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Quartiersentwicklung: Urbanes Wohnen in der Alten Samtweberei

Quartiersentwicklung : Urbanes Wohnen in der Alten Samtweberei

In den denkmalgeschützten Gebäuden entstehen 37 Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen für Mieter und Nachbarn.

Krefeld. Das Projekt „Nachbarschaft Samtweberei“ in der Krefelder Südweststadt steht für eine moderne Art des Wohnens. Es kombiniert die Revitalisierung einer großen denkmalgeschützten Immobilie mit der gezielten Förderung von Arbeit fürs Gemeinwesen und Quartiersentwicklung.

Zwei der ehemaligen Gebäude an der Lewerentzstraße sind renoviert und bezogen. Das Pionierhaus beheimatet 25 Unternehmen, das Torhaus wird von Architekten, Beratern und dem Stadtmarketing genutzt. Aktuell werden die restlichen Gebäude unter dem Namen „Denkmal“ an der Ecke Lewerentz-/Tannenstraße zu 37 Mietwohnungen umgebaut.

Monika Zurnatzis von der gemeinnützigen Gesellschaft Urbane Nachbarschaft Samtweberei, einer Tochter der Montag-Stiftung, stellt das ungewöhnliche Projekt vor. „Hier wohnen ab April 2017 rund 80 Menschen in 37 verschiedenen Wohneinheiten.“

30 sind bereits reserviert. Alleinerziehende und junge Familien neben Senioren — und gleichzeitig eine bunte kulturelle Mischung. Die Mieter teilen sich Terrassen und verschiedene Gemeinschaftsräume und verpflichten sich zu insgesamt 1300 Stunden gemeinnütziger Arbeit pro Jahr für das Samtweberviertel.

Aus den ersten Mietinteressenten, aus Bewohnern und Händlern des Viertels wurde ein Rat gegründet, der in alle Entscheidungen eingebunden ist und über ein Jahresbudget von 60 000 Euro verfügt. Die Bewohner dürfen auf einen Topf von 5000 Euro für kleine Veranstaltungen oder Grünbepflanzungen zurückgreifen.

Für welche Projekte die gemeinnützige Arbeitsleistung erbracht wird, entscheiden die Bewohner je nach Eignung und Interesse selbst. Das beginnt bei Kochkursen oder gemeinsamem Backen und reicht bis zu Vorträgen oder zur Arbeit mit jungen Menschen in Ausbildung, wobei das Angebot jeweils auch für die Nachbarn gilt. Die Mieter fungieren dabei als Initiatoren, Berater und Unterstützer. Als zentraler Gemeinschaftsraum steht ein Nachbarschaftswohnzimmer für Treffs und Veranstaltungen bereit. Auch die Shedhalle im Hof ist frei nutzbar.

„Uns ist klar, dass das gemeinschaftliche Wohnen gegenseitige Rücksichtnahme erfordert und sich erst einspielen muss“, sagt Zurnatzis. „Deswegen lernen Mietinteressenten zuerst ihre neue Wohngruppe kennen, um sich gegenseitig beschnuppern zu können.“ Mietverträge werden erst im Dezember unterschrieben, Einzug ist nach Fertigstellung aller Wohnungen im April. Die Wohnungen sind gut ausgestattet, haben beispielsweise Edelholzböden oder auch Fußbodenheizung.