Verein plant Führungen und Veranstaltungen im Denkmal.

Stadtbad Neusser Straße : Freischwimmer füllen das Stadtbad mit Leben 

Der neu gegründete Verein wird ab dem nächsten Jahr Führungen und Veranstaltungen in dem altehrwürdigen Gebäude an der Neusser Straße anbieten.

Der Kalender im Raum des Schwimmmeisters ist von 2002. In der Toilette im Obergeschoss wächst ein kleiner Baum. Und im Schaufenster des einstigen Friseurgeschäfts im Eingangsbereich hängt noch das Plakat: „Ich bin dann mal weg“: Im alten Stadtbad an der Neusser Straße scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.  Deutliche Spuren des Verfalls mischen sich mit Relikten aus den goldenen Jahren dieser 1890 eröffneten Badeanstalt. Und mittendrin wuseln einige Handwerker, die seit einigen Monaten dabei sind, die dringendsten Sanierungsarbeiten auszuführen.

Der neu gegründete Verein „Freischwimmer im Stadtbad Neusser Straße“ möchte mit seinen derzeit rund 20 Mitgliedern – nach eigenem Bekunden allesamt Enthusiasten in den Dreißigern – aber noch sehr viel mehr Leben in die alten Hallen bringen. Ab dem nächsten Jahr  soll es deshalb regelmäßige Baustellenführungen mit „Überraschungen“ geben. Außerdem sind Konzert, Lesungen, Installationen an unterschiedlichen Orten des Bades vorgesehen. Maximal 199 Personen werden daran teilnehmen können – aus Gründen des Brandschutzes. „Wir haben sie deshalb die 199er genannt“, berichtet Marcel Beging vom Vereinsvorstand bei einem Rundgang durch das Gebäude.

Zauberhafte Orte für
Lesungen und Konzerte

Für solche Veranstaltungen gibt es ganz viele zauberhafte Orte zu entdecken. Etwa das ehemalige Damenbad, das nach einem Erdbeben 1992 geschlossen werden musste. Tauben hatten sich zuletzt hier so wohl gefühlt, dass ihr Kot von den Mosaikfußböden schubkarrenweise hinaus geschafft werden musste. Im einstigen Ruheraum des luxeriösen römisch-irischen Bades hatte unter einer blauen Kassettendecke später  die Loge „Schlaraffia Crefeldensis“ ihren Versammlungsraum. Und für kleinere Besuchergruppen würde sich perfekt das einstige Kaiserbad eignen, dessen prächtige weiß-blaue Wandfliesen rund um die große Badewanne bis heute erhalten geblieben sind.

„Das ist hier ein letztes Juwel von Krefeld. Wir haben jetzt die Riesenchance, es wieder nutzbar zu machen“, sagt Nils Rottgardt von den „Freischwimmern“. Bis das Bad tatsächlich umgestaltet wird, möchte der Verein mit seinen Aktionen dazu beitragen, Nutzungsideen jenseits eines bloßen wirtschaftlichen Denkens zu entwickeln. „Wir haben eigene Ideen, möchten aber nichts vorgeben“, so Beging. Das Areal könne sich zu einem Motor für die ganze Südstadt entwickeln.

Komerzielle Pläne waren
allesamt gescheitert

Kommerzielle Pläne für das Stadtbad hat es in der Vergangenheit viele gegeben. Umgesetzt wurden sie nie. Aktuell laufen Gespräche mit Beratern und möglichen Investoren. Ein Berliner Büro soll Nutzungskonzepte erarbeiten. Schon im Gespräch ist der Umbau zu einem Gründerzentrum.

Wie der „Freischwimmer“ betonen,  wäre gegen „Thinktanks“ im Stadtbad nichts einzuwenden. Doch die Räume seien groß genug, um auch völlig unterschiedliche Nutzungen möglich zu machen.

Für seine kulturellen Projekte in den ehrwürdigen Hallen erhält der Verein 25 000 Euro von der Stadt. In einem ehemaligen Ladenlokal im Eingangsbereich wird er künftig einen eigenen Schreibtisch bekommen. Denn die „Freischwimmer“ verstehen sich als Prozessentwickler, die die Bürger an der Entwicklung aktiv beteiligen wollen. „Wir sammeln dabei erst mal“, sagt Vereinsmitglied Katrin Mevißen.

Heino Brangs vom Zentralen Gebäudemanagement der Stadt Krefeld würde sich auf jeden Fall freuen, wenn das Bad in naher Zukunft für die  Bürger wieder offen steht: „Ich habe hier schwimmen gelernt und würde gerne wieder regelmäßig ins Stadtbad gehen.“