Verkehr: Schichtdienst und Langstrecke

Verkehr: Schichtdienst und Langstrecke

Der Bedarf an Busfahrern steigt, viele Stellen sind unbesetzt. Die Stadtwerke Krefeld sind nicht davon betroffen.

Krefeld. Auf die Frage, ob er mehr Busfahrer gebrauchen könne, antwortet er mit einem lapidaren „Jawoll!“ Wilhelm Gather ist Inhaber von Gather Reisen und Transporte. Das Unternehmen beschäftigt 35 Fahrer, die insgesamt 25 Busse steuern — vier Stellen sind derzeit unbesetzt.

Das Problem des Fahrermangels bestehe seit eineinhalb oder zwei Jahren, sagt Gather. Einer der Gründe seien die vielen Fernbuslinien: „Die sind extrem expandiert und haben den Busfahrermarkt abgeschöpft.“ Erschwerend komme hinzu, dass viele Fahrer ihre Altersgrenze erreichen und „nix mehr nachwächst“.

Der fehlende Nachwuchs sei wohl auch den recht aufreibenden Arbeitsbedingungen geschuldet: „Beim Personennahverkehr muss man in drei Schichten fahren und bei den Fernreisen ist man permanent unterwegs und selten zu Hause.“ Zu niedrige Löhne hingegen schließt er als Ursache für den Busfahrermangel aus: „Wir zahlen Tarif.“

Den zahlt Martina Schellen ebenfalls. Aber auch sie räumt ein, dass der Schichtdienst und die lange Abwesenheit von zu Hause „nicht sooo attraktiv“ seien. Daher hat auch die Inhaberin von Busreisen Schellen zu wenig Fahrer: „Wir haben fünf Busse, drei feste Fahrer und eine offene Stelle. Wir behelfen uns mit Aushilfsfahrern. Außerdem fahr’ ich selber mit.“ Auch Schellen glaubt, dass der akute Busfahrermangel neben den anstrengenden Arbeitsbedingungen auf die expandierenden Fernbuslinien zurückzuführen sei: „Das kommt auf jeden Fall mit dazu.“

Gregor Hintz, Pressesprecher bei Mein Fernbus, bestreitet das: „Wir sind nicht das Problem. Wir schaffen Arbeitsplätze. Aber der Ausbildungsmarkt kommt einfach nicht hinterher.“ Im Übrigen habe auch Mein Fernbus zu wenig Fahrer: „Über unsere 62 Partnerunternehmen beschäftigen wir derzeit rund 1300 Busfahrer in ganz Deutschland. Aber allein bis zum Jahresende benötigen wir 400 oder 500 weitere.“

Hintz glaubt, dass der Beruf des Busfahrers ein besseres Image brauche, damit sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer entscheiden: „Mittelfristig wird dieses Problem aber verschwinden. Wir sorgen nämlich dafür, dass der Beruf wieder attraktiver wird. Der fällige Imagewandel findet gerade statt.“

Bei den SWK scheint dieser Imagewandel schon vollzogen. Dort jedenfalls gibt keinen Busfahrermangel. Dirk Höstermann, stellvertretender Pressesprecher: „Wir beschäftigen momentan 30 reine Busfahrer und 70 sogenannte Kombifahrer, die also Bus und Straßenbahn fahren können. Offene Stellen haben wir derzeit nicht, und wenn, sind diese immer schnell besetzt.“

Vor allem die Kombifahrer hätten sich bei Mitarbeiterbefragungen zufrieden über ihren Job geäußert — der häufige Wechsel zwischen Fahrzeugen und Linien wirke der Monotonie entgegen. Höstermann: „Insofern wird die Zahl der reinen Busfahrer abnehmen und die der Kombifahrer steigen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung