgegenstände passten in die Zeit, versichert Morscheiser – „bis auf einen plagiatsverdächtigen Wandteppich“. Auf dem hat sich die Museumsleiterin selbst mit einem Tiger verewigen lassen.

Von der Suppe probieren oder Hühner im Burghof ärgern

Überhaupt: Bei aller geschichtsgetreuen Detailarbeit, 700 Arbeitsstunden haben die Weltenweber zusammengerechnet, der Spaß soll beim Spielen nicht fehlen: Wer möchte, kann die Hühner im Burghof jagen, jemanden auf der Latrine überraschen oder von der Suppe aus dem Riesenkochkessel probieren – lecker! Im Hintergrund hängt ein Bildschirm, um Zuschauern, die die Brille gerade nicht auf dem Kopf haben, Interaktion mit dem Spieler zu ermöglichen. „Das erste Mal mit VR-Brille war für mich ein absoluter Blindflug“, erzählt Morscheiser und lacht. Inzwischen habe sie es aber geschafft, genug Punkte während des fünfminütigen Spiels zu sammeln, um der Belagerung von Burg Linn zu entgehen.

„Als Archäologin wurde ich im Studium nicht darauf vorbereitet, PC-Spiele mit zu designen“, sagt die Museumsleiterin. Umso spannender sei es gewesen, sich mit Lichtstimmungen zu beschäftigen, ob es ein sonniger oder ein regnerischer Tag ist. „Wir haben ganz bewusst keinen pädagogischen, sondern einen Gaming-Ansatz gewählt, weil wir mal was anderes machen wollten.“ Vergleichbares gebe es in Krefelds Museumslandschaft bisher nicht, betont Morscheiser. Wichtig ist ihr: „Die virtuelle Realität soll den Museumsbesuch nicht ersetzen. Ich glaube aber auch nicht, dass sich das etwas nimmt – das Spiel macht neugierig auf das, was sich wirklich im Burghof befindet. Es geht darum, Fragen fragbar zu machen.“